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AKADEMIE
02.05.2019

U17-EM: Vier Hoffenheimer auf der Grünen Insel

Mit Maximilian Beier, Kerim Çalhanoğlu, Marco John (alle Deutschland) und Melayro Bogarde (Niederlande) sind gleich vier Spieler der TSG Akademie bei der 37. U17-Europameisterschaft vom 3. bis 19. Mai in Irland im Einsatz. Am Donnerstagabend fliegt der DFB-Tross nach einem Kurz-Trainingslager in Bad Kohlgrub am Staffelsee von München aus auf die Grüne Insel. Ein Überblick über die EM-Historie, die Spielorte, den Modus und die Gegner der Hoffenheimer.

EM-Fakten

2019 UEFA European Under 17 Championship logoDie U17-Europameisterschaft wird seit 1982 jedes Jahr (einzige Ausnahme: 1983) ausgetragen. Rekordsieger ist Spanien mit neun Siegen, Titelverteidiger sind die Niederlande, die vor einem Jahr im Endspiel Italien 5:3 nach Elfmeterschießen bezwangen, nachdem sie auch die K.o.-Spiele zuvor gegen England (6:5) und Irland (6:5) vom Punkt für sich entschieden hatten.

Deutschland hat sich bislang drei Mal (1984, 1992, 2009) in die Siegerliste eingetragen. Fünf Mal landete die DFB-U17 auf Platz zwei, die letzten beiden Male 2012 (Niklas Süle) und 2015 (Dennis Geiger) mit Hoffenheimer Beteiligung. Oranje hat ebenfalls drei Pokale in der Vitrine stehen (2011, 2012, 2018) und mit drei zweiten Plätzen sowie einem dritten Rang die viertbeste Bilanz überhaupt (hinter Spanien, Portugal und Deutschland) vorzuweisen. Kurios: Sechs der letzten sieben EM-Endspiele wurden erst im Elfmeterschießen entschieden.

Das Minimalziel aller Verbände lautet: Platz fünf. Der Grund: Die besten fünf EM-Teilnehmer qualifizieren sich für die U17-WM in Brasilien. Daher bestreiten die beiden „besten Viertelfinalverlierer“ ein Spiel um Platz fünf.

Wissenswertes über Irland

Irland ist zum ersten Mal überhaupt Austragungsort einer U17-EM. 1998 gewannen die „Boys in Green“ in Schottland übrigens völlig überraschend den Titel, als sie nach Siegen über unter anderem Spanien (1:0) und Portugal (2:0) im Finale die favorisierten Italiener mit 2:1 bezwangen. Damals mit dabei: John O’Shea, der spätere Verteidiger von Manchester United, der vor wenigen Tagen sein Karriere-Ende verkündete.

Neben dem Englischen ist die Amtssprache Irlands … Irisch (auch Gälisch genannt). Das hat mit dem Englischen herzlich wenig zu tun, weshalb viele offizielle Bezeichnungen und Schilder für Ausländer völlig unverständlich sind. So heißt zum Beispiel „U17-Europameisterschaft“ auf Irisch „Craobhchomórtais Sacair na hEorpa faoi 17 mbliana“. Deutschland heißt nicht etwa „Germany“, sondern „An Ghearmáin“, die Niederlande nicht „Nethlerlands“, sondern „An Ísiltír“.

Modus und Austragungsorte

Seit 2015 wird die U17-EM mit 16 anstatt wie bislang mit acht Nationen ausgetragen. Der Erste und der Zweite der vier Vorrundengruppen qualifizieren sich für das Viertelfinale, ab hier geht es im K.o.-System weiter. Erstmals werden die Spiele bei einer U17-EM über die volle Distanz, also 90 Minuten, gehen – anstatt wie bisher über die in dieser Altersklasse üblichen 80 Minuten

Gespielt wird in vier Städten und sieben Stadien, allein vier in der Hauptstadt Dublin. Die anderen drei Spielorte sind Waterford, Bray und Longford. Das Endspiel steigt im Tallaght Stadium von Dublin, wo die Deutschen ihr Auftaktmatch gegen Italien bestreiten. Die 8.000 Zuschauer fassende Arena im gleichnamigen Vorort im Südwesten Dublins ist Heimspielstätte der Shamrock Rovers – jenem Klub, der 2011/12 sensationell in die Gruppenphase der Europa League einzog. Tallaght ist auch der Geburtsort von Robbie Keane, dem mit 146 Einsätzen irischen Rekordnationalspieler, der unter anderem bei Tottenham Hotspur und dem Liverpool FC unter Vertrag stand.

