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U23
05.12.2012

Tim Paterok: Der Abgezockte

„Ich mache mir überhaupt keine Sorgen“, versicherte Frank Kramer, als er vor wenigen Wochen im Regionalliga-Spitzenspiel gegen Hessen Kassel Tim Paterok ins kalte Wasser werfen musste. Obwohl der junge Keeper bis zu diesem Zeitpunkt nur auf geringe Spielpraxis in Hoffenheim zurückblicken konnte, erledigte er seine Aufgabe beim 3:1-Sieg souverän und war auch in fünf weiteren Partien ein sicherer Rückhalt für sein Team. So, als sei er seit seiner Ankunft im Sommer 2010 Stammkeeper, von Nervosität keine Spur. Tim Paterok ist „Der Abgezockte“.

Wie viele Torhüter begann auch „Patte“ seine Laufbahn im Sturm. In seiner Geburtsstadt Paderborn trainierte er seit seinem 4. Lebensjahr unter seinem Vater beim SC Grün-Weiß und hatte „eine ordentliche Wumme“, wie er in astreinem westfälisch erklärt. „Ich habe immer meine Buden gemacht, aber das Laufen war nicht so mein Ding“, gesteht der 20-Jährige, weshalb es ihn nach acht Jahren im Feld für eine Spielzeit zwischen die Pfosten zog. Es folgte ein Angebot des SC Paderborn – als Stürmer. Paterok nahm an, doch als im Wintertrainingslager in Kaiserau der etatmäßige Schlussmann ausfiel, bekam Paterok seine Chance – und nutzte sie. Zudem fand er beim Nachwuchs des Zweitligisten im ehemaligen ungarischen Nationaltorwart Zsolt Petry einen großen Förderer. „Zsolt hat sich immer für mich eingesetzt und mir gesagt, dass ich es packen kann.“ Als A-Jugendlicher wurde ihm angeboten, dritter Profi-Torhüter beim SCP zu werden. Aber er zog es vor, im Sommer 2010 Petry nach Hoffenheim zu folgen.

Sehr gut entwickelt

Auf Pateroks linkem Oberarm prangt eine Tätowierung mit dem Schriftzug „Protect my family“. Die Familie ist für ihn das Wichtigste. Dennoch hat der Tapetenwechsel dem jungen Torhüter gut getan, Heimweh verspürte er zu keiner Zeit. „Seit ich hier bin, habe ich mich sehr gut entwickelt. Bei den Voraussetzungen im Trainingszentrum ist das auch kein Wunder.“ Mit der Reservistenrolle will er sich auf Dauer natürlich nicht zufrieden geben, aber die aktuelle Situation akzeptiert „Patte“, den mit Konkurrent Jens Grahl ein hervorragendes Verhältnis verbindet, klaglos. „Ich stehe in den Startlöchern und bin immer bereit, zu spielen und alles abzurufen. Ich bin überzeugt, dass ich es schaffen kann, denn ich denke immer positiv und lasse mich durch nichts runterziehen. Fußball ist mein Leben.“ Auf den Mund gefallen ist der 20-Jährige jedenfalls nicht, er weiß aber auch, wann er „die Klappe zu halten“ hat.

Vorbild van der Sar

„Mir wurde es nie leicht gemacht, ich habe mir alles selbst erarbeiten müssen. Umso mehr freut es mich, es in Hoffenheim gepackt zu haben, das ist für mich wie ein Traum.“ Zu Beginn pendelte er zwischen U19, mit der er 2011 den Badischen Pokal gewann, und U23, in der er seit dieser Saison nominell die Nummer 1 ist, aber zu Saisonbeginn den beiden Profi-Keepern Koen Casteels und Jens Grahl weichen musste. Nebenbei beendete Paterok seine in Paderborn bei „B & K Alles klar“ begonnene Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker im Frühling beim Autohaus Jung in Sinsheim erfolgreich. Seinen Zweijahresvertrag in Hoffenheim hat er um eine weitere Saison verlängert. „Das hätte ich nicht getan, wenn ich mich hier nicht sehr wohl fühlen würde“, sagt der in Neidenstein wohnende Westfale, dessen Vater in Amsterdam geboren ist. Ein Niederländer war es auch, der dem Premier-League-Freund als eine Art Vorbild diente: Der ehemalige Nationaltorwart Edwin van der Sar.

Im Februar saß der Keeper in jenem Bus, der während des Trainingslagers der U23 in Namibia von der Straße abkam und umkippte. Paterok überstand den Unfall mit leichten Schürfwunden und einer Gehirnerschütterung. „Das hat mich noch ein paar Nächte verfolgt“, gesteht er. Die Rückkehr in den Trainingsalltag war anschließend sehr emotional. „Das hat uns schon richtig zusammengeschweißt.“ Für einen Moment wirkt Tim Paterok nicht mehr so abgezockt. Bei seinem nächsten Einsatz wird er es wieder sein.

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