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FRAUEN
14.07.2016

Leonie Pankratz: „Fußball ist überall anders“

Während das Bundesligateam im Kraichgau an seiner Top-Form für die neue Saison feilt, spielt Leonie Pankratz mit dem ÍBV Vestmannaeyjar um den Einzug ins Finale des isländischen Frauen-Pokals. Mitte Mai ist die 26-Jährige auf die Insel umgesiedelt und kehrt erst im August zum TSG-Team zurück. Mit achtzehn99.de spricht die Abwehrspielerin über die gewöhnungsbedürftigen Isländer, den Vulkan, den sie von ihrem Zimmerfenster aus sehen kann und ihre Neugier auf neue Kulturen.

Hallo Leo, mittlerweile bist du seit zweieinhalb Monaten auf Island. Wie hast du dich eingelebt?

Leonie Pankratz: Ich habe mich hier sehr gut eingelebt, auch wenn es anfangs gerade temperaturtechnisch eine große Umstellung war. Wir leben auf Heimaey, das ist eine kleine Insel südlich des Festlandes mit 4000 Einwohnern, die 1973 durch einen Vulkanausbruch um einige Quadratkilometer gewachsen ist. Den Vulkan – wenn auch nicht der einzige auf der Insel- haben wir von unserem Fenster aus im Blick. Bei den nächsten Anzeichen heißt es: Füße in die Hand.

Du hast in den letzten Jahren schon Station in Spanien und Portugal gemacht, jetzt sammelst du Spielpraxis in Island. Wie kommst du dazu?

Pankratz: Ich liebe es, neue Kulturen kennenzulernen und ich liebe es, Fußball zu spielen. Beides miteinander zu verbinden ist ein Privileg, das nur wenige haben. Es ist nicht nur interessant zu erkennen, dass jedes Land eine andere Mentalität besitzt, sondern auch, dass der Fußball in jedem Land verschieden ist.

Wie können wir uns deinen Tagesablauf vorstellen?

Pankratz: Mein Tagesablauf weicht eigentlich nicht groß von dem in Deutschland ab. Zweimal die Woche ist morgens Training, zwischendurch führe ich mein Fernstudium fort und abends nochmal Training. An manchen freien Tagen wird Island erkundet, die Augen werden einfach nicht satt von so viel landschaftlicher Schönheit.

Du hast nun schon einige Spiele für dein isländisches Team ÍBV Vestmannaeyjar absolviert. Welche Unterschiede siehst du zu den Spielen in der Allianz Frauen-Bundesliga?

Pankratz: Die isländische Liga ist ebenfalls eine Profiliga, sie besteht aus zehn Mannschaften. Die Saison ist aufgrund der Witterungsverhältnisse deutlich kürzer als in Deutschland und geht von Mitte Mai bis Ende September. In dieser Zeit müssen 18 Saison- plus Pokalspiele untergebracht werden, englische Wochen sind sehr häufig. Der Fußball ist hier deutlich aggressiver und körperbetonter, Eins-gegen-Eins löst oftmals das Kombinationsspiel ab, das ich in Hoffenheim gewohnt bin und ein wenig vermisse.

Die TSG ist bereits Anfang Juli in die Vorbereitung gestartet. Du bist noch vor der Sommerpause nach Island aufgebrochen. Hat dir die fußballfreie Zeit ein wenig gefehlt?

Pankratz: Fehlende Motivation war bei mir noch nie ein großes Thema, ich freue mich auf die neuen Herausforderungen in Deutschland. Ich fühle mich körperlich fit, hatte hier bisher keine Verletzungen. Zudem hatten wir während der EM drei Wochen spielfrei. Der Trainer hat mir in dieser Zeit ein paar freie Tage gegönnt, er wusste ja, dass ich gerade aus einer Saison komme.

Du erwähnst die EM. Island hat bei diesem Turnier eine gute Rolle gespielt und uns viel Freude bereitet, wie erlebst du die Isländer?

Pankratz: Die Isländer sind sehr speziell und das ist nicht negativ gemeint. Sie sind nur gewöhnungsbedürftig. Zum Beispiel gibt man sich hier nicht die Hand und man sagt sich pro Tag nur einmal „Hallo“, beim nächsten Treffen ignoriert man sich gegenseitig. Zudem leben sie getreu nach dem Motto „es wird schon irgendwie hinhauen, hat ja immer geklappt“. Das kann einem Deutschen, der an Pläne und feste Zeiten gewöhnt ist, schon ein wenig irritieren. Letztendlich funktioniert aber dennoch alles und das deutlich stressfreier.

Wie wirst du die verbleibenden Wochen auf Island verbringen und auf was freust du dich am meisten, wenn du zurück in Deutschland bist?

Pankratz: In den letzten Wochen haben wir noch ein paar Spiele, darunter das Halbfinale im Pokal. Natürlich möchte ich das gewinnen, auch mit dem Wissen, das Finale im August nicht mehr mitspielen zu können. Ansonsten werde ich die Zeit nutzen, um noch einige Orte zu sehen, bevor ich mich dann nach Deutschland aufmache und mich auf die deutlich wärmeren Temperaturen freue.

 

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