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U23
06.12.2016

Nicolás Sessa: Der Gaucho mit dem starken Linken

Wer das Aussterben der Straßenkicker beklagt, wird bei den Spielen der U23 etwas Trost finden. Im Team von Trainer Marco Wildersinn ist durchaus noch der eine oder andere Instinktfußballer anzutreffen, der mit Tempo-Dribblings und Zuckerpässen begeistern kann. Einer davon ist der Mittelfeldspieler Nicolás Sessa, den einst Julian Nagelsmann persönlich nach Hoffenheim holte – und ihm gleich den Spitznamen „Gaucho“ verpasste.

„Eigentlich nennen mich alle nur Sessa oder Sess“, stellt der 20-Jährige klar. Aber für Nagelsmann war er einfach nur „Gaucho“. In ihrer ursprünglichen Bedeutung sind Gauchos berittene Viehhüter der südamerikanischen Pampas, also die Cowboys Südamerikas, doch werden auch die Spieler der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft seit jeher so genannt. Und Sessa ist, obwohl am 23. März 1996 in Stuttgart geboren, Argentinier. Die Eltern, die beide aus Buenos Aires stammen, sind nach Deutschland übergesiedelt, weil Vater Marcelo hier Fußball-Profi werden wollte. Zwei Kreuzbandrisse machten diesen Traum zunichte, die Leidenschaft für diese Sportart erhielt dadurch aber keine Kratzer – und übertrug sich auf die Söhne.

Nicolás Sessa wuchs in Fellbach auf, fünf Autominuten von der Soccerhalle entfernt, in der sein Vater arbeitet und in der Dominic (22), Nicolás und Kevin (16) praktisch aufwuchsen. Schon als dreijähriger Knirps kickte Nicolás beim SV Fellbach, später auch beim FSV Waiblingen und beim 1.FC Normannia Gmünd, und spätestens beim SSV Reutlingen 05 wurde dann klar, dass der kleine Dribbler durchaus mal höher spielen kann. In der B-Jugend landete er beim SGV Freiberg, mit dessen U17 er im September 2012 in der Oberliga Baden-Württemberg auf die von Julian Nagelsmann trainierte U16 traf. Er machte im richtigen Moment ein starkes Spiel. „Ich erinnere mich, dass sich Benedikt Gimber in der Pause einiges anhören musste“, schmunzelt Sessa, der den TSG-Verteidiger (derzeit an den SV Sandhausen ausgeliehen) vor einige Probleme gestellt hatte.

Bei Messis Debüt live im Stadion

Ab der darauffolgenden Winterpause war Sessa ein Hoffenheimer, spielte die Bundesliga-Rückrunde mit der U17 und landete im Sommer 2013 schließlich bei Nagelsmann in der U19. „Das war eine super Truppe“, erinnert sich „Gaucho“, der nebenbei an der Albert-Schweitzer-Schule sein Fachabitur machte. Im ersten U19-Jahr feierte er mit der TSG die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft, im zweiten stand er im Finale. Mit dabei: Benedikt Gimber und ein halbes Dutzend anderer Spieler, die er ein paar Jahre zuvor im Freiberger Trikot noch geärgert hatte. Zudem kann Sessa auf ein U18-Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft zurückblicken. Unter DFB-Trainer Christian Ziege erzielte er in einem Vier-Länder-Turnier in Israel gegen Moldawien auch gleich ein Tor. Sessa traf zum 2:1, sein Hoffenheimer Teamkollege Nadiem Amiri sorgte für den 3:1-Endstand.

