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CAMPUS
27.03.2015

Blick zurück nach vorne

Heute sind Niklas Süle und Kai Herdling als Spieler sowie Frank Fröhling als Co-Trainer wichtige Stützen des Profikaders. Vor fünf Jahren kreuzten sich ihre Wege schon einmal – in der U15 der TSG

Als Niklas Süle das Förderzentrum betritt, muss er erstmal ein paar Hände schütteln. Knapp fünf Jahre ist es her, dass seine TSG-Karriere genau hier begann. Im Fußball eine sehr lange Zeit, aber die Erinnerungen sind noch frisch. Physiotherapeut Julius Illes herzt den Abwehrhünen, den er oft auf der Massagebank liegen hatte, und erkundigt sich nach seinem Knie. „Alles bestens“, versichert Süle. Der 19-Jährige ist nach seinem im Dezember erlittenen Kreuzbandriss auf einem guten Weg.

Kurz nach ihm treffen Frank Fröhling und Kai Herdling ein. Für Physiotherapeut Illes ist einen Moment lang alles wieder wie früher, als das Trio noch zusammen in der U15 aktiv war. Fröhling als Cheftrainer, Herdling als einer von zwei Co-Trainern – und Süle als hoffnungsvolles Talent. Das war im Winter 2009/10. Dass nur dreieinhalb Jahre später alle drei gemeinsam im Profibereich der TSG aufschlagen würden, hätten sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht träumen lassen.

In der Kabine, in der zu Süles Zeiten die U15 beheimatet war, dauert es nicht lange, bis die Anekdoten aus jener Spielzeit ans Tageslicht kommen. Das eine oder andere Motivationsplakat kommt den Dreien noch bekannt vor. Aber kam es damals eigentlich dazu, dass Herdling U15-Co-Trainer wurde und Süle nach Hoffenheim wechselte? Und wie ist schließlich einer nach dem anderen bei den Profis gelandet?

Herdling denkt früh an die Zeit nach der Karriere

Rückblende. Herdling war Anfang 2009 von einem halbjährigen Intermezzo beim SV Waldhof Mannheim zur TSG zurückgekehrt. Der Profi-Zug schien für den damals 25-Jährigen bereits abgefahren, dennoch genoss der Kapitän im Kraichgau eine Art Heldenstatus. Wegen seines legendären Siegtreffers im DFB-Pokal-Achtelfinale 2003 gegen Bayer Leverkusen zum einen. Und weil er seinen Weg generell mit Toren pflasterte. Als Kapitän der U23, die von Markus Gisdol trainiert wurde, peilte Herdling einerseits den Regionalliga-Aufstieg an, dachte aber auch schon an die Zeit nach der Karriere.

„Ich hatte das Glück, dass Frank es mir ermöglicht hat, in das Trainergeschäft reinzuschnuppern“, sagt Herdling. Der Kontakt war dadurch entstanden, dass der U15-Coach bei Gisdol hospitierte. „Kai war damals schon ein sehr erfahrener Spieler und für mich als junger Trainer bei meiner ersten Station als Chefcoach sehr wichtig. Er hat den Jungs viel weitergeben können“, erinnert sich Fröhling und Süle bestätigt: „Auch wenn er nicht zum Bundesliga-Kader gehörte, war er für viele von uns ein Vorbild.“

Süle selbst war erst in der Winterpause als Stürmer vom SV Darmstadt 98 zum U15-Kader gestoßen, der damals in der Oberliga Baden-Württemberg spielte und unter die ersten Vier kommen musste, um sich für die in der darauffolgenden Saison neu eingeführte Regionalliga Süd zu qualifizieren. Fröhling befand sich gerade auf dem Weg in den Winterurlaub, als er einen Anruf von U16-Trainer Xaver Zembrod, heute Co-Trainer bei Hannover 96, erhielt: „Er fragte mich, ob im Kader noch Platz für Niki wäre. Ich kannte ihn sehr gut, weil er immer wieder mal im Probetraining war, und habe sofort zugesagt.“

