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06.07.2016

TSG-Mann bei der EM: Pfannenstiel als Medienstar

In Paris ist er in diesen Wochen ein sehr gefragter Mann: Lutz Pfannenstiel sorgt dafür, dass die TSG bis zum Finale bei der Europameisterschaft vertreten ist. Der Beauftragte für Internationale Beziehungen und Koordinator für das Scouting ist vor allem im Internationalen Medienzentrum tätig.

Als EM-Experte tritt er regelmäßig im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) auf. "Aber das ist noch nicht alles", sagt Pfannenstiel, "an den sendefreien EM-Tagen des ZDF arbeite ich für die BBC, für das österreichische ORF, für die französisch-katarische Anstalt beIN Sports und für einen schwedischen Sender". Gewissermaßen ein Medienstar ist der TSG-Mitarbeiter. "Es macht superviel Spaß, aber es ist richtig stressig", sagt Pfannenstiel lachend.

Und auch von Paris aus hält 43-Jährige ständigen Kontakt mit der Geschäftsstelle in Zuzenhausen. Mit Thomas Richter bespricht er die Planungen für die Saisonvorbereitung und den weiteren Verlauf des Spieljahres 2016/17, ist bei Transferfragen involviert und am Scouting beteiligt.

Netzwerker Pfannenstiel

Zu "maximal vier, fünf Stunden Schlaf" käme er, sagt Pfannenstiel, "seit vier, fünf Wochen arbeite ich bis zum Anschlag". Turniere sind ein wahres Fest der Arbeit aber auch der Freude für ihn, seine Expertise ist überall gefragt. Bekannt ist er im internationalen Fußball als der "Welttorhüter", der für 25 Vereine in zwölf Ländern auf allen Kontinenten spielte, und als Begründer von Global United, dem auch von der TSG unterstützten internationalen, gemeinnützigen Fußballverein zum nachhaltigen Schutz des Weltklimas. Die Kontakte, die er über die Jahre geknüpft hat, helfen Pfannenstiel beim Medien-Job in Paris und den anderen EM-Spielorten, die er bis vorige Woche bereiste.

Pfannenstiel vermittelt die internationalen Gäste, die im ZDF dann von Moderator Oliver Welke und Oliver Kahn präsentiert werden. "Wir profitieren stark vom Netzwerk, das Lutz hat", sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Die französischen Ex-Weltmeister Christian Karembeu und Robert Pires, die Schweizer Jörg Stiel und Ciriaco Sforza, den Engländer Phil Neville, den Tschechen Pavel Kuka, den Österreicher Franz Wohlfahrt und viele andere lockte Lutz Pfannenstiel in die Sendung. "Ich schlage die für die Sendung vor, die auch wirklich verfügbar sind. Dann holt das ZDF jene, die am besten passen."

Seit der WM 2010 beim Fernsehen

Pfannenstiel steht selbst auch vor der Kamera, aber ein Großteil seiner Arbeit spielt sich dahinter ab. "Ich bin für das ZDF der Analyse-Experte für Wales und war es für Nordirland, teilweise habe ich auch Island analysiert", erklärt Pfannenstiel. In den Redaktionssitzungen gibt er seine Einschätzungen und Analysen weiter, Kahn und Welke können davon dann in der Sendung profitieren. Der Ex-Torhüter aus Zwiesel kennt das. "Auch bei der TSG ist es ja meine Aufgabe, zu analysieren und zu scouten. Beim ZDF bringe mein Wissen von den Mannschaften ein, von denen ich die meiste Ahnung habe."

Zu dem Job gekommen ist Pfannenstiel im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, als er noch dem Trainerstab der Nationalmannschaft von Namibia angehörte. Die meisten afrikanischen WM-Teilnehmer machten unmittelbar vor der WM Testspiele gegen Namibia, das an Südafrika angrenzt. "Das ZDF suchte einen Experten für die afrikanischen Teams und fragte mich, ob ich sie analysieren konnte. Dann habe ich auch noch Neuseeland übernommen, weil Nationaltrainer Ricki Herbert mal mein Trainer war." Dass Pfannenstiel wirklich ein riesiges Netzwerk von Leuten im Fußball kennt, liegt natürlich auch an seiner Kontaktfreudigkeit.

"Der Gewinner wird Europameister"

Mit seiner unglaublich umfangreichen Erfahrung ist er auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Auslandsexperte tätig und arbeitet in der Trainerausbildung des Weltverbandes der Fifa mit. Er selbst besitzt die Trainer-A-Lizenz. Damit spricht er mit den Trainern bei der EM praktisch von "Du zu Du". Im ZDF-Auftrag besorgt er ein, zwei Stunden vor dem Anpfiff noch die letzten Informationen aus den Mannschaften, ob Spieler ausfallen oder welche Wechsel eventuell vorgenommen werden. Ab und zu kann Pfannenstiel den Gesprächspartnern auch noch Infos zur Taktik entlocken.

Wenn die ZDF-Arbeit erledigt ist, dann kümmert er sich auch für die weltweit gesehene Sendung von BBC World Sports. Da tritt er vor die Kamera und beurteilt wie ein Match ausgehen könnte, wägt die Chancen ab, beurteilt die letzten Spiele, die taktischen Besonderheiten – mit einer Schaltung ähnlich wie bei einem politischen Korrespondenten einer News-Sendung. Denn BBC World Sports hat keine EM-Senderechte, da kann aber Lutz Pfannenstiel im Stil eines Radioreporters perfekt auf ein Spiel vorbereiten.

Zu Deutschland gegen Frankreich im Halbfinale hat er eine klare Meinung. "Das ist leider das bereits vorgezogene Endspiel. Aber davon gab es ja mehrere: Italien gegen Spanien, Deutschland gegen Italien und nun eben Frankreich gegen Deutschland. Es ist aber auch ein absolutes Traumhalbfinale. Ich gehe davon aus, dass der Gewinner auch Europameister wird." Die Kurzfassung seiner Vorab-Analyse der Partie: Deutschland hat die bessere Defensive, auch ohne den gesperrten Mats Hummels, die Franzosen die bessere Offensive.

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