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SPIELFELD
07.11.2019

Enormer Aufwärtstrend

Für die Frauen der TSG Hoffenheim könnte die Saison bisher kaum besser laufen. Nach neun Spieltagen hat sich das Team von Trainer Jürgen Ehrmann auf dem zweiten Tabellenplatz der FLYERALARM Frauen-Bundesliga festgesetzt und sorgt mit hohen Siegen und überzeugenden Leistungen für Furore.

Nach dem 1:0-Erfolg gegen den FC Bayern München am 12. Oktober herrschte unbändige Freude rund um das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim. Der Sieg gegen den Deutschen Meister von 2015 und 2016, der danach drei Mal Vizemeister wurde, zeigte den enormen Aufwärtstrend der TSG-Frauen. „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Das haben meine Spielerinnen toll gemacht“, sagte Cheftrainer Jürgen Ehrmann, der sonst auch nach Siegen die Dinge erwähnt, die ihm weniger gefallen haben. Aber an diesem Samstag bei herrlichem Spätsommerwetter passte auch für den 58-Jährigen alles. Seine Spielerinnen feierten tanzend im Kreis – unter dem Applaus der 1650 Zuschauer. Es läuft prächtig bei den Frauen der TSG Hoffenheim.

Zwei Spiele stehen in der Hinrunde der FLYERALARM Frauen-Bundesliga noch an, der zweite Tabellenplatz scheint mehr als nur eine Momentaufnahme zu sein. Das Team vermittelt einen sehr gefestigten Eindruck. Es zahlt sich aus, dass vor dem Saisonstart alle Stammspielerinnen blieben und der Kader wie gewohnt nur durch aufstrebende Talente aus der 2. Mannschaft verstärkt wurde. „Es wäre mehr als fahrlässig, die Elf aus dem Kraichgau im Kampf um die Topplätze in der Liga in dieser Saison zu unterschätzen“, urteilte die Website „Womensoccer.de“, das digitale Fachmagazin für Frauenfußball.

Drei beim DFB

Gegen die Bayern waren die enorme Leidenschaft, die Bereitschaft zu einem Kampfspiel und eine glänzend aufgelegte Torhüterin Martina Tufekovic, die Grundlagen für die drei Punkte. Und zu beobachten war, dass gerade in der hektischen Schlussphase, als die Münchnerinnen großen Druck aufbauten, das Selbstvertrauen der Spielerinnen durch die vorangegangenen guten Leistungen enorm ist. Mit viel Geschick und ein wenig Glück wurde die Führung, die durch ein Eigentor des FC Bayern zustande gekommen war, verteidigt. „Die Kunst liegt darin, cool zu bleiben, aber nicht überheblich zu werden“, sagte Tufekovic. Vor zwei Jahren, vielleicht sogar noch in der vorigen Saison, hätten die TSG-Frauen ein solche Partie vermutlich noch verloren.

In der Woche zuvor hatte der Hoffenheimer Aufschwung dazu geführt, dass in Isabella Hartig, Tabea Waßmuth und Lena Lattwein gleich drei Spielerinnen dem Kader der deutschen Nationalmannschaft für die EM-Qualifikationsspiele gegen die Ukraine (8:0) und Griechenland (5:0) angehörten und eine vierte, Maximiliane Rall, sich auf Abruf bereithielt. So viele Hoffe-Spielerinnen hatte es noch nie im DFB-Team gegeben. Dies war auf die ausgezeichneten Leistungen zurückzuführen, die sie in einer starken TSG-Mannschaft seit Saisonbeginn geboten hatten.

Mit den Siegen gegen die Aufsteiger FF USV Jena (6:1 auswärts) und 1. FC Köln (4:0) konnte die TSG zu Beginn sogar die Tabellenspitze übernehmen. Gegen den FSV Hessen Wetzlar – zugegebenermaßen Regionalligist und mit dem Spieltempo der TSG sichtlich überfordert – feierte der Kraichgau-Club im Pokal dann den dritten Kantersieg (7:0). Ihre starke Form stellten die Hoffenheimerinnen auch beim amtierenden Double-Sieger VfL Wolfsburg unter Beweis, die ganz große Überraschung blieb jedoch aus. „Wir haben aufgezeigt bekommen, dass uns noch an Durchschlagskraft und Präzision fehlt, wir müssen noch besser werden“, resümierte Ehrmann nach dem 0:3 beim VfL.