„Als ich von der Möglichkeit erfuhr, unter Frank Fröhling trainieren zu können, musste ich nicht lange überlegen“, flachst Süle. „Nein, im Ernst: Ich habe das mit meinen Eltern und dem Verein besprochen, im Winter zu wechseln, und Hoffenheim war für mich erste Wahl.“

Nach verschiedenen Hallenturnieren gab Süle am 13. März 2010 – also ziemlich genau vor fünf Jahren – beim 1:0-Auswärtssieg in Ulm sein Punktspieldebüt im TSG-Trikot. Torschütze damals: Davie Selke, heute Profi beim SV Werder Bremen. Die U15 blieb mit Süle, der nach und nach über das defensive Mittelfeld in die Innenverteidigung rückte, ungeschlagen. Mit nur einer Niederlage aus der Hinrunde, aber zu vielen Unentschieden, reichte es am Ende zu Platz drei. Unvergessen bleibt für Fröhling das 3:3 beim VfB Stuttgart, für den damals Serge Gnabry, Joshua Kimmich und Timo Werner spielten. Jens Schuster, der andere Co-Trainer, erinnert sich: „Timo Werner hat in der Saison Tore wie am Fließband erzielt. Gegen Niki ging er leer aus.“

"Niklas war immer heiß, zu spielen"

Als Süle mit einem Bild konfrontiert wird, auf dem sein Auge geschwollen ist wie das eines Boxers, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Turnier in Bad Kissingen, 2:1 gegen Celtic Glasgow. Da habe ich einen Ellenbogen abbekommen.“ Was ihn nicht daran hinderte, beim 3:2-Sieg im Spiel um Platz drei gegen Hertha BSC alle drei Treffer zu erzielen. Auch Fröhling hat eine Anekdote zu diesem Turnier parat: „Es waren gefühlt 40 Grad, wir hatten schon drei Spiele absolviert, die Spieler ruhten sich im Schatten aus. Dann kam ein kleiner Junge mit einem Ball vorbei und der Erste, der aufsprang, um mit ihm zu kicken, war Niklas. Er hatte immer Lust auf Fußball und war immer heiß, zu spielen.“

Dass er das drei Jahre später in der Bundesliga tun würde, sei zwar zu erahnen, aber auch nicht jedem klar gewesen. „Seine physische Präsenz in Verbindung mit guter Technik und Schnelligkeit waren nicht zu übersehen. Aber es gab auch Stimmen, die behaupteten, er sei lediglich akzeleriert und würde mit den Jahren eingeholt werden.“ Es kam nicht so. Im Mai 2013 debütierte Süle – unter Markus Gisdol – als Ersatz für den gelbgesperrten Jannik Vestergaard in der Bundesliga und hat seitdem weitere 41 Partien absolviert – darunter die legendären Spiele in Dortmund sowie die Relegation gegen Kaiserslautern. Fröhling folgte ihm zwei Monate später, er wurde im Juli 2013 Co-Trainer Gisdols und kurz darauf wurde auch Herdling – der die Saison als U23-Kapitän begonnen, sich aber im Profi-Trainingslager endgültig für höhere Aufgaben empfohlen hatte – befördert.

Gestern Förderzentrum, heute Bundesliga. „Dass wir in dieser Konstellation oben landen und ich in der glücklichen Situation bin, beide nochmal trainieren zu dürfen, war damals vielleicht nicht abzusehen“, sagt Fröhling. „Bei Niklas war das nicht ganz auszuschließen, aber bei uns beiden…“, ergänzt Herdling schmunzelnd. „Wir genießen das jetzt einfach und schauen, wohin es geht.“

Von seinen ehemaligen U15-Teamkollegen hat Niklas Süle noch zu Davie Selke und Keeper Hendrik Hilpert, heute in der U23 von Eintracht Braunschweig, regelmäßigen Kontakt. „Wir haben damals immer viel miteinander unternommen und die Verbindung sollte nicht abbrechen, nur weil sich die Wege getrennt haben.“ Beide seien wie er selbst ziemliche Sturköpfe gewesen, aber „Frank und Kai haben uns gut hinbekommen. Ich blicke auf eine sehr schöne Zeit zurück.“

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