24.01.2012 - PROFIS
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24.01.2012 - PROFIS
Vestergaard und Williams im Doppelinterview
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Für den einen ist es die Chance, sich näher an die Mannschaft heranzukämpfen, für den anderen ist es eine Herausforderung auf einer ungewohnten Position: Jannik Vestergaard und Daniel Williams. Nach dem Ausfall von Marvin Compper und der Abreise von Isaac Vorsah zum Afrika Cup sollen sie beide helfen, die Lücken in der Innenverteidigung zu schließen. Wie sich die Rolle des Herausforderers und die des Allrounders anfühlt, was die Vorbereitung in der Winterpause brachte und welche Ziele sich beide persönlich und mit der Mannschaft für die Rückrunde stecken – darüber hat achtzehn99 mit den Beiden gesprochen.

achtzehn99: Hallo ihr Beiden! In den Testspielen seid ihr als Innenverteidigerpärchen aufgelaufen. Jannik, hast du schon immer Verteidiger gespielt?


Jannik Vestergaard: Eigentlich habe ich in der Jugend alles gespielt, zuletzt sogar Stürmer. Erst in den letzten zwei/drei Jahren habe ich mich auf die Innenverteidiger-Position konzentriert.

 

 

achtzehn99: Und du, Daniel?

 

Daniel Williams: Das war bei mir ähnlich. Ab der B-Jugend waren es aber nur noch die defensiven Positionen, also in der Innenverteidigung, als Außenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld.

 

 

achtzehn99: Die Ausfälle von Marvin und Isaac in den nächsten Partien sind für dich die Chance, dich anzubieten. Baut sich da besonderer Druck auf?

 

Vestergaard: Es ist auf alle Fälle eine große Chance für mich, die ich auch nutzen möchte. Aber besonderen Druck spüre ich nicht. Ich muss immer meine Bestleistung zeigen, in jedem Training und bei jeder Spielminute und mich so dem Trainer anbieten. Das war auch so, als die Beiden noch zur Verfügung standen und wird auch so bleiben, wenn sie wieder zurückkehren.

 

 

achtzehn99: Daniel, du kommst aufgrund deiner Allrounder-Fähigkeiten in der Innenverteidigung zum Einsatz. Das ist nicht unbedingt deine Lieblingsposition, oder?

 

Williams: Ja, aber nicht so schlimm wie Außenverteidiger (lacht). Im Ernst, am liebsten spiele ich vor der Abwehr auf der Sechser-Position, denn da kann ich meine Stärken ausspielen und fühle mich am besten. Aber es ist natürlich überhaupt kein Problem für mich, außen in der Viererkette oder wie jetzt zentral zu spielen. Das entscheidet der Trainer und ich bin froh über jeden Einsatz.

 

 

achtzehn99: Siehst du dein Allrounder-Image eher als Fluch oder Segen?

 

Williams: Es ist von beidem etwas. Klar ist es toll, wenn man sich auf verschiedenen Positionen anbieten kann und der Mannschaft in unterschiedlichen Rollen weiterhelfen darf. Das erhöht meine Chance auf Einsätze und der Trainer hat je nach Verletzungen oder Gegnern verschiedene Optionen parat. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass man sich nie auf eine Position spezialisieren kann. Das ist dann der Fluch bei der Sache. Insgesamt gibt es für mich aber keinen Grund mich zu beschweren.

 

 

achtzehn99: Welche Rolle spielt ihr in der Nationalmannschaft?

 

Williams: (lacht) Da bin ich genauso Mädchen für alles! In den ersten paar Spielen habe ich linkes Mittelfeld gespielt, später rechts hinten in der Viererkette. Mein Traum ist es irgendwann gemeinsam mit Jermaine Jones eine Doppelsechs zu bilden.

 

Vestergaard: Ich spiele meistens Innenverteidiger. Wenn es am Ende knapp wird, wechsle ich manchmal in den Angriff, um dort die Kopfballduelle zu gewinnen.

 

 

achtzehn99: Jetzt besteht die große Chance, dass ihr beim Bundesligaauftakt gemeinsam in der Innenverteidigung spielt. Habt ihr das unter der Woche einstudiert?


Vestergaard: Wir haben einige Trainingseinheiten gemacht, in denen wir beide Innenverteidiger gespielt haben.

 

Williams: Außerdem haben wir ja im Testspiel gegen den FSV Frankfurt auch eine Halbzeit zusammen gespielt.

 

 

achtzehn99: Gibt es in einem Fall wie dem euren dann eigentlich einen klaren Abwehrchef?

