U23
04.07.2017

Tagebuch: Die U23 in den Alpen

Ursprünglich sollte die U23 ihr Trainingslager in der Sportschule Schöneck beziehen. Doch es kam anders – und besser. Da die Profis aufgrund vieler Personalabstellungen ihre Vorbereitung in Garmisch-Partenkirchen absagen mussten, sprang der Unterbau kurzfristig ein und erlebte spannende Tage in den Alpen mit einem sehr abwechslungsreichen Programm. Das Trainingslager-Tagebuch.

Tag 1

Der Rießersee - ein historischer Ort

Ankunft im Hotel Riessersee am Ufer des gleichnamigen Sees. Der Kader wird durch die beiden A-Junioren-Torhüter Stefan Drljaca und Isa Doğan ergänzt, es fehlen die Verletzten Kemal Ademi und Furkan Çevik sowie Yusuf Coban, der sich im Probetraining bei einem anderen Klub befindet. Das Trainer- und Funktionsteam ist vollzählig, an den ersten beiden Tagen ist auch U19-Coach Marcel Rapp dabei.

Der Rießersee hat deutsche Wintersport-Geschichte geschrieben. 1920 wurde hier der der „Sportclub Riessersee“ ins Leben gerufen, der vor allem durch seine Eishockey-Abteilung landesweit bekannt wurde. Bis zur Eröffnung des Olympia-Eissport-Zentrums 1934 bestritt der SCR seine Partien auf dem zugefrorenen See, auf dem auch einige Vorrundenspiele des olympischen Eishockey-Wettbewerbs 1936 ausgetragen wurden. Der heutige Zweitligist brachte zahlreiche Nationalspieler, unter anderem den heutigen DEB-Präsidenten Franz Reindl, hervor und wurde zehn Mal Deutscher Meister – zuletzt 1981.

Nach einer kurzen Stärkung steht am späten Nachmittag die erste Trainingseinheit im Stadion am Gröben an. Hier ist der 1.FC Garmisch-Partenkirchen zu Hause, der gerade die Kreisliga-Meisterschaft gewonnen hat und in die Bezirksliga Oberbayern Süd aufgestiegen ist. Auch Hoffenheims Profi-Chefcoach Julian Nagelsmann schaut in der Marktgemeinde vorbei.

Tag 2

Kraxeln auf die Alpspitze

Still ruht der Rießersee. Bei gutem Wetter, was an diesem Tag nicht der Fall ist, genießt der Besucher vom Seeufer einen fantastischen Blick auf das Wettersteingebirge mit der Alpspitze (2.628 m), der Zugspitze (2.962 m) und dem Waxenstein (2.277 m).

Nach dem Frühstück schwingen sich die Hoffenheimer aufs Mountain-Bike und radeln zur nahegelegenen Kreuzeckbahn, die sie von 760 auf 1.638 Höhenmeter befördert. Die restlichen knapp 1.000 Höhenmeter werden zu Fuß bewältigt. Der TSG-Tross meistert trotz widriger Witterung mehrere Kletterpassagen und stürmt zum Gipfelkreuz der Alpspitze. Für Co-Trainer Andreas Ibertsberger als gebürtiger Österreicher kein Problem. Für die anderen Hoffenheimer aber auch nicht. Das Ganze geht allerdings auch nochmal runter. Der Rest des Tages besteht demzufolge aus Regeneration, die beiden Physiotherapeuten Karolin Kieffer und Sammy Mall haben alle Hände voll zu tun.

Tag 3

Zwei Einheiten trotz Klettertour in den Knochen

Bis 2010 befand sich im angrenzenden Waldstück die 1910 erbaute historische Olympia-Bobbahn, die als gefährlichste der Welt galt und vier Todesfälle zu beklagen hatte. Neben den Olympischen Winterspielen 1936 fanden hier auch viele Welt- und Europameisterschaften statt. Letztmals 1966, dann wurde die Bahn sich selbst bzw. der Natur überlassen. Ihre spärlichen Überreste, wie etwa ein alter Bobschuppen oder die Gleise des Transportaufzugs, stehen seit 2003 unter Denkmalschutz. Informationstafeln lassen erahnen, was sich bei den Großereignissen, als bis zu 32.000 Zuschauer die Hänge und Holztribünen säumten, abgespielt haben muss.

Für die U23 geht es an diesem Tag zwei Mal im Stadion am Gröben auf den Rasen. Einigen Spielern steckt die Klettertour noch in den Knochen. Das Wetter ist immer noch schlecht, der geplante Grillabend am Rießersee muss leider abgesagt werden. Die beiden A-Jugend-Keeper und ihr Coach Marcel Rapp treten die Heimreise an, für sie geht in 48 Stunden die Vorbereitung auf 2017/18 los – in Hoffenheim.