Weiter auf Platz 2

Schon fünf Tage nach dieser Niederlage untermauerte die TSG ihre Ambitionen, sich in den oberen Tabellenrängen festzuspielen. Gegen die SGS Essen, die die Vorsaison auf Platz vier beendete, feierten die Hoffenheimerinnen ihren bisher höchsten Sieg ihrer Bundesliga-Geschichte. Mit dem 7:0 (4:0), das Eurosport live im Fernsehen zeigte, spielte sich die TSG endgültig ins Rampenlicht. Von einer unglaublichen Effizienz profitierten die TSG-Frauen auch eine Woche später beim SC Freiburg. „In der ersten Halbzeit war jeder Schuss ein Treffer“, gab Tabea Waßmuth, die mit einem Viererpack glänzte, schmunzelnd zu. Auf der Gegenseite hatte man das Glück, dass der SC gleich mehrere Hochkaräter nicht nutzte. Das 5:1 im Baden-Derby bedeutete für die TSG weiter den zweiten Tabellenplatz, auf dem sich die Hoffenheimerinnen auch nach neun Spieltagen noch befinden und damit ärgster Verfolger des VfL Wolfsburg sind.

Die Euphorie des Bayern-Siegs wirkte nach, doch jede Spielerin und auch Trainer Jürgen Ehrmann betonten immer wieder: Wir heben nicht ab, sondern bleiben bodenständig. Den Worten ließ das TSG-Team auch Taten folgen. Nur wenige Tage nach dem Heimspiel gegen München bestätigte der Zweitplatzierte seine Leistungen in Leverkusen, auch der SC Sand und der MSV Duisburg wussten die Hoffenheimerinnen nicht zu stoppen. Noch in den Vorjahren hatte die TSG bei diesen Gegnern trotz Überlegenheit noch Punkte liegenlassen, mit souveränen und abgeklärten Auftritten stellte das Team von Trainer Ehrmann einmal mehr seine Entwicklung unter Beweis.

Trotz bärenstarker Ergebnisse werden bei der TSG aber weiter kleine Brötchen gebacken. Von der Champions League wird im Kraichgau zwar geträumt, so richtig daran glauben mag man dennoch nicht. Ehrmann möchte von dem Thema lieber gar nichts hören. „Der Weg bis zum Saisonende ist noch unglaublich lang“, warnte der Trainer. Bis zur Rückrunde sollen noch sechs Punkte auf dem Konto des Überraschungsteams der FLYERALARM Frauen-Bundesliga landen. Für die Hoffenheimerinnen geht es in den kommenden Wochen gegen den 1. FFC Frankfurt und den 1. FFC Turbine Potsdam.  Außerdem gilt es, gegen den FF USV Jena das Viertelfinal-Ticket im DFB-Pokal zu lösen.

Die Begegnungen bis zur Winterpause:

Samstag, 16. November um 13 Uhr: TSG Hoffenheim – FF USV Jena, DFB-Pokal Achtelfinale

Freitag, 22. November um 19.15 Uhr: 1. FFC Frankfurt – TSG Hoffenheim, 10. Spieltag FFBL (live auf Eurosport)

Sonntag, 1. Dezember um 14 Uhr: TSG Hoffenheim – 1. FFC Turbine Potsdam, 11. Spieltag FFBL

Sonntag, 8. Dezember um 14 Uhr: TSG Hoffenheim – FF USV Jena, 12. Spieltag FFBL

Sonntag 15. Dezember um 14 Uhr: 1. FC Köln – TSG Hoffenheim, 13. Spieltag FFBL

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