Die Familie Sessa ist fußballverrückt. „Wenn die Albiceleste irgendwo in Europa gespielt hat, ist unser Vater mit uns hingeflogen.“ Der Physiotherapeut der argentinischen Nationalmannschaft, Marcelo D’Andrea, ist ein Freund der Familie – und ab und an bei der Ticketsuche behilflich. So kam es, dass die Sessas live dabei waren, als Lionel Messi am 17. August 2005 im Budapester Puskás Ferenc Stadion sein Debüt für die Albiceleste gab. „Er wurde eingewechselt und hat eine Minute später die Rote Karte gesehen“, erinnert sich Sessa, der damals neun war und sich nach dem Spiel – als hätte er es geahnt – mit dem kommenden Weltstar ablichten ließ. „Ich habe zu Hause ein ganzes Album solcher Fotos, unter anderem mit Javier Mascherano, Martín Demichelis, Hernán Crespo oder Juan Sorín“, so Sessa stolz. Nicht selten kam es vor, dass D’Andrea die Sessas mit ins Hotel nahm. „Dann haben wir ein bisschen mit den Spielern geplaudert und zusammen Mate getrunken.“

„Fühle mich hier wie zu Hause“

In seinem zweiten Jahr als U23-Spieler ist Nicolás Sessa endgültig in der Regionalliga angekommen. „Das ist eine tolle Erfahrung, hier zu spielen, die Umstellung vom Junioren- zum Herren-Fußball ist enorm“, sagt der Mittefeldmann, der sich an die sowohl körperlich als auch verbal rauere Gangart erst gewöhnen musste. In seiner Freizeit schaut sich Sessa, der wie sein Vater glühender Anhänger des argentinischen Rekordmeisters River Plate ist, gerne Spiele der spanischen Liga an, vorzugsweise mit Beteiligung von Spielern wie Messi, Neymar oder Isco. Früher hat es ihm auch Steven Gerrard angetan, der langjährige Kapitän des Liverpool FC, der gerade seine aktive Laufbahn beendet hat.

Heute wohnt Sessa in Sinsheim. Die Familie in Fellbach, zu der sich vor vier Jahren noch Schwester Sofia gesellte, fehlt ihm zwar, andererseits sagt der 20-Jährige: „Hier bin ich erwachsen geworden, habe selbst kochen müssen und gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ich fühle mich hier wie zu Hause.“ Ab und zu trainiert er bei den Profis mit, stand auch schon in einem Testspiel gegen den 1.FC Heidenheim auf dem Rasen. „Das ist vom Tempo und von der Zweikampfhärte noch mal was Anderes. Aber da will ich irgendwann auch hinkommen, mein Hobby zum Beruf machen. Dafür gebe ich 100 Prozent.“

Schlitzohr mit starkem linken Fuß

Teamkollege Marco Engelhardt bezeichnet Sessa als stets gut gelauntes Schlitzohr sowie als Dribbler mit einem starken linken Fuß. Aber: „Er kann mehr aus seinen Möglichkeiten machen und darf auch mal ein Tor schießen“, so der U23-Kapitän. Beim 0:1 in Worms am vorvergangenen Wochenende wäre es beinahe soweit gewesen, doch der Pfosten stand im Weg.

„Wir sind ein gutes Team mit unterschiedlichen Charakteren, haben aber gut zusammengefunden und werden im Aufstiegsrennen noch eine Rolle spielen“, glaubt „Gaucho“, der sich persönlich nach anfänglichen Schwierigkeiten im Herrenbereich nun auf einem guten Weg sieht. „Ich habe aufgrund einer Bauchmuskelverletzung Teile der Vorbereitung verpasst, mich aber gut zurückgekämpft.“ Und wann schießt er nun sein erstes Tor? „Vergangene Saison habe ich drei Mal getroffen. Diesmal habe ich mir alles für die Rückrunde aufgehoben.“

Hier geht's zum Spielerprofil von Nicolás Sessa.

Hier geht es zu früheren Personalgeschichten aktueller U23-Spieler bzw. -Funktionäre:

Dehm | Rossipal | Engelhardt | Szarka | Waack | Atik | Mees

Wildersinn Ibertsberger Zidek Krebs | Kieffer Heinlein

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