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U23
02.03.2011

U23: Robin Neupert im Porträt

2010 war für Robin Neupert ein fantastisches Jahr: Persönlicher Aufstieg in die U23, sportlicher Aufstieg in die Regionalliga, DFB-Pokal-Sieg mit den A-Junioren, Berufung in die U20-Nationalmannschaft... Doch der Innenverteidiger ist trotz aller Highlights der jüngsten Vergangenheit auf dem Teppich geblieben. „Im Fußball musst du ständig Leistung bringen", weiß der 19-Jährige, dass sich die Zeiten auch ganz schnell ändern können.

Schon als Dreijähriger begann der gebürtige Heilbronner bei den Bambini des SV Neckarsulm dem Ball hinterherzujagen und wechselte später zum HSV Heilbronn, der bald mit dem VfR zum FC fusionierte. Als D- und C-Jugendlicher machte der heutige Defensivspezialist noch als Angreifer und Torjäger auf sich aufmerksam, ehe er nach und nach „zurückversetzt" wurde. In Heilbronn spielte er erst auf der Zehn, dann auf der Sechs - und als der VfB Stuttgart das Talent in die Landeshauptstadt lockte, wurde Neupert sogar als Linksverteidiger eingesetzt. Beim VfB wurde der Blondschopf jedoch nicht richtig glücklich und kehrte nach kurzer Zeit nach Heilbronn zurück. Die Tatsache, dass er nun wieder „auf dem Markt" war, blieb auch den Hoffenheimer Verantwortlichen nicht verborgen. „Als ich zum VfB ging, waren die Strukturen im Nachwuchsbereich in Hoffenheim noch nicht so gut aufgebaut wie heute", blickt Neupert, der im Sommer 2006 schließlich zur TSG wechselte, zurück.

Sein erstes B-Jugendjahr verbrachte er im Förderzentrum Zuzenhausen unter Trainer Meik Spieler und räumte als defensiver Mittelfeldspieler vor der Abwehr ab, im zweiten gehörte er zu jener Mannschaft, die 2008 unter Trainer Guido Streichsbier zur Deutschen Meisterschaft stürmte. „Das war eine überragende Saison." Besonders das Halbfinal-Hinspiel, das die Hoffenheimer im Berliner Amateurstadion gegen Hertha BSC mit 6:1 gewannen und bei dem auch er einen Treffer beisteuerte, ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben. „Ein perfektes Spiel." Von der Statur war Neupert bereits so robust entwickelt, dass er für sein Alter fast schon zu kräftig war. „Robsen" - wie ihn Streichsbier nannte, um ihn von Robin Szarka (heute noch immer Teamkollege in der U23) zu unterscheiden - musste sogar Masse abtrainieren, um spritziger zu werden.

In der A-Jugend wurde Neupert nach und nach zum Innenverteidiger umfunktioniert, im ersten Halbjahr 2009/10 zeigte er nach einer eher durchwachsenen ersten A-Jugend-Saison derart überzeugende Leistungen, dass er noch vor der Winterpause frühzeitig in die U23 befördert wurde. „Das war natürlich gut für mich, denn an der Seite von erfahrenen Spielern und gegen abgezockte Stürmer konnte ich mich besser entwickeln." Dass er sofort in der Startformation stand und er seine Sache zudem gut machte, förderte sein Selbstvertrauen. „Ich erinnere mich noch sehr genau, wie Alexander Rosen (der heutige Sportliche Leiter der achtzehn99 AKADEMIE, Anm. d. Red.) zur mir sagte, es gebe keinen Grund, nervös zu sein, schließlich sei das Spielfeld gleich groß und der Ball genauso rund wie in der Jugend. Klar, die Gegner seien besser - aber die eigenen Mitspieler schließlich auch. Das hat mir sehr geholfen." Die U23 gewann gegen Crailsheim 2:1. „Herdling-Elfmeter in der Nachspielzeit", weiß Neupert noch genau - so wie er bei allem, was mit Fußball und natürlich seinen eigenen Erlebnissen zu tun hat, mit einem fotografischen Gedächtnis glänzt.

