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U23
18.09.2018

Philipp Strompf: Vorliebe für schräge Vögel

Die ersten zwei Begegnungen mit der TSG Hoffenheim sind Philipp Strompf nicht in sonderlich guter Erinnerung geblieben. Als kleiner Junge fiel er durch ein Probetraining, bei seinem Debüt in der U17-Bundesliga verursachte er einen Foulelfmeter. Doch seit diesem Sommer gehört der 20-Jährige zum Hoffenheimer U23-Kader und stand in bislang allen Regionalliga-Partien 90 Minuten auf dem Platz. Achtzehn99.de stellt den Mosbacher vor.

Als Strompf in der Jugend des Karlsruher SC kickte, konnte ein griechischer Mitspieler seinen Vornamen nicht richtig aussprechen. Wenn er „Philipp“ sagte, klang das eher wie „Pippo“. Trainer Tim Walter, heute Chefcoach beim Zweitligisten Holstein Kiel, fackelte nicht lange – und verpasste dem baumlangen Verteidiger einen neuen Spitznamen, was dessen Erinnerung an Karlsruhe keineswegs trübt. „Ich bin mit 15 von zu Hause weggezogen und habe im KSC-Internat gelebt. Viele Freundschaften aus dieser Zeit haben bis heute gehalten.“

Bei seinem Bundesliga-Debüt mit der U17 des KSC habe er auch das letzte Mal in seiner Laufbahn so etwas wie Nervosität verspürt, gesteht Strompf. „Eine gewisse Anspannung ist natürlich immer da, aber damals war ich ziemlich nervös.“ Damals, das war im August 2014, bei der U17 der TSG Hoffenheim. „Und dann habe ich gleich mal einen Elfmeter verursacht.“ Heute kann der Mosbacher darüber lachen, zumal sein Team noch mit 3:2 gewann, nachdem Furkan Çevik den Strafstoß zum 1:0 verwandelt hatte.

Beim Probetraining durchgefallen

Die erste schlechte Erfahrung mit Hoffenheim hatte Strompf viele Jahre zuvor als kleiner E-Jugend-Knirps gemacht, wobei er so klein nicht war: „Ich war immer einen Kopf größer als die anderen Jungs in meinem Alter.“ Bei einem Probetraining rasselte er durch. „Mein Vater hat mich überredet, obwohl ich eigentlich krank war. Und dann war ich wirklich schlecht“, gibt er zu. Als ihn schließlich eine Absage erreichte, war die Enttäuschung dennoch groß.

Geboren wurde Philipp Strompf am 23. April 1998 in Mosbach, das Elternhaus steht in der knapp 20 Kilometer entfernten Gemeinde Heidersbach. Sein Vater nahm ihn in jungen Jahren zu den Gewichthebern des SV Obrigheim mit und Philipp wurde sogar mal baden-württembergischer Meister seiner Altersklasse, aber sein Herz verlor er schnell an den Fußball. Es zog ihn zum VfB Heidersbach, wo sein älterer Bruder Felix bereits kickte – und von hier an nahm alles seinen Lauf. Über die SpVgg Neckarelz (D-Jugend) und den SV Sandhausen (C-Jugend) landete der großgewachsene Linksfuß schließlich beim KSC.

Mit 15 verließ Strompf also sein Elternhaus und bezog ein Doppelzimmer im Internat am Wildpark: „Ich habe dem Fußball alles untergeordnet und wollte das auch so. Und ich würde es wieder so machen.“ Am Otto-Hahn-Gymnasium baute „Pippo“ sein Abitur und wurde sogar einmal für einen DFB-U18-Lehrgang nominiert, für einen Länderspiel-Einsatz reichte es allerdings nicht.

