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21.06.2018

#TSG10 | Rückblick: Die TSG wird B-Jugend-Meister 2008

Heute vor zehn Jahren gewann die U17 der TSG im Dietmar-Hopp-Stadion die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft. Die Begeisterung über den Bundesliga-Aufstieg der Profis exakt vier Wochen zuvor war noch nicht verhallt, schon gab es durch das „Tennisergebnis“ 6:4 im Finale gegen Borussia Dortmund den nächsten Meilenstein zu bejubeln. Wir haben mit den Protagonisten von damals gesprochen und erinnern sowohl im Bewegtbild als auch im Text an eine unvergessliche Spielzeit.

Die sieben Jungs, die im Sommer 2007 vom VfL Neckarau in die U17 der TSG Hoffenheim wechselten, standen deutschlandweit in den Notizblöcken der Talentspäher: Pascal Groß, Manuel Gulde, Marco Terrazzino, Marcel Gruber, Robin Szarka, Anthony Loviso und Philipp Meyer. Stephan „Steps“ Groß, Vater von Pascal und früherer Bundesliga-Profi des Karlsruher SC, hatte vor seiner Haustür ein Team geformt, das seine Gegner reihenweise an die Wand spielte und dementsprechend Aufmerksamkeit erregte. Gulde und Gruber wurden zu DFB-Lehrgängen mit der U15-Nationalmannschaft eingeladen, und in der entsprechenden Meldung des Fachmagazins kicker las sich der Name des Mannheimer Stadtteilvereins, der obendrein noch falsch geschrieben war (VfL Neckerau), inmitten all der Bundesliga-Granden schon etwas komisch.

In Hoffenheim sollten sich die Neuankömmlinge in der neu eingeführten B-Junioren-Bundesliga mit den Besten der Besten messen. Das Septett schlug mit einer gehörigen Portion Optimismus seine Zelte in Zuzenhausen auf. Dass sich ihre Geschichte derart gut entwickeln würde, ahnte da allerdings niemand.

„Wir fühlten uns unbesiegbar“

Die Erfolgsstory begann im Offenbacher Stadtteil Rosenhöhe. Trainer Guido Streichsbier hatte in kürzester Zeit aus den Neckarauern, weiteren externen Neuzugängen wie etwa Marco Schäfer (SV Sandhausen) oder Keeper Daniel Strähle (TSG Backnang) sowie aus dem bestehenden Spielermaterial (u.a. Dimitri Suworow, Robin Neupert) eine verschworene Einheit geformt, die in ihrem Auftaktspiel nichts anbrennen ließ und nach Toren von Szarka (2), Neupert und Lars Friedel problemlos 4:0 gewann.

Doch der Motor stotterte anfangs noch. Ende September, nach einer verspielten 2:0-Führung beim KSC (2:2), lag die Streichsbier-Elf nur auf Platz sieben und hinkte dem Spitzenreiter 1.FC Kaiserslautern vier Zähler hinterher. Dann aber kam der Zug ins Rollen. Szarka und zwei Mal Terrazzino schossen einen 3:0-Sieg gegen die Stuttgarter Kickers heraus, der den Auftakt zu einer Serie von 17 Siegen in 18 Spielen bildete. Pascal Groß erinnert sich: „In Neckarau haben wir ja bis zur B-Jugend nur unterklassig gespielt. Daher wussten wir am Anfang nicht so recht, wie es sich auf höchstem Niveau anfühlt. Ab einem gewissen Zeitpunkt aber, als wir gemerkt haben, wir können auch in der Bundesliga gut mithalten, haben wir uns unbesiegbar gefühlt.“

Da sich in der Staffel Süd/Südwest die ersten beiden Teams für die Deutsche Meisterschaft qualifizierten, stand die Halbfinal-Teilnahme der Streichsbier-Elf schon lange fest. Bis sie aber den 1.FC Kaiserslautern im Kampf um die Staffel-Meisterschaft abgeschüttelt hatte, musste sie bis zum letzten Spieltag und dem 4:1-Heimsieg gegen Jahn Regensburg warten. Terrazzino hatte sich – trotz einer Durststrecke in den letzten drei Partien – mit 20 Treffern die Torjägerkrone aufgesetzt. Suworow (12), Groß (10) und Neupert (9) schafften es ebenfalls in die Top 20.

