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FRAUEN
02.04.2015

Franziska Harsch: "Mit Mathe nicht zufrieden"

Es waren anstrengende Wochen für Franziska Harsch. Fußball und Abi - nur darum kreisten ihre Gedanken in der letzten Zeit. Für die 17-jährige Zweitligaspielerin, die auch schon zwei Einsätze in der 1. Bundesliga hatte, standen die schriftlichen Abitur-Prüfungen an. Am 18. März ging es mit dem Fach Deutsch los, dann folgten Mathe, Englisch und Sport (schriftlich).

„Sprachen sind ja nicht so mein Spezialgebiet, dafür lief es in Englisch und Deutsch gut“, erzählt Franziska Harsch. Und in Sport kam ein fußballerisches Thema dran. „Es ging um den Energiegewinnungsweg bei Sprints von Manuel Neuer im Strafraum“, erklärt Harsch. Hier folgt noch die praktische Prüfung. Mit zwiespältigen Gefühlen denkt sie an die Mathe-Klausur. „Die war sehr schwer, damit bin ich gar nicht zufrieden“, so Harsch.

Gerade in diesem Fach hat sie sehr viel investiert. Immer freitags waren eineinhalb Stunden Lernunterstützung bei Lehrer Victor Santa Cruz angesagt. Hinzu kamen Lerntage mit Christoph Häffner, an denen auch die anderen Abiturientinnen wie Carina Schanz und Silvana Chojnowski manchmal teilnahmen. „Ich bin echt froh, dass ich hier Nachhilfe haben durfte, gerade in Mathe hat es sehr viel geholfen“, sagt Harsch. Seit Beginn des Lernangebotes hat sie sich in den Dreier-Bereich verbessert. Auch in Englisch hat sie seit November Unterstützung erhalten.

„Ohne diese Lernangebote wäre es nicht möglich, so hochklassig Fußball zu spielen, ich hätte den Anschluss verpasst“, gibt Franziska Harsch zu. Sie kommt aus dem Stuttgarter Stadtteil Birkach, der zwischen Fernsehturm und Messe liegt. Dort besucht sie das Wilhelms-Gymnasium in Degerloch, das nur 500 Meter vom Stadion der Stuttgarter Kickers entfernt ist.

Mit dem Studium geht es weiter

So ein Tag mit Schule, Nachhilfe und Fußball ist prall gefüllt. 6.15 Uhr aufstehen, Schule, zu Hause etwas essen. „Manchmal bin ich nur eine halbe Stunde zu Hause und habe wenig Zeit zum Erholen“, erzählt Franziska Harsch. Dann geht es mit dem Zug nach St. Leon ins Förderzentrum. Gegen 16.15 Uhr („wenn ich nicht den Zug verpasse“) kommt sie an, dann (freitags) eineinhalb Stunden Nachhilfe, dann das Training. „Fußball war für mich häufig Erholen vom Lernen“, sagt Harsch. Am Sonntag vor dem Englisch-Abi hat sie morgens noch gelernt und am Nachmittag in der 2. Bundesliga gegen Sindelfingen gespielt. „Nachdem ich richtig ausgepowert war, habe ich wenigstens gut geschlafen.“  Und wie soll es nach bestandenem Abi weitergehen? „Ich möchte an der PH Heidelberg auf Lehramt studieren. Wenn das nicht klappt, mache ich erstmal ein FSJ.“

2012 kam Franziska Harsch vom VfB Birkach zur TSG. Ein Jahr spielte sie unter Frank Fürniß in der U17-Bundesliga, das war das Premierenjahr der neu geschaffenen B-Juniorinnen-Bundesliga. In der folgenden Saison spielte sie in der Regionalliga und bestritt auch noch einige Spiele für die Juniorinnen. Mit dem Regionalteam stieg sie in die 2. Bundesliga auf. Seit Beginn dieser Saison gehört sie zur Stammformation des Zweitliga-Teams und trainiert auch mit der ersten Mannschaft. Ihr Erstliga-Debüt feierte sie am 16. November 2014, als sie gegen den 1. FFC Frankfurt eingewechselt wurde.

Das Ziel? Erste Liga

„Mein Ziel ist die 1. Bundesliga“, sagt das junge Talent unmissverständlich. „Es besteht ein großer Unterschied zwischen 1. und 2. Liga.“ In der 2. Liga habe man mehr Platz, in der 1. Liga ginge alles viel schneller und die Gegenspielerinnen seien robuster. Die Sechserposition bezeichnet sie als ihre Lieblingsposition, „da kann man sich auch nach vorne einbringen.“ Innenverteidigerin spielt sie auch gerne, kam dort aber schon längere Zeit nicht mehr zum Einsatz. Zweikampfverhalten, Antizipation, Spielübersicht und Taktik – das bezeichnet sie als ihre Stärken. Aufgrund ihrer Größe nennt Franziska Harsch „fehlende Schnelligkeit“ als Schwäche, außerdem das Kopfballspiel (in der Offensive).

Als ihr bisher größtes Erlebnis bezeichnet sie die Teilnahme an der U17-WM in Costa Rica vor einem Jahr. Nachdem sie gegen Dänemark zwei U16-Länderspiele bestritten hatte, wurde sie zu weiteren Lehrgängen eingeladen und war im Winter 2013/14 im Trainingslager in Portugal. Damals verpasste sie viel in der Schule, was sie aber durch die Lernangebote von Anpfiff ins Leben wieder wettmachen konnte. Beim letzten Lehrgang erfuhr sie, dass sie mit nach Costa Rica darf. „Es war ein tolles Erlebnis“, blickt Franziska Harsch zurück. Der deutsche Nachwuchs wohnte in 5-Sterne-Bungalows direkt am Meer. Zwar kam die Hoffenheimerin bei dieser WM, die für das deutsche Team schon nach den Gruppenspielen endete, nicht zum Einsatz, aber „wir hatten trotzdem viel Spaß.“

Derzeit konzentriert sich Franziska Harsch ganz auf den Verein. Nach der WM wurde sie nie wieder zu Lehrgängen eingeladen. „Den Grund weiß ich nicht“, sagt sie. Da sie zum jüngeren Jahrgang der U19 gehört, macht sie sich darüber noch keine Gedanken. „Natürlich ist die Nationalmannschaft ein Fernziel. „Gegen Frankfurt habe ich gegen Celia Sasic gespielt, mit ihr mal zusammen zu spielen, wäre ein großes Ziel.“

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