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FRAUEN
03.05.2011

Ehrmann: "Den Boom auf die Region übertragen"

Als Jürgen Ehrmann vor drei Jahren übernahm, spielten die Frauen von 1899 Hoffenheim in der Oberliga. Heute liegt das erste Jahr zweite Bundesliga hinter Ehrmann und seinem Team. Besser hätte es kaum laufen können. Im Interview mit achtzehn99.de spricht der 50-Jährige über die vergangene Saison, die Zukunft, den Umgang mit Frauen und die WM.

Die erste Zweitligasaison von 1899 Hoffenheim ist Geschichte. Mit Platz drei hat die Mannschaft mehr erreicht als erwartet. Wie fällt Ihr Fazit ein Spieltag vor Schluss aus?

Ehrmann: Wir wollten den Klassenerhalt frühzeitig sichern und die eine oder andere Spitzenmannschaft ärgern. Das ist uns gelungen. Die beiden Unentschieden gegen Bayern München und die Niederlage gegen Sindelfingen waren unnötig. Unterm Strich war die Saison aber zufriedenstellend.

Was hat Ihnen gut gefallen und welche Spielerinnen haben sich hervorgetan?

Ehrmann: In jedem Spiel waren die Spielerinnen gefordert, ihre Leistung abzurufen. Wir sind noch nicht so souverän wie Freiburg oder Köln, sondern wir müssen immer ans Limit gehen. Das hat die Mannschaft super umgesetzt. Zu Beginn der Saison war natürlich Susanne Hartel mit ihren elf Treffern in sieben Spielen die herausragende Figur. Als sie verletzt war, hat die Mannschaft trotzdem gut gespielt, aber wir haben die Tore nicht mehr gemacht. Aber Hartel kann ihre Tore auch nur machen, weil sie von ihren Mitspielerinnen gut freigespielt wird. Mit der Torausbeute der restlichen Offensivspieler bin ich noch nicht so zufrieden.

Was muss sich in der kommenden Saison noch verbessern?

Ehrmann: Wir müssen noch stabiler werden und versuchen, dem Gegner unsere Spielphilosophie aufzudrängen. In den Zweikämpfen sind manche Spielerinnen noch zu brav, das hat sich gegen abgezockte Mannschaften wie Freiburg oder Köln gezeigt. Die Torausbeute muss hochgeschraubt werden und wir wollen nächstes Jahr natürlich auch versuchen, über den dritten Platz hinauszukommen.

Der Altersdurchschnitt der Mannschaft liegt bei 19 Jahren. Kann eine so junge Mannschaft nach nur einem Jahr Erfahrung in der zweiten Liga nächste Saison bereits den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse schaffen?

Ehrmann: Es ist die Philosophie vom Verein, mit jungen Spielerinnen zu arbeiten. Wir werden auch dieses Jahr wieder drei talentierte Spielerinnen aus dem Jahrgang 95 direkt in die erste Mannschaft hochziehen. Durch diese wird der Druck auf die anderen Spielerinnen größer.

Wie entspannen Sie sich nach einer Trainingswoche mit 20 Frauen um sich herum?

Ehrmann: (lacht) Grundsätzlich freue ich mich auf die Trainingseinheiten. Manchmal läuft aber auch irgendetwas schief. Deshalb ist es gut, dass sich das Trainerteam gegenseitig ausgleicht. Immer wenn einer hochfährt, holt ihn ein anderer wieder zurück. Um abzuschalten, gehe ich joggen oder gucke einem meiner Söhne beim Spiel zu.

Wie wichtig sind Ihnen Ihre Co-Trainer beim Arbeiten mit den Frauen?

Ehrmann: Ohne meine Co-Trainer wäre das alles nicht so machbar. Wir müssen uns aufeinander verlassen können. Im Training kann man sich gut ergänzen, viel mit Stationen arbeiten. Für mich und auch die Mannschaft sind die Co-Trainer sehr wichtig.

Wie hat sich die zweite Bundesliga in den vergangenen Jahren entwickelt?

Ehrmann: Diese Saison war Freiburg natürlich überragend. Wir mussten uns aber in jedem Spiel strecken, auch gegen Recklinghausen (Anm. der Redaktion: in die Regionalliga abgestiegen). Die Punkte haben wir nicht einfach so eingesammelt. In der zweiten Liga können alle Fußball spielen, aber das macht auch Spaß. Der Frauenfußball und der Spielertyp haben sich schon verändert. Die Frauen sind athletischer geworden und ich denke, dass sich das in den nächsten Jahren noch weiter entwickeln wird.

Die WM macht auch in Sinsheim Halt. Was erhoffen Sie sich von der WM für den Frauenfußball und speziell 1899 Hoffenheim in der Region?

Ehrmann: Das Riesenziel, dass Deutschland Weltmeister wird, ist natürlich auch eine Riesenlast. Ich hoffe, dass die Deutschen gut ins Turnier starten und auf einer Welle getragen werden. Hoffentlich entsteht auch eine Euphorie, ähnlich wie bei den Männern, und die Leute sehen, dass auch die Frauen richtig guten Fußball spielen. Dann überträgt sich dieser Boom vielleicht auch auf die Region und auf uns, wenn wir nächste Saison dann gleich wieder gute Leistungen zeigen. Dann kriegen vielleicht auch wir einen Zuschauerstamm und mehr Fans.

Werden Sie die WM konzentriert verfolgen oder lassen Sie Pause Pause sein und entfliehen dem Fußball für einige Zeit?

Ehrmann: Ich muss und möchte mir die WM schon anschauen, weil ich sehen will, wie die Entwicklungen im Frauenfußball sind. Aber es ist natürlich ein entspanntes Zuschauen, wenn man ein Spiel mal völlig emotionslos sehen kann.

Welche Schlagzeile würden Sie im kommenden Jahr gerne über 1899 Hoffenheim lesen?

Ehrmann: (lacht) Hoffenheims Frauen steigen mit frischem Offensivfußball in die erste Liga auf.

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