Sixpack gegen Dortmund

Zeit zum Feiern blieb allerdings nicht, drei Tage später stand bereits das erste Halbfinale um die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft in Berlin an. Im „Stadion auf dem Wurfplatz“, wie das Amateurstadion im Schatten des Olympiastadions offiziell heißt, wartete Nord/Nordost-Meister Hertha BSC – und wurde 6:1 abgefertigt. Es war der Tag des Pascal Groß. Mit einem lupenreinen Hattrick sorgte er für die 3:0-Pausenführung, später setzte er noch das 6:0 obendrauf. Rückspiel: Formsache und mit 1:3, nunja, abgeschenkt.

Terrazzino war auch in diesen beiden Begegnungen leer ausgegangen und so langsam musste man sich um den Torjäger etwas Sorgen machen. Nicht so Guido Streichsbier, der am 21. Juni 2008 eine Elf auf den Rasen schickte, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzte und sich vom großen Namen „Borussia Dortmund“ nicht im Geringsten beeindrucken ließ. Am Tag vor dem großen Finale war Streichsbier mit seinen Jungs in Klausur gegangen und hatte sie heiß gemacht, der Kraichgau lag aufgrund des Bundesliga-Aufstiegs der Profis und der zu diesem Zeitpunkt stattfindenden EM – Deutschland stand zu diesem Zeitpunkt bereits im Halbfinale – ohnehin im Fußball-Fieber. 4.800 Zuschauer im Dietmar-Hopp-Stadion sorgten für die entsprechende Atmosphäre.

„Wir hatten mit Guido Streichsbier einen super Trainer“, sagt Pascal Groß rückblickend und nennt noch einen weiteren Namen: „Unser Busfahrer Edgar Sauer. Er war extrem wichtig für uns, weil wir alle ein sehr besonderes Verhältnis zu ihm haben. Heute noch.“ In der Anfangsphase rollte die TSG wie ein Tornado über den BVB hinweg. Terrazzino beendete in der zehnten Minute seine Torflaute, Szarka erhöhte kurz darauf auf 2:0. Das zwischenzeitliche 2:1 blieb eine Randnotiz. Terrazzino schnürte einen Doppelpack und Groß, der im Mittelfeld nach Belieben schaltete, erhöhte nach einer halben Stunde auf 4:1 – Wahnsinn!

Zwar verkürzten die Dortmunder – für die unter anderem Daniel Ginczek auf dem Platz stand, aber nicht traf – kurz nach dem Wechsel auf 3:4, doch irgendwie hatte zu keiner Zeit jemand das Gefühl, dass etwas anbrennen könnte. Christian Grassel und Manuel Gulde, der Kapitän, machten schließlich in der Schlussphase alles klar. Die TSG Hoffenheim, der kleine Dorfklub aus dem Kraichgau, der gerade erst in die Bundesliga aufgestiegen war, war Deutscher B-Jugend-Meister!

„Eine unfassbar schöne Zeit“

Im Dietmar-Hopp-Stadion wurde noch lange gejubelt. Philipp Meyer – der einzige „Neckarauer“, der an diesem Tag nicht zum Einsatz kam, sich aber die gute Laune dadurch nicht verderben ließ – schnappte sich nach der Siegerehrung das Mikrofon und stimmte ein Lied an: „Everywhere we go, people want to know, who we are: We are the TSG!“ Und da ihn das Singen nicht ganz auslastete, griff er anschließend zum Rasierer und schärte dem Physiotherapeuten Julius Illes den Schädel. Was man eben so macht, wenn man Deutscher Meister wird.

