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18.11.2018

Hübner: "Die Lebensqualität ist zurück"

Anfang August bekam Benjamin Hübner im Trainingslager in Windischgarsten einen Ball an den Kopf und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung mitsamt einer Funktionsstörung im Innenohr, die Schwindelgefühle auslöste. Die komplizierte Verletzung führte zu einer monatelangen Pause des 29-Jährigen. Nun ist der Abwehrspieler zurück auf dem Trainingsplatz – und absolvierte in der vergangenen Woche sein erstes Testspiel. Im Interview mit achtzehn99.de spricht er über die Auswirkungen seiner Verletzung, die schwierige Zeit und seine persönlichen Ziele.

Benni, Du hast in dieser Woche bei der U23 Dein erstes Testspiel nach langer Verletzungspause bestritten. Wie hat es sich angefühlt?

"Es kam mir schon noch bekannt vor, auf dem Platz zu stehen. Aber um in die Abläufe reinzukommen, ist so ein Spiel echt super. Es fühlt sich sehr gut an, wieder auf Wettkampf-Niveau dabei zu sein und es ist ein schönes Gefühl, mal wieder ein Spiel zu absolvieren, auch wenn es nur ein Test war."

War es ein besonderes Spiel für Dich?

"Ja, weil es eine Partie war, die nach der langen Pause auf den nächsten Schritt hindeutet. Für mich war es genau das Richtige. Ich habe auch schon wieder Kopfbälle gemacht. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich da am langsamsten wieder rangetraut habe. Alles andere ging relativ schnell."

Du hast Dir in der Vorbereitung eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen und hast mehrere Monate pausiert. Wie waren die ersten Wochen für Dich, in denen niemand wusste, woran es genau lag?

"Ich hatte schon mehrere Gehirnerschütterungen und mich auf eine Pause von ein, zwei Wochen eingestellt. Als die Zeit vorbei war, hieß es dann, es könne vier Wochen dauern. Dann hieß es acht Wochen…"

"Ich habe sehr viel Zuspruch bekommen"

Hast Du Dich mit zunehmender Zeit auch um Deine Laufbahn gesorgt?

"Irgendwann ist mir bewusst geworden, dass nach dem Absturz aller Systeme das Wichtigste ist, überhaupt wieder völlig gesund zu werden – egal, wie lange es dauert. Ich habe von vielen Menschen, die mit mir durch diese Phase gegangen sind, sehr viel Zuspruch bekommen. Sie haben mir Mut gemacht und aus jedem Check-Up, bei dem es ein wenig besser wurde, konnte ich neue Kraft ziehen. Deshalb hatte ich fast zu keiner Zeit den Gedanken, dass es nicht wieder besser wird."

Du durftest zu Beginn nicht Lesen, Fernsehen oder das Handy benutzen. Wie war das?

"Man muss für sich Alternativen finden, leichte Sachen machen, sich mit anderen Dingen beschäftigen. Am Anfang herrschte schon Langeweile, aber da muss man sich ablenken und sich einem Alltag nähern."

Bist Du im Alltag angekommen?

"Bei 100 Prozent bin ich sicher noch nicht, aber die geregelten Abläufe, das Training – das tut mir alles sehr gut und ich bin einfach nur froh, wieder da zu sein. Es war sicher die schwierigste Zeit meiner Karriere und besonders hart, nicht zu wissen, woran es liegt und wann man wieder zurückkommt. Jetzt ist die Lebensqualität zurück, das ist einfach nur schön und man schätzt Dinge viel mehr, die früher selbstverständlich waren."

"Ich habe eine andere Sicht auf die Dinge bekommen"

Hat Dich die Phase verändert?

"Auf jeden Fall habe ich eine andere Sicht auf die Dinge bekommen, die Prioritäten haben sich verschoben. Gesundheit ist im Leben das Wichtigste, es ist die Voraussetzung dafür, alles andere zu erreichen. Und dazu bin ich auch meiner Familie und meinen Freunden sehr dankbar. Ich wusste natürlich, wie wichtig sie für mich sind. Aber in so einer Phase wird einem das noch einmal verdeutlicht."

Wie hast Du die Betreuung durch den Verein erlebt?

"Ich habe eine riesige Unterstützung vom Verein gespürt, dafür bin ich sehr dankbar. Auch dafür, dass medial meine Privatsphäre gewahrt wurde, dass ich genügend Zeit für mich hatte, um wieder zurückzukommen. Mir wurde unglaubliche Hilfe angeboten, gerade auch von Alexander Rosen und unserer medizinischen Betreuung. Nie hat mir jemand Druck gemacht, ich habe nur die volle Unterstützung gespürt und jeder hat unglaubliches Verständnis für die Situation gezeigt, die ja alles andere als normal war."

Hast Du die TSG-Spiele geschaut?

"Jedes einzelne, das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Es hat aber gedauert, bis ich sie mir im Stadion anschauen konnte. Ich brauchte noch Ruhe und es war zu dieser Zeit auch schwierig, ständig gefragt zu werden, was ich habe und wann ich zurückkomme. Es gab eine Phase, wo ich darauf keine Antworten hatte und auch nicht antworten wollte. Darum wollte ich wieder bei Kräften sein, bevor ich wieder ins Stadion gehe. Das ist zuletzt aber ja schon wieder der Fall gewesen."

Dank an die Fans

Ihr habt auch dank Deiner starken Leistungen das große Ziel Champions League erreicht. Tat es besonders weh, nicht zu wissen, ob man in diesem Wettbewerb dann wirklich spielen und sich den Traum erfüllen kann?

"Selbst beim größten Traum Champions League verschieben sich irgendwann so die Prioritäten, dass man einfach nur wieder gesund werden will. Mich hat es für die Jungs gefreut, dass sie ihre Erfahrungen in der Königsklasse sammeln konnten. Klar will man dabei sein, das ist Fakt, aber es kann ja noch dazu kommen."

Worauf freust Du Dich am meisten?

"Ich konnte Monate lang im sportlichen Bereich wirklich gar nichts machen, das ist mir sehr schwergefallen. Darum freue ich mich auf Wochen wie die vergangene: in denen ich wieder auf dem Platz stehen, Spiele absolvieren und dann hoffentlich wieder angreifen kann – in der Bundesliga und international. Und darauf, dass ich an diese Phase meines Lebens einen Haken machen kann."

Die Fans haben sich menschlich und sportlich um Dich gesorgt, worauf können sich die Fans freuen?

"Vielen Dank dafür. Alle dürfen sich darauf freuen, dass ich demnächst das Trikot wieder überstreifen und auf den Stadionrasen zurückkehren werde. Das kann ich versprechen – auch wenn ich dafür noch keinen Zeitpunkt ankündigen kann. Aber ich bin wieder im Mannschaftstraining, bin heiß und fühle mich von Tag zu Tag besser. Ich werden mein Bestes geben, hart dafür arbeiten, um möglichst bald wieder spielen zu können. Und ich hoffe, dass es mit mir und der TSG dann so erfolgreich läuft wie in den vergangenen Jahren."

 

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