Die Qualifikation

Die Niederlande mussten sich auch als Titelverteidiger für dieses Turnier qualifizieren, nur Irland war als Ausrichter direkt gesetzt. Das Team von Trainer Peter van der Veen hatte in der Eliterunde Gruppe 2 Heimvorteil – und in den Partien gegen Nordirland (5:0), Israel (2:0) und die Tschechische Republik (5:2) nicht die geringste Mühe. „Oranje“ ging als souveräner Gruppensieger, die Tschechen als einer der sieben besten Gruppenzweiten durch.

Deutlich knapper hingegen war es bei der deutschen Auswahl – die es gerade so als eben siebtbester Zweiter packte. Die Mannschaft von DFB-Trainer Michael Feichtenbeiner genoss ebenfalls Heimrecht, kam aber in den beiden Begegnungen gegen Weißrussland (1:1) und Island (3:3) nicht über ein Remis hinaus, rettete sich dann mit einem 1:0 gegen Slowenien und hatte in der Endabrechnung das Glück, gegenüber Kroatien bei selber Punktzahl und Tordifferenz drei Treffer mehr erzielt zu haben. Knapper geht’s nicht.

Das Hoffenheim-Quartett

Wie auch schon im Vorjahr – als Antonis Aidonis, Daniel Klein und Amid Khan Agha (für Deutschland) sowie Amadou Onana (Belgien) nach England flogen – sind gleich vier Hoffenheimer bei der U17-EM dabei. Einen ausführlichen Bericht über die drei DFB-Jungs wird es am Freitag auf TSG.TV geben. Das sagt TSG-U17-Trainer Danny Galm über die vier EM-Fahrer (N.B.: Bogarde trainierte Galm nur bis zum Winter, seitdem steht der 16-Jährige im U19-Team von Trainer Marcel Rapp):

Maximilian Beier: „Hat sich in dieser Saison toll entwickelt und belohnt sich mit Toren. Aktuell bester Schütze der Süd/Südwest-Staffel mit 15 Treffern. Ein unberechenbarer Spieler mit enormem Zug zum Tor und ein Stürmer, der auch defensiv viel arbeitet.“

Kerim Çalhanoğlu: „Schon seit fast genau einem Jahr bei der DFB-U17 dabei. Körperlich sehr stabil, sein linker Fuß ist eine Waffe. Entwickelt sich in der Rückrunde stetig weiter und belohnt sich nun mit der EM-Teilnahme.“

Marco John: „Trägt den Adler schon seit der U15 auf der Brust, kann mit seinen technischen Fähigkeiten Spiele entscheiden und findet oft sehr gute Lösungen in engen Räumen. Seine Entwicklung geht in Richtung Führungsspieler – sowohl bei uns als auch beim DFB.“

Melayro Bogarde: „Verfügt über eine sehr gute Übersicht und hervorragende Ideen im Spielaufbau. Ein cleverer Spieler, der viel Ruhe ausstrahlt und nicht nur in Hoffenheim, sondern auch in seiner Nationalmannschaft hohes Ansehen genießt und ein wichtiger Baustein ist.“

Die DFB-Auswahl

Für Feichtenbeiner geht die vierjährige Amtszeit beim DFB nach dem Turnier zu Ende, entsprechend gerne würde sich der 58-Jährige mit einem Erfolg verabschieden. Nur die TSG und Hertha BSC stellen im 20-köpfigen Kader drei Spieler (mit Ian Werner und Kevin Krüger sind zwei weitere TSG-Jungs auf Abruf nominiert). Das Trio gehörte in den Quali-Spielen zum Stammpersonal und kann sich gute Chancen auf viel Spielzeit ausrechnen. Nur ein Akteur spielt im Ausland: Karim Adeyemi ist für den FC Liefering in der zweiten Liga Österreichs am Ball.

Die Niederländer haben sich auf dem KNVB Campus in Zeist bei Utrecht intensiv auf das Turnier vorbereitet. Der Oranje-Kader besteht aus Talenten, die hauptsächlich bei den heimischen Spitzenteams Ajax, AZ und Feyenoord sowie bei englischen Vereinen (Liverpool, Chelsea, Stoke) unter Vertrag stehen. In der Qualifikation fielen die Stürmer Brian Brobbey (Ajax) und Mohamed Taabouni (AZ) sowie Mittelfeldspieler Naoufal Bannis (Feyenoord) auf, weil sie zusammen 18 Tore erzielten (die Niederlande spielte vor der Eliterunde noch eine vorgeschaltete Quali).

