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AKADEMIE
09.06.2011

7:4 nach Verlängerung / U19 holt Badischen Pokal

Die Hoffenheimer A-Junioren haben zum dritten Mal hintereinander den BFV-Pokal gewonnen. In einem nervenaufreibenden Endspiel auf der Anlage des FC Neibsheim behielt das Team von Trainer Guido Streichsbier mit 7:4 nach Verlängerung die Oberhand. Damit startet die U19 von 1899 Hoffenheim auch in der Saison 2011/12 wieder im DFB-Pokal.

Nach dem Schlusspfiff dieser sehenswerten Partie jubelten beide Teams. Neben dem alten und neuen Pokalsieger ließen sich auch die Pforzheimer vom Publikum für ihre bravouröse Vorstellung feiern. „Das war eine starke Leistung", erkannte Streichsbier an, der sich mit einem Titel aus Hoffenheim verabschiedet. Zur neuen Saison übernimmt der 41-jährige Fußball-Lehrer die U17 des 1.FC Kaiserslautern.

Spiel 40 Minuten lang dominiert

Lange hatte es danach ausgesehen, als würde der Pokalsieg nur reine Formsache sein. Denn abgesehen von einem Schussversuch Simon Schneiders (6.) hatten die Hoffenheimer die Partie 40 Minuten lang im Griff und wurden ihrer Favoritenrolle gerecht. Jonas Kiermeier sorgte mit einem Doppelpack für die verdiente 2:0-Führung, als er zunächst einen Hammer Umberto Tedescos unhaltbar abfälschte (8.) und später auf Zuspiel Marcel Linns erhöhte (36.). Dazwischen hatten Tedesco (16.), Julian Scharfenberger (23.) und Antonio Čolak (25.) gute Möglichkeiten ausgelassen. Čolak stand auch in der 32. Minute im Mittelpunkt, als er nach einem Zuckerpass Jonas Hofmanns frei vor Pforzheims Schlussmann Xaver Pendinger auftauchte, aber im Zweikampf zu Boden ging - der Elfmeterpfiff blieb allerdings aus (32.). Unmittelbar vor dem 2:0 schoss Čolak nach Vorarbeit Scharfenbergers den auf der Linie stehenden Pforzheimer Verteidiger Kaya Ramazan an. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Streichsbier-Elf deutlich mehr vom Spiel und scheinbar alles unter Kontrolle.

Innerhalb von nur 60 Sekunden nahm das Finale dann aber eine dramatische Wendung. Die Goldstädter, die in der abgelaufenen Saison ungeschlagen von der Verbandsliga in die Oberliga durchmarschiert sind, verkürzten zunächst auf 1:2, als Vincenzo Grifo einen von Timo Helfrich an Jeffrey Hessenberger verursachten Foulelfmeter verwandelte. Und als die Hoffenheimer Hintermannschaft sich nach dem Wiederanpfiff noch im Tiefschlaf befand, nutzte Simon Schneider die Situation eiskalt aus: Sein Pressschlag mit dem herausgeeilten 1899-Keeper Tim Paterok flog an den rechten Pfosten und trudelte anschließend seelenruhig ins Tor. Der Underdog bekam nun Oberwasser, doch mit dem Pausenpfiff wurden ihm die vermeintlichen K.o.-Tropfen serviert: Einen scharfen Freistoß Hofmanns ließ Pendinger abklatschen, Čolak schaltete am schnellsten und traf zur 3:2-Halbzeitführung.

