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AKADEMIE
05.12.2011

Duale Ausbildung - Yildirim auf dem Weg zum Bürokaufmann

Bevor es auf den Trainingsplatz geht, muss Ömer Yildirim noch schnell ein paar Unterlagen fertig bearbeiten. Dann heißt es raus aus den Jeans und rein in die Sportklamotten. Seit dem 1. September ist der 17-Jährige in doppelter Funktion wichtiger Bestandteil der achtzehn99 AKADEMIE. Zum einen als Rechtsverteidiger der U19, zum anderen als Auszubildender in der Administration. „Ich bin froh, dass ich hier diese Chance bekomme“, sagt der Deutsch-Türke, der im Internat der Akademie lebt.

Zu seinen „Arbeitsplätzen“ hat es Yildirim also nicht weit. Von seinem Zimmer aus blickt er direkt auf die Sportanlage, in den Athletikraum geht es eine, ins Büro zwei Treppen runter. Dort wartet drei Mal die Woche – dienstags, donnerstags und freitags – Kai Rosar auf ihn. Rosar ist für die Administration im Nachwuchsleistungszentrum zuständig und für Yildirims Ausbildung verantwortlich. Gemäß der Ausbildungsordnung der IHK bildet er Yildirim in den kommenden drei Jahren zum Bürokaufmann aus, die Grundlagen werden in der Sinsheimer Berufsschule gelegt. Zwei Schwerpunkte sind „Buchhaltung“ und „Personalverwaltung“. Ömer Yildirim kam im Sommer 2009 nach Hoffenheim. Zuvor hatte der gebürtige Mannheimer, der in einem sozial schwierigen Stadtteil aufwuchs, als F-Jugendlicher beim TSV Schönau gespielt, wechselte später zu Turanspor und schloss sich schließlich dem SV Waldhof an. Wie alle talentierten Jungs in seinem Alter hat auch der Galatasaray-Fan die berechtigte Hoffnung, eines Tages Profi-Fußballer zu werden. Er weiß aber auch, dass der Weg sehr lang ist und man viel Glück braucht. „Deshalb habe ich mich entschieden, nach Hoffenheim zu gehen“, sagt Yildirim. „Denn hier kann ich mich sowohl sportlich optimal weiterentwickeln als auch für den Fall, dass es nicht mit der Profi-Karriere klappt, mir ein zweites Standbein aufbauen.“

Als er merkte, dass es mit der ursprünglich geplanten Ausbildung zur Fachhochschulreife in Verbindung mit Sportmanagement nicht reichte, sprach er in Eigeninitiative die Mitarbeiterin von „Anpfiff ins Leben“ an, um mit ihr eine geeignete Lösung zu finden. „Heraus kam die Ausbildung zum Bürokaufmann, worüber ich sehr froh bin“, so Yildirim. Der Umzug vom Elternhaus ins Internat bedeutete ebenfalls eine große zeitliche Entlastung, da die Anfahrtswege nun deutlich kürzer sind. Sportlich befindet sich der türkische Juniorennationalspieler, der einige Einsätze für die U16 seines Heimatlandes absolviert hat, auf einem guten Weg. Als B-Jugendlicher wurde er im vergangenen Winter frühzeitig in die U19 hochgezogen. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das hier alles so schnell läuft“, freut sich der 17-Jährige, der in der Elf von Trainer Alfons Higl längst zum Stammpersonal gehört. Während es auf dem Platz in erster Linie darum geht, die rechte Seite zuzumachen und die ein oder andere gefährliche Offensivaktion zu starten, steht im Büro derzeit unter anderem die Lagerhaltung und Bestellung von Büromaterial, die Aktualisierung der Online-Fachbibliothek, die Chipverwaltung oder die Archivierung der Trainerlizenzen auf dem Programm. „Die Aufgaben werden schon noch anspruchsvoller“, versichert Rosar. „Aber Ömer hat jetzt gerade mal ein Vierteljahr hinter sich. Wir verfallen nicht in Hektik, schließlich ist der Ausbildungsplan auf drei Jahreausgelegt.“ Seinem Schützling stellt er bislang aber schonmal ein gutes Zeugnis aus: „Absolut einwandfrei. Ömer arbeitet sehr gewissenhaft und selbstständig.“

Die Freizeit ist natürlich etwas knapper bemessen als zuvor. „Ich baue mir meine Zukunft auf, da muss ich das eben in Kauf nehmen. Immer noch besser, als meine freie Zeit vor der Spielkonsole zu verbringen.“ Seinen Leistungen auf dem Platz schadet die „Dreifachbelastung“ Schule, Büro, Sport jedenfalls nicht. Kürzlich traf er im Bundesliga-Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth ins Schwarze und gab sich auch bei einem Interview mit einem regionalen Fernsehsender souverän. „Die ganzheitliche Ausbildung in der Akademie trägt einen großen Teil zu meiner Persönlichkeitsentwicklung bei“, freut sich der Rechtsverteidiger, der den Brasilianer Dani Alves als sein Vorbild nennt. In drei Jahren stehen also die schriftliche und mündliche Abschlussprüfung an. Bis es soweit ist, wird Yildirim auch noch in andere Unternehmen reinschnuppern. Dass Yildirim dann noch ein Hoffenheimer ist, ist sehr wahrscheinlich, denn sein Vertrag wurde bis 2014 verlängert. Läuft alles nachPlan, gehört er dann dem U23-Kader an.

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