Die Gegner

Italien hat alle sechs Qualifikationsspiele gewonnen – und dabei nur ein Gegentor kassiert. Sebastiano Esposito traf dabei mit Ausnahme der letzten Partie gegen den erneuten Gruppengegner Österreich (4:1) in jedem Spiel einmal, der Stürmer von Inter Mailand feierte im Europa-League-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt als erster 2002er überhaupt sein Debüt in einem Europapokal-Match.

Nach zwei Jahren EM-Absenz ist Österreich wieder dabei. Teamchef Manfred Zsak rekrutiert seine Mannschaft fast ausnahmslos aus der eigenen Nachwuchsliga, unter anderem auch aus der AKA St. Pölten, aus der vor zwei Jahren der TSG-Profi Christoph Baumgartner in den Kraichgau wechselte. Lediglich der in  der Elfenbeinküste geborene Thierno Ballo ist im Ausland aktiv: für den Chelsea FC. Österreich qualifizierte sich als bester Gruppenzweiter.

Spanien marschierte souverän mit sechs Siegen und ohne Gegentor durch die Qualifikation, hatte aber, nunja, nicht gerade die schwierigsten Gegner. Im ersten Match gegen Nordmazedonien fiel der Siegtreffer erst in der fünften Minute der Nachspielzeit.  Gerade mal fünf Spieler aus dem Kader von Coach David Gordo stehen bei Real Madrid oder dem FC Barcelona unter Vertrag, dafür gleich drei beim katalanischen Provinzklub CD Roda. Die Spanier gewannen den Titel zuletzt 2017, ehe sie von „Oranje“ entthront wurden.

Die Gruppe der Niederlande ist vielleicht noch stärker einzuschätzen als die deutsche. England und Frankreich gehören im Jugendfußball stets zu den Top-Favoriten. Und Schweden kommt mit einem der gefährlichsten Angreifer zur EM: Tim Prica kam bereits mehrfach für die U21 seines Heimatklubs Malmö FF zum Einsatz und traf in der Quali vier Mal. Das Duell mit den „Tre Kronors“ gab es für die Niederlande übrigens schon in der ersten Runde der Qualifikation: Im Oktober gewannen Bogarde und Co. mit sage und schreibe 6:4 (1:1). In der Eliterunde traf Schweden dann auch bereits auf Frankreich (0:2) und sicherte sich mit einem Treffer in der 90.+5 Minute gegen Serbien (2:1) das Last-Minute-Ticket für Irland. Torschütze: Tim Prica.

Die Franzosen mit dem Zinédine-Zidane-Sohn Théo (Real Madrid) haben übrigens wie Spanien und Italien alle sechs Qualifikationsspiele gewonnen. England übersprang wie Deutschland als koeffizientbeste Nation die erste Runde, tat sich aber in der Eliterunde überraschend schwer. Im letzten Spiel gegen Dänemark lag die „Three Lions“ bis zehn Minuten vor dem Ende 0:1 zurück, gewann dann aber mit 3:2 und verwies Kroatien – das England zwar ein 0:0 abgetrotzt hatte, somit aber als achtbester Gruppenzweiter ausschied – auf den zweiten Rang. Zwei Treffer markierte der eingewechselte Nonso Madueke, der in den Niederlanden bei PSV spielt.

Die Termine

Das ist der Fahrplan für die Hoffenheimer:

Freitag, 3. Mai: Niederlande – Schweden, 17:00 Uhr
Samstag, 4. Mai: Deutschland – Italien, 18:30 Uhr
Montag, 6. Mai: Niederlande – England, 15:00 Uhr
Dienstag, 7. Mai: Spanien – Deutschland, 19:00 Uhr
Donnerstag, 9. Mai: Frankreich – Niederlande, 16:30 Uhr
Freitag, 10. Mai: Österreich – Deutschland, 19:00 Uhr

In der K.o.-Runde kommt es direkt zum Elfmeterschießen, wenn es nach 90 Minuten Unentschieden steht. Im Viertelfinale trifft der Erste der Deutschland-Gruppe auf den Zweiten der Gruppe C (Island, Portugal, Ungarn, Russland) und umgekehrt. Potenzielle Gegner der Niederlande bei einem eventuellen Weiterkommen wären Irland, Belgien, die Tschechische Republik und Griechenland.

Die deutschen Spiele werden live auf Sport1 übertragen.

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