Ausgleich drei Minuten vor Schluss

In der zweiten Halbzeit schien zunächst wieder alles seinen gewohnten Gang zu nehmen. Der eingewechselte Seifeddin Chabbi köpfte zunächst eine Hofmann Hereingabe nur knapp am Gehäuse vorbei (47.), zimmerte aber wenig später die Kugel in Torjäger-Manier zum 4:2 unter die Latte (52.). Eigentlich hätte dies der endgültige Knockout für den Fusionsklub sein müssen, doch mit einer unglaublichen Energieleistung kämpften sich die Pforzheimer in die Partie zurück. Spielerisch teilweise auf Augenhöhe zogen sie den Hoffenheimern mit gesunder Härte den Zahn und ließen einfach nicht locker. Grifo, über 120 Minuten auffälligster Akteur auf dem Platz, umkurvte Paterok zum 3:4-Anschlusstreffer (57.) und fiel immer wieder durch starke Aktionen auf. In der 84. Minute hätte Hofmann nach starker Vorarbeit des als Innenverteidiger aufgebotenen Maurice Hirsch den Sack zu machen können, scheiterte aber an Pendinger, dem einzigen 94er Jahrgang auf dem Rasen. So kam es, wie es kommen musste: Nach einer Flanke von der linken Seite lauerte CfR-Kapitän Baransel Yurttas am langen Pfosten und beförderte die kurzweilige Begegnung in die Extrazeit (87.).

Hirsch trifft per Elfmeter

Wieder erwischten die Hoffenheimer den besseren Start. Nach einem Foul an Linn vollstreckte Hirsch vom Elfmeterpunkt zum 5:4 (96.), doch noch immer war der Zug nicht durch. Eine Schrecksekunde musste noch überstanden werden, als Grifo einen hohen Ball im Strafraum in aller Ruhe mit der Brust stoppen und sich aus sieben Metern ungestört die Ecke aussuchen konnte - allerdings am Tor vorbeizielte (110.). Die Riesenchance zum dritten Ausgleich war vertan, und das bestraften die Hoffenheimer in der Schlussphase eiskalt. Hofmann traf nach Zuspiel von Čolak zum 6:4 (114.), doch nach dem bisherigen Spielverlauf wollte niemand von einer Vorentscheidung sprechen. Die fiel erst dann, als Čolak einen aufs Tor rollenden Scharfenberger-Schuss über die Linie drückte (119.).

„Mission erfüllt"

Nach dem Schlusspfiff des guten Schiedsrichters David Gonzales ernteten beide Mannschaften Szenenapplaus. Kapitän Jonas Hofmann stemmte den Badischen Pokal in den Neibsheimer Abendhimmel und auch die Pforzheimer ließen sich feiern. „Endspiele muss man gewinnen, wir haben unsere Mission erfüllt", freute sich Streichsbier. „Pforzheim hat uns alles abverlangt und wir hatten - wie schon über die gesamte Saison hinweg - mit individuellen Defiziten zu kämpfen. Aber die Jungs haben sich diesen Sieg verdient."

Nach der Pokalübergabe wurden die Spieler, die 1899 Hoffenheim verlassen, mit einem kleinen Präsent verabschiedet: Fabian Veit, Sven Stanschus, Jonas Hofmann, Umberto Tedesco, Julian Scharfenberger, Sebastian Doro, Antonio Čolak, Philipp Frisch, Jonas Kiermeier und Marco Metzger. Sie gehen mit einem Titel.

1.CfR Pforzheim - 1899 Hoffenheim 4:7 (4:5, 4:4, 2:3) n.V.
Pforzheim:
Pendinger - Schröder (56. Zanda), Mörgenthaler, Kuhn, Ramazan (103. Schröder) - Hessenberger (84. Stoljar), Schneider, Yurttas, Schramm (56. Günasan) - Murati (46. Bosch), Grifo.
Hoffenheim: Paterok - Kiermeier (46. Walter), Hirsch, Helfrich, Frisch - Linn (46. Recktenwald, 106. Čolak), Doro (116. Tedesco), Hofmann (116. Scharfenberger), Tedesco (79. Linn) - Scharfenberger (45. Heister), Čolak (46. Chabbi).
Tore: 0:1 Kiermeier (8.), 0:2 Kiermeier (36.), 1:2 Grifo (40., Foulelfmeter), 2:2 Schneider (40.), 2:3 Čolak (45.), 2:4 Chabbi (52.), 3:4 Grifo (57.), 4:4 Yurttas (87.), 4:5 Hirsch (96., Foulelfmeter), 4:6 Hofmann (116.), 4:7 Čolak (119.). Zuschauer: 500 (in Neibsheim). Schiedsrichter: David Gonzales (Waghäusel). Karten: Gelb für Kuhn, Schneider, Yurttas, Günasan / Frisch, Chabbi, Doro.

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