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ALLGEMEIN
18.10.2017

Dolmetscher im Stau – Elektriker übersetzt PK

Vom Büro-Stuhl eines Elektro-Fachbetriebs ins Rampenlicht der internationalen TV-Kameras. Was für viele TSG-Fans ein Traum ist, wurde für Muttalip Köse plötzlich Realität: Bei der Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel der UEFA Europa League zwischen der TSG Hoffenheim und Basaksehir Istanbul sprang der Elektriker, der im Betrieb von TSG-Präsident Peter Hofmann angestellt ist, als Übersetzer ein.

„Mein Chef hat mich angerufen und gesagt: ‚Wir haben einen Notfall, Sie müssen mit ihren Fähigkeiten helfen.‘“, erklärte Muttalip Köse. Kurz vor dem Medientermin in der Rhein-Neckar-Arena wurde klar, dass der von der TSG bestellte Übersetzer wegen des starken Verkehrs mit Störungen zwischen Frankfurt und Sinsheim nicht rechtzeitig das Stadion erreichen würde. Die TSG-Medienabteilung und Klubchef Hofmann reagierten schnell und improvisierten, um die rund 50 Journalisten und zehn Kameras, die teilweise live in die Türkei übertrugen, nicht warten zu lassen. Am Ende des Termins gehörte Muttalip Köse die Rolle des „Held des Abends“, der unerwartet eine halbe Stunde ins Rampenlicht rückte.

Köse war nach dem „Notruf“ zur Arena in Sinsheim geeilt, mit nur sieben Minuten Verspätung startete die Pressekonferenz. Zuerst saß der Türke in blauer TSG-Jacke links von Hoffenheim-Profi Steven Zuber und begann seinen total neuen Job. Köse, der als Projektleiter im Betrieb von Peter Hofmann „eine große Stütze des Unternehmens ist“, übersetzte die Fragen der Medienleute und Zubers Antworten ins Türkische. Nervös sei er zunächst gewesen, gab der Neuling später zu. Dann kam TSG-Trainer Julian Nagelsmann auf das Podium und Köse hatte nun die Ausführungen des beredten 30 Jahre alten Coach in die Sprache seines Heimatlandes zu transferieren. „Das war schon nicht einfach“, sagte er.

TSG-Pressechef Holger Kliem bedankte sich herzlich beim spontanen Interims-Dolmetscher und TSG-Fan, der selbst mit seinen Söhnen oft als Fan zu den TSG-Spielen kommt. Von den Medienvertretern gab es einen verdienten Applaus. Und auch Peter Hofmann war stolz auf seinen Angestellten, der übrigens bereits am Mittag als Dolmetscher fungierte. „Ich habe mit ihm für das Klub-Dinner am Abend ein paar Sätze auf Türkisch geübt“, erzählt Peter Hofmann.

Nun aber war Köse zum heimlichen Helden des Abends geworden – und wurde selbst zum gefragten Interviewpartner. Bereitwillig gab er einigen Journalisten Auskunft, warum er eingesprungen war. Doch schon rief der nächste Termin, die zweite Halbzeit der Pressekonferenz begann. Denn schließlich mussten ja noch die Gäste aus Istanbul ihre PK bestreiten. Basaksehir-Profi Gökhan Inler, ein Schweizer Landsmann von Zuber mit türkischen Wurzeln, und Trainer Abdullah Avcı kamen zur Fragerunde. Nun saß Muttalip Köse in der roten Klubjacke des Istanbuler Vereins auf dem Verein. Auch diesen Part meisterte er letztlich bravourös. Immer selbstsicherer und souveräner war er im Laufe der rund 30 Minuten geworden. Großen Respekt vor dem Beruf des Live-Übersetzers hat Muttalip Köse gleichwohl bekommen: „Puh, da merkt man am Ende, dass einem die Worte ausgehen.“ 

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