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CAMPUS
21.02.2018

Danny Galm: Meister zu sein ist kein Freibrief

Im Winter rutschte U16-Coach Danny Galm sozusagen über Nacht eine Etage nach oben. Durch die Beförderung von Pellegrino Matarazzo zum Co-Trainer der Profis übernahm der 31-jährige Amorbacher die U17 – und blickt nun wenige Tage vor dem Bundesliga-Restrückrundenauftakt am Samstag gegen Augsburg auf die fünfwöchige Vorbereitung zurück.

Herr Galm, am Samstag geht’s endlich wieder los. Derzeit steht die U17 in der Bundesliga Süd/Südwest auf Platz vier mit zehn Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München. Welche Ziele haben Sie in der Vorbereitung ausgerufen?

Danny Galm: Bei zehn Punkten Rückstand werde ich sicher keine Kampfansage an den FC Bayern herausposaunen. Wir haben andere Ziele.

Welche?

Galm: Ich habe den Jungs klargemacht, dass es auch um ihre Zukunft geht. Für die meisten steht der Sprung in die U19 an, darauf müssen wir sie vorbereiten. Dabei haben wir keine Zeit zu verschenken. In vier Monaten ist es schon so weit, jede Trainingseinheit und jedes Spiel zählen. Generell gilt: Spieler einer Top-3-Mannschaft sind interessanter als die eines Teams, das sich irgendwo zwischen Platz vier und acht einpendelt und die Saison lustlos zu Ende spielt.

Sie schauen also schon auch auf die Tabelle?

Galm: Natürlich. Am Anfang einer Saison weniger, nach der Winterpause schon. Wir streben den maximalen Erfolg an. Das wird nicht einfach, weil einige Spieler auch Prüfungsstress haben, aber das ist nunmal unser Anspruch.

Sie wirken sehr zuversichtlich…

Galm: Wir haben inhaltlich schon sehr vieles umsetzen können. Mit Ausnahme der Spieler, die wir für ihre Nationalmannschaften abstellen mussten, waren alle Mann an Bord. Ich bin mit der Vorbereitung zufrieden.

Die Testspielergebnisse können sich auch sehen lassen, unter anderem gab es ein 3:3 beim souveränen Spitzenreiter der Staffel West, Borussia Dortmund!

Galm: Ja, das war ein echter Härtetest. Die erste Halbzeit war weniger gut, die zweite schon besser. Aber es war eben „nur“ ein Freundschaftsspiel. Die Jungs freuen sich, dass es endlich wieder um Punkte geht und wissen, dass sie schon am Samstag gegen Augsburg ans Limit gehen müssen.

Wie beurteilen Sie denn Ihren aktuellen Jahrgang?

Galm: Ich schätze ihn als einen sehr guten Jahrgang ein, der aber auch einen gewissen Druck benötigt.

Kommen wir nochmal auf Sie zu sprechen: War der spontane Wechsel von der U16 zur U17 – und somit von der Akademie-Arena ins Leistungszentrum – eine große Umstellung?

Galm: Überhaupt nicht. Ich bin jetzt fast zwei Jahre bei der TSG und kenne alle Mitarbeiter. Die Spieler habe ich zum Großteil schon in der U16 betreut und mit meinem Trainerteam habe ich schnell einen gemeinsamen Nenner gefunden.

Haben Sie sich auch mit Ihrem Vorgänger getroffen?

Galm: Mit Rino (Matarazzo, Anm. d. Red.) habe ich mich gleich nach dem Wechsel zusammengesetzt. Wir haben uns über Inhalte ausgetauscht und tun das auch weiterhin, wenn wir uns über den Weg laufen. Ich werde jetzt weder alles verändern noch alles genauso weiterführen. Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil und seine eigenen Strukturen.

Sie selbst waren Deutscher A-Jugend-Meister mit dem VfB Stuttgart und Bundesliga-Torschützenkönig. Was hat der Trainer Danny Galm vom Spieler Danny Galm?

Galm: Ich fühle mich den Spielern sehr nah und denke, einige Dinge auch noch ordentlich vormachen zu können. Zudem kann ich mich sehr gut in die Situation der Jungs reindenken und meine Ansprache entsprechend anpassen. Es heißt ja, dass der Trainerjob zu 80 Prozent aus Coaching und zu 20 Prozent aus Kommentieren besteht. Ich sehe das etwas anders und versuche, die Waage etwas mehr auszubalancieren.

Als ehemaliger Stürmer haben Sie für Ihre Offensivspieler bestimmt auch den einen oder anderen Tipp aus eigener Erfahrung. Was aber können Sie den Verteidigern beibringen?

Galm: Ganz einfach: Ich kann ihnen zeigen, welche Art von Gegenspieler für mich besonders unangenehm war, wie man einen Angreifer zermürbt.

Zur internationalen Karriere wie bei Ihren einstigen Weggefährten Mario Gómez oder Sami Khedira hat es am Ende nicht ganz gereicht. Was vermitteln Sie Ihren Spielern, worauf es letztlich ankommt, um den ganz großen Sprung zu schaffen?

Galm: Dass sie durch Leistung auffallen müssen, und zwar permanent. Dieser Spruch hing schon als Leitsatz in der U16-Kabine. Hinzu kommt dann eine richtige Mentalität. Wer sich zu früh als Superstar feiern lässt, wird auch nicht weit kommen. Dass etwa der Gewinn einer Deutschen Jugend-Meisterschaft kein Freibrief ist, zeigt mein Beispiel. Die Jugendzeit dient durchweg der Ausbildung. Bei den Profis müssen sie dann hingegen dauerhaft Leistung bringen. Wer das nicht schafft, wird ganz oben nicht ankommen.

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