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FRAUEN
27.06.2013

Fürniß: "Die Zeit bleibt im Herz und Kopf hängen"

Nach viereinhalb Jahren verlässt Trainer Frank Fürniß 1899 Hoffenheim. Der 42-Jährige betreute von Beginn an die U17-Juniorinnen, wurde mit der Mannschaft Süddeutscher Meister und im letzten Jahr Deutscher Meister. In einem letzten Gespräch spricht Fürniß über seinen Abschied und seine zukünftige Trainertätigkeit beim Karlsruher SC.

Hallo Frank, fällt dir der Abschied schwer?

Ja. In dieser langen Zeit bin ich mit vielen Leuten und der Mannschaft zusammengewachsen. Alles war immer richtig gut organisiert, ich habe nicht nur Kollegen, sondern auch viele Freunde kennen gelernt.

Was war der Grund für deine Entscheidung, hier aufzuhören und einen anderen Weg einzuschlagen?

Ich wollte mal wieder eine Veränderung, etwas Neues erleben und gerne wieder im Juniorenbereich arbeiten. Über die Jahre ist hier eine gewisse Routine rein gekommen. Das ist nichts Negativs, aber deshalb wollte ich einfach mal wieder etwas anderes machen. Als ich mich dazu entschieden habe, hatte ich noch nichts Neues. Ich habe aber gehofft, im Leistungsbereich eines Bundesligisten arbeiten zu können. Außerdem denke ich, dass ich hier alles erreicht habe, was ich erreichen konnte: Deutscher Meister, Süddeutscher Meister, Vizemeister und einige meiner ehemaligen Spielerinnen spielen mittlerweile in der Bundesliga und den U-Nationalmannschaften.

Was wirst du hier vermissen?

Die Beziehungen zu einigen Personen wie Tarek Betz oder Lena Forscht sind sehr eng geworden und Freundschaften sind entstanden. Ich habe sie drei bis vier Mal die Woche gesehen, das wird mir dann schon fehlen.

Hast du keine Lust mehr auf Mädels?

Es gab nicht eine Trainingseinheit, zu der ich nicht gerne gekommen bin. Die Mädels haben viel geopfert und in ihr Hobby investiert. Aber was das Tempo und die Athletik angeht, wollte ich im Trainerbereich selbst den nächsten Schritt machen.

Was waren deine schönsten Erlebnisse?

Die Deutsche Meisterschaft war natürlich das absolute Highlight. Vor so vielen Zuschauern im heimischen Stadion Deutscher Meister zu werden, passiert nicht jedes Jahr. Das bleibt schon im Herzen und Kopf hängen. Es gab aber auch viele kleine Dinge, die mir viel Freude bereitet haben: z.B. viele Spielerinnen, die den nächsten Schritt in der ersten Mannschaft machen und sich bei mir entwickelt haben. Es ist schön zu sehen, dass die eigene Arbeit Früchte trägt.

Denkst du, es ist wichtig, dass Tarek Betz der Mannschaft erhalten bleibt?

Ich habe unterstützt, dass er Trainer bei den U17-Juniorinnen bleibt. Die U17 ist die Schnittstelle zu den Frauen und genau in diesem Bereich ist Kontinuität wichtig. Tarek kann seine Erfahrung aus den vergangenen Jahren an die Spielerinnen weitergeben, er kennt die meisten Spielerinnen. Ich denke, dass er im Trainerteam ein wichtiger Faktor ist, weil er die Mannschaft genau kennt.

Viele deiner ehemaligen Spielerinnen spielen jetzt in der 1. Bundesliga – bist du stolz?

Ja, ich bin stolz. Aber man darf nicht vergessen, dass das immer die Arbeit von mehreren war und ist.

Hast du die Leistung mancher Spielerinnen manchmal auch falsch eingeschätzt?

Ich glaube, das bleibt nicht aus. Das gibt es immer, dass sich manche Spielerinnen in einem anderen Umfeld oder bei einem anderen Trainer ganz anders entwickeln. Es gab schon Spielerinnen, bei denen ich nicht gedacht hätte, dass sie sich so schnell und gut entwickeln und zu Leistungsträgerinnen werden.

Du wechselst zum Karlsruher SC in den Trainerstab der A-Junioren als Co-Trainer. Worin liegt der Reiz für dich?

Die U19 kann für einige Spieler das Sprungbrett in den Profibereich sein. Im Jugendbereich ist die U19-Bundesliga, in der der KSC spielt, das Beste. Es reizt mich sehr, in der Bundesliga eine Mannschaft oder Einzelspieler zu formen, die eventuell den Sprung zu den Profis schaffen. Das alles unter Profibedingungen mitzugestalten, macht definitiv seinen Reiz aus. Genauso wie die Dynamik und das höhere Tempo im Spiel.

Vom Typ her möchte ich mich nicht umstellen und glaube auch nicht, dass der jetzige Trainer das möchte. Als Co-Trainer spiele ich natürlich eine andere Rolle wie bisher. Sicherlich muss ich in der neuen Rolle erst meinen Weg finden, das wusste ich im Vorfeld, aber ich freue mich auf das Neue. Ich habe jetzt eher – vor allem bei den Spielen - eine beobachtende Rolle. Aber wir sollten im Trainerteam beide voneinander profitieren. Nach den ersten Trainingseinheiten macht es aber nicht den Eindruck, dass ich nur im Hintergrund agiere.

Möchtest du noch etwas loswerden?

Ein ganz großes Dankeschön für das, was mir in Hoffenheim ermöglicht wurde. Mein Dank geht auch an Jürgen Ehrmann, der mich damals nach Hoffenheim geholt hat und ich dadurch so viele Erfolge und tolle Momente hier erleben durfte. Ich wünsche allen - den Verantwortlichen, Trainern und Mannschaften – viel Erfolg.

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