Mannschaftswechsel, Positionswechsel - für Neupert verlief das alles relativ problemlos. „Wir haben die letzten 22 Spiele nicht verloren, dabei 17 Mal zu null gespielt, neun Mal in Folge gewonnen und einfach das Gefühl gehabt, unbezwingbar zu sein und keine Gegentore kassieren zu können." Fast ein halbes Jahr - von Ende Oktober bis Anfang April - ließen die Hoffenheimer keinen Treffer zu. Und dann ging alles ganz schnell: Im DFB-Pokal-Viertelfinale im Februar bei Werder Bremen (1:2) saß „Robsen" auf der Bank und schnupperte auch bei zwei weiteren Partien Bundesliga-Luft. Anfang Mai dann der Aufstieg mit der U23 in die Regionalliga und nur eine Woche später das DFB-Pokal-Endspiel mit der A-Jugend an der Seite seiner alten Kollegen. Den Gegner Hertha BSC kannten die Hoffenheimer noch gut vom DM-Halbfinale 2008, die Partie fand im selben Stadion statt. „Damals, nach dem 6:1, haben wir die Kabine auseinandergenommen", lacht Neupert. Diesmal waren die Hoffenheimer zwar in einer anderen Kabine untergebracht, doch gefeiert wurde genauso - wenn nicht sogar noch heftiger. 2:1 gewannen Neupert und Co., und als sich der Innenverteidiger dieser Tage ein Video ansieht, wie er in einer Rettungsaktion kurz vor Schluss mit seinem Keeper Daniel Lück zusammenprallt, kommt die Erinnerung hoch: „Von da an habe ich mit tierischen Schmerzen gespielt." Im Video ist davon nichts zu sehen. Neupert steht auf und spielt weiter, als sei nichts geschehen.

Im Mai machte Neupert sein Fach-Abi an der Sinsheimer Max-Weber-Schule und hängt nun bei Audi in seinem Heimatort Neckarsulm eine Lehre zum Industriekaufmann an, die - wenn alles nach Plan läuft - 2013 endet. Mittlerweile wohnt „Robsen" in Hoffenheim in unmittelbarer Nähe des Dietmar-Hopp-Stadions und hat es daher nicht weit ins Training oder in die Berufsschule. In seinem Zeitmanagement wird er von Laufbahnbegleiter Thomas Gomminginger unterstützt, und das ist auch bitter nötig, denn im Sommer durfte Neupert mit den Profis ins Trainingslager nach Leogang. Vielleicht waren die ganzen Erfolge und Beförderungen in kurzer Abfolge etwas zuviel des Guten. „Das ging alles so schnell. Irgendwann bin ich in ein Loch gefallen und hatte einen Durchhänger", sagt der 19-Jährige. Was bei dieser Belastung in diesem Alter auch völlig normal ist. Aber Neupert hat sich durchgebissen und wieder in die Spur gefunden. So gut, dass er im Spätjahr erstmals in die U20-Nationalmannschaft berufen wurde und bei der Internationalen Spielrunde in Polen (1:0) und in Italien (2:1) zum Einsatz kam. Die positive Nachricht überbrachte ihm U23-Coach Markus Gisdol kurz vor einem Punktspiel. Ob sich Robin nicht gewundert habe, für die Badische Auswahl nur auf Abruf nominiert worden zu sein? Eigentlich schon, aber die Erklärung folgte schnell: „Du stehst im U20-Aufgebot." Auch vor zwei Wochen, beim 3:1-Rückspielsieg gegen die „Squadra Azzurra" in Oberhausen, gehörte er zum Kader von Bundestrainer Frank Wormuth, mit dem er ständig in Kontakt steht, und spielte 45 Minuten.

Wohin soll die Reise des Nationalspielers gehen? „Die erste Liga bleibt natürlich immer ein Ziel, die zweite halte ich für durchaus realistisch. Im Moment will ich einfach nur die optimalen Voraussetzungen, die uns im Trainings- und Geschäftsstellenzentrum in Zuzenhausen geboten werden, nutzen, um mich weiter zu verbessern." Denn neben seiner Stärken - wie etwa dem Kopfballspiel, dem aggressiven Zweikampfverhalten und dem schnellen Erfassen von Spielsituationen - sind ihm auch seine Schwächen durchaus bewusst: „Ich müsste im Aufbau noch etwas ruhiger und konsequenter werden." Aus seinem großen Traum macht der Anhänger des Liverpool FC und dessen Spielmacher Steven Gerrard keinen Hehl: „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, einmal in England zu spielen. Der Fußball dort passt zu meinem Stil." Ziele für diese Saison? „Im Fußball ist alles möglich. Wir wollen die Rückrunde besser abschließen als die Vorrunde, nicht mehr leichtsinnig Punkte verschenken und schauen, was nach oben noch geht."

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