„Das war einfach eine unfassbar schöne Zeit“, fasst Pascal Groß im Juni 2018 die Saison 2007/08 zusammen. „Viele von uns haben so lange beim VfL Neckarau zusammengespielt, dass wir in Hoffenheim überhaupt keine Eingewöhnungsprobleme hatten. Gerade mit Marco [Terrazzino] habe ich mich auf dem Platz blind verstanden. Besonders gerne denke ich natürlich an das Halbfinal-Hinspiel zurück. Vier Tore in einem so wichtigen Spiel, das erlebt man nicht so oft. Aber auch meinen Treffer im Finale vor so vielen Zuschauern im Dietmar-Hopp-Stadion werde ich wohl nicht mehr vergessen.“

Was machen sie heute?

3.652 Tage sind seit dem 21. Juni 2008 vergangen, die Hauptdarsteller sind erwachsen geworden und unterschiedliche Wege gegangen. Noch immer bzw. wieder bei der TSG sind Betreuer Hans Schobes (mittlerweile U19) und Physiotherapeut Julius Illes (in Teilzeit im Grundlagenzentrum) sowie Mittelfeldspieler Robin Szarka, der gerade in sein zweites Jahr als Führungsspieler der U23 geht. „Sharky“ blickt auf drei Bundesliga-Einsätze zurück und stand beim legendären 2:1-Sieg in (ausgerechnet) Dortmund auf dem Platz, der die TSG 2013 vor dem direkten Bundesliga-Abstieg bewahrte.

Guido Streichsbier ist heute U20-Bundestrainer und hin und wieder im Dietmar-Hopp-Stadion zu Gast, um die TSG-Talente zu scouten, die für den DFB infrage kommen. Auch der damalige Athletiktrainer Nicklas Dietrich ist über den „Umweg“ TSG-Profis beim DFB gelandet, und das sogar in der A-Nationalmannschaft. Folgerichtig ist er derzeit in Russland unterwegs.

Fest in der Bundesliga etabliert haben sich Manuel Gulde und Marco Terrazzino, die beide beim SC Freiburg unter Vertrag stehen, sowie Pascal Groß, der aber mittlerweile bei Brighton & Hove Albion in der Premier League spielt und in seiner ersten Saison 38 Einsätze und sieben Tore verbuchte und mit acht Assists zu den Top-10-Vorlagengebern gehörte.

Philipp Meyer hat ebenso wie Keeper Daniel Strähle, der die Trainerlaufbahn eingeschlagen hat, und Marcel Gruber, der sich voll und ganz aufs Berufsleben konzentriert, die Kickstiefel an den Nagel gehängt und ist in Berlin erfolgreicher Musikproduzent. Alle anderen Jungs von damals spielen noch in der Region Fußball, irgendwo zwischen Regional- und Kreisliga. Sie alle eint die Erinnerung an eine fantastische Spielzeit, die heute vor zehn Jahren endete.

TSG 1899 Hoffenheim – Borussia Dortmund 6:4 (4:2)
Hoffenheim: Strähle – Gruber, Gulde, Loviso (75. Atmaca), Grassel, Neupert, Schäfer, Szarka, Groß, Suworow (58. Bellanave), Terrazzino (78. Schmidt). Trainer: Streichsbier.
Dortmund: Alomerović – Fischer (41. Hounyovi-Huschka), Sobiech, Cenik, Hermes, Hornschuh, Stiepermann, Ginczek, Ekici, Serrone (46. Buschening), Paurević. Trainer: Wazinski.
Tore: 1:0 Terrazzino (10.), 2:0 Szarka (14.), 2:1 Paurević (21.), 3:1 Terrazzino (25.), 4:1 Groß (29.), 4:2 Serrone (34.), 4:3 Sobiech (49., Strafstoß), 5:3 Grassel (60.), 6:3 Gulde (70., Strafstos), 6:4 Buschening (71.). Zuschauer: 4.800. Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen).
Sinsheim, Dietmar-Hopp-Stadion, 21. Juni 2008, 14 Uhr

Hier geht es zum Bewegtbild-Beitrag von TSG.TV, in dem Trainer Guido Streichsbier, die Spieler Robin Szarka, Marcel Gruber und Marco Terrazzino sowie Betreuer Hans Schobes auf die Saison 2007/08 zurückblicken.

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