Durchbruch in Walldorf

Im Sommer 2017 endete seine Zeit in Karlsruhe. Nach zwei Jahren U19, für die er zeitweise als Kapitän auflief und im Februar 2016 beim 3:5 gegen die TSG seinen einzigen A-Jugend-Treffer markierte, wechselte der Innenverteidiger zum FC-Astoria Walldorf in die Regionalliga. „Ich habe mich zu diesem Schritt entschieden, weil mir klar war, in der Regionalliga mehr Spielzeit zu bekommen und mich so besser an den Herrenfußball gewöhnen zu können.“

In Walldorf musste sich der Neue erst mal orientieren. „Das war eine gestandene Herrenmannschaft und für mich eine große Umstellung.“ In den ersten acht Spielen kam er auf zwei Kurzeinsätze mit insgesamt elf Minuten, dann stand er beim späteren Meister 1.FC Saarbrücken (2:2) 90 Minuten auf dem Platz – und verpasste anschließend im weiteren Saisonverlauf keine Minute mehr. Auch nicht beim 2:0 gegen die U23 der TSG im Dietmar-Hopp-Stadion, als er die Hoffenheimer Verantwortlichen von einer Verpflichtung überzeugte.

„Jetzt bin ich hier“, grinst Strompf, und kommt sich – obwohl erst im zweiten Herren-Jahr – fast schon wie ein alter Hase vor. Bei der TSG fühlt er sich nun pudelwohl: Die Infrastruktur, die Heimatnähe, nette Teamkollegen. Einen, Johannes Bender, kennt er bereits bestens, stammt doch auch der Mittelfeldspieler desselben Jahrgangs aus Mosbach. In Sandhausen, wo Strompf mittlerweile wohnt, spielten die beiden auch schon zusammen.

Für die U20-DFB auf Abruf

„Die Regionalliga hat mir gezeigt, dass ich höher spielen kann“, so der Verteidiger, für den die vierthöchste Klasse keineswegs Endstation sein soll. Auf die Frage, wo er sich in drei Jahren sehe, antwortet er: „In der Bundesliga. Es ist ein langer Weg und ich weiß, dass ich hart arbeiten muss. Ich weiß aber auch, dass ich es schaffen kann.“ Das Selbstbewusstsein hat er sich von seinem fußballerischen Vorbild Sergio Ramos abgeguckt. Strompf bezeichnet den Charakter des Spaniers mit einem im Fußballerjargon gängigen Schimpfwort und sagt: „Ich bin auch so. Zum Gegner und wenn es sein muss auch zu meinen Mitspielern.“

In der Länderspielpause Anfang September trainierte er bei den Profis mit. Da bekam er einen Geschmack davon, wie es da aussieht, wo er noch hinwill. „Das war ganz gut, mal mit einem Kevin Vogt oder einem Leonardo Bittencourt auf dem Platz zu stehen.“ Eine Wertschätzung, die ihn genauso gefreut hat, wie die Nominierung – wenn auch nur auf Abruf – für die U20 des DFB.

Erfolgreiche Rückkehr nach Walldorf

„Wir trainieren Woche für Woche gut und hart und haben eine super Mannschaft“, hat sich Strompf bei „Hoffe zwo“ gut eingelebt. „Dass sich nicht alle Ergebnisse gut lesen liegt einfach daran, dass Schwankungen für eine U23-Mannschaft völlig normal sind und dass vor allem Teams wie Offenbach oder Elversberg deutlich mehr Erfahrung haben. Ich denke dennoch, dass wir uns bald oben festsetzen werden.“

Als er noch für Walldorf spielte, arbeitete Strompf nebenbei noch als Werksstudent bei der SAP, doch dafür ist nun keine Zeit mehr. Mit einigen ehemaligen Teamkollegen trifft er sich noch regelmäßig, etwa um NFL zu schauen. Ein Lieblingsteam habe er nicht, versichert er, aber sehr wohl zwei Lieblingsspieler. Odell Beckham, den Wide Receiver der New York Giants, zum einen. „Weil er so ein schräger Vogel ist.“ Und J. J. Watts. Am Defensive End der Houston Texans schätzt er, dass er ein „Zerstörer“ ist.

Am vergangenen Wochenende war Philipp Strompf erstmals wieder in Walldorf bei seinem Ex-Team zu Gast. Beim 1:0-Sieg im Dietmar-Hopp-Sportpark spielte er selbstverständlich durch.

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