 

Vestergaard: (lacht) Ich glaube nicht. Oder bist du Chef, Danny?

 

Williams: Quatsch. Am besten läuft es, wenn alle auf dem Platz den Mund aufmachen und miteinander reden. Die Verantwortung muss sich auch auf mehrere Schultern verteilen.

 

Vestergaard: Es würde ja auch keinen Sinn machen, wenn ich etwas sage und keiner reagiert, nur weil ich nicht offiziell Abwehrchef bin. Klar braucht man auch Leader im Team, es ist aber wie Danny sagt: Es muss ein paar Leute geben, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen.

 

 

achtzehn99: Gibt es spezielle Übungen, die man in der Jugend mit den Abwehrspielern macht, damit die Abstände gleich bleiben und keiner das Abseits aufhebt?

 

Williams: Man trainiert vor allem die Viererkette. Generell muss man immer auf die drei anderen Spieler der Viererkette achten. Die darf man nie aus den Augen lassen. Das bekommt man schon in der Jugend eingetrichtert. Die Abstände müssen immer gleich sein und die Außenverteidiger müssen absichern, wenn einer der Innenverteidiger in den Zweikampf geht. Heutzutage ist sowieso die ganze Mannschaft am Offensiv- und am Defensivspiel beteiligt. Das betont auch der Trainer immer wieder. Alle müssen verschieben, mit verteidigen und angreifen.

 

Vestergaard: Am Anfang meiner Ausbildung in Dänemark haben wir die Viererkette häufig trainiert. Die Abwehrphilosophie in Dänemark unterscheidet sich aber von der in Deutschland. In Dänemark spielt man viel mehr auf einer Linie und sichert weniger mit ab.

 

 

achtzehn99: Was bevorzugst du?

 

Vestergaard: Das kommt immer auf den Gegner und seine jeweiligen Stärken an. Aber generell bevorzuge ich schon das deutsche Abwehrverhalten. Man kann sich auf die anderen verlassen und auch mal mehr Risiko gehen.

 

 

achtzehn99: Die Winterpause ist vorbei. Was habt ihr in der freien Zeit gemacht?

 

Williams: Über Weihnachten war ich bei der Familie, danach nochmal ein paar Tage im Urlaub mit meiner

Freundin.

 

Vestergaard: Ich war eigentlich die ganze Zeit zuhause bei meiner Familie. Dort kann ich am besten entspannen.

 

 

achtzehn99: Die Testspiele liefen ja eher dürftig…

 

Vestergaard: Das stimmt, da ist noch Luft nach oben. Aber man muss auch berücksichtigen, dass wir nach etlichen Konditionseinheiten kaputt waren. Vor allem gegen den FSV Frankfurt hat man das gemerkt.

 

Williams: Wir mussten unser Programm gepresst durchziehen, weil die Winterpause dieses Jahr sehr kurz ausfi el. Das hat man schon gespürt. Jetzt sind wir, glaube ich, alle froh, dass es wieder losgeht und wir auf Punktejagd gehen können!

 

 

achtzehn99: Der Grund für die kurze Pause ist die im Sommer anstehende EM in Polen und der Ukraine. Jannik, dein Heimatland trifft dabei in der Hammer-Gruppe auf Deutschland, Portugal und die Niederlande. Wie siehst du die Chancen der Dänen?

 

Vestergaard: Sie sind ganz klar Außenseiter und keiner in Dänemark ist böse, wenn sie in der Gruppe ausscheiden. Aber es ist dennoch eine starke Mannschaft und ich glaube dass sie für eine Überraschung gut sein könnten. Die anderen drei Mannschaften werden sich vollständig aufeinander konzentrieren, genauso wie die ganze Öffentlichkeit. Das könnte die Chance für Dänemark sein. Wenn wir nichts zu verlieren haben, sind wir am stärksten. So war das auch 1992!

 

 

achtzehn99: Am Samstag habt ihr erstmals in der Bundesliga gemeinsam in der Innenverteidiung gespielt. Wie fällt Euer Fazit aus?

 

Vestergaard: Positiv. Wir haben wenig zugelassen und zu null gespielt. Aber natürlich hätte ich mir einen Sieg zum Auftakt gewünscht.

 

Williams: Dem kann ich nur zustimmen. Wir haben das schon ganz gut gemacht (lacht). Mal sehen, ob Marvin am Samstag schon wieder fit ist. Vielleicht dürfen wir in Dortmund ja nochmal ran.

 

Donnerstag, 24.07.2014
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