Tag 4

Besuch vom Bürgermeister

Auch Cheftrainer Marco Wildersinn und Co Andreas Ibertsberger packen nach dem Vormittagstraining ihre Taschen. Beide müssen nach Hennef, wo der Fußballlehrer- bzw. der A-Lizenz-Lehrgang warten. Wildersinn übergibt das Zepter an den anderen Co-Trainer Kai Herdling und zieht trotz frühzeitiger Abreise ein positives Resümee: „Für uns stand hier nicht das Fußballerische im Fokus, sondern uns als Mannschaft zu finden. Das ist uns in diesem traumhaften Ambiente gut gelungen. Die Jungs wissen, dass ein solches Trainingslager für einen Regionalligisten nichts Alltägliches ist.“

Die einen gehen, der andere kommt. Direktor Nachwuchs Dirk Mack verschafft sich einen Überblick über den aktuellen Stand. „Der Kader verfügt über mehr Erfahrung und die jungen Spieler müssen schauen, dass sie schnell den Anschluss finden – dann werden wir auch in der kommenden Saison wieder eine ordentliche Rolle spielen.“

Beim Abendessen erhalten die Hoffenheimer Besuch: Wolfgang Bauer, zweiter Bürgermeister Garmisch-Partenkirchens, hält eine sehr „bajuwarische“ Willkommensansprache, und auch David Stiehler richtet ein paar Worte an den TSG-Nachwuchs. Der Eventmanager von GaPa-Tourismus hatte Teammanager Thomas Gomminginger bei der kurzfristigen Planung des Aufenthalts tatkräftig unter die Arme gegriffen.

Den Abend lässt das TSG-Funktionsteam vor der Leinwand ausklingen, auf der das Confed-Cup-Finale in St. Petersburg übertragen wird. Der deutsche Sieg, der chilenische Kampfgeist, der Video-Schiedsrichter – an Gesprächsthemen mangelt es wahrhaftig nicht.

Tag 5

Wasserschlachten auf der Loisach

Während sich die Feldspieler noch einmal in ihrem Bett rumdrehen, bittet Torwarttrainer Steffen Krebs seine Schützlinge Dominik Draband und Leon Jankowski zur gewohnten Morgen-Laufeinheit. Die Runde um den Rießersee ist etwas über einen Kilometer lang, unter fünf Runden macht es Krebs nicht.

Unter der Leitung Kai Herdlings geht es ein letztes Mal auf den Rasenplatz in der Maximilianstraße. Am Abschlusstag wird das Stadion nicht wie eigentlich geplant zur Verfügung stehen, so dass Gomminginger nach einer Ausweichspielstätte suchen muss. Doch Athletiktrainer Markus Zidek hat bereits einen anderen Plan im Kopf…

Es regnet in Strömen, pünktlich zur Mittagszeit setzen sich die Sonnenstrahlen aber endlich wieder durch. Die Hoffenheimer werden dennoch nass, denn im Nachbarort Farchant besteigen sie gut gelaunt drei Schlauchboote. Eine Rafting-Tour führt sie auf der eiskalten Loisach bis nach Eschenlohe. Und auf der 14 Kilometer langen Strecke geht es hoch her, denn die drei TSG-Boote – zwei mit Spielern, das dritte mit Funktionären besetzt – liefern sich zum Teil erbitterte Wasserschlachten. Die beiden Neuzugänge Tim Hüttl und Tim Michael zieht es aus ihrem Boot, sie machen nähere Bekanntschaft mit dem Isar-Zufluss. Die Befürchtung, jemand könne den Abschlusstag grippekrank verpassen, bestätigt sich nicht.

Vor und während dem Abendessen konkretisiert Zidek am Trainertisch seinen Alternativplan. Die Spieler gehen zu diesem Zeitpunkt davon aus, am Abreisetag noch einmal für eine lockere Abschlusseinheit auf den Platz zu dürfen…

Tag 6

"Team Rossipal" gewinnt den Zidek-Triathlon

Teamevent, Spezialtour oder Zidek-Triathlon. Das Kind hat zwar keinen Namen, wird den Spielern aber nach dem Frühstück schmackhaft präsentiert. Der Ersatz für die abgesagte sechste Fußball-Einheit sieht wie folgt aus: Drei Gruppen – zwei zu sieben, eine zu sechs Teilnehmern – treten in einem Wettrennen gegeneinander an. Der Start erfolgt in kurzen Zeitabständen bei den Eisenbahngleisen im Tal. Auf Mountain-Bikes werden die 800 Meter (70 Höhenmeter) zum Rießersee zurückgelegt, anschließend holt ein Vertreter jeder Gruppe einen Fußball von der Plattform im See und bringt ihn an Land, wo er dann 200 Mal hochgehalten werden muss.

Danach geht es vier Runden um den See – aber nicht einfach so. Drei Runden lang muss ein 25 Kilogramm schwerer Sack transportiert werden. Da die Spieler die Regeln erst kurz vor dem Start erfahren, können sie ihre Strategie erst im Wettkampf ausarbeiten und sie sich nicht vorher zurechtlegen. Erschwerend kommt hinzu, dass drei Fragen bearbeitet werden müssen, deren Antworten auf den am See aufgestellten Informationstafeln zu finden sind.

Es sieht nicht so aus, als mache der Wettbewerb keinen Spaß. Es hat aber auch nicht den Anschein, als sei er bei den heißen Temperaturen extrem leicht. Die Jungs gehen an ihre Grenzen. Am Ende setzt sich in 33:31 Minuten das „Team Rossipal“ mit Alexander Rossipal, Tim Hüttl, Johannes Bender, Johannes Bühler, Theo Politakis und Dominik Draband durch. „Wir mussten zwar unsere ursprüngliche Sackträger-Strategie über den Haufen werfen“, gibt Rossipal später zu, „haben aber trotzdem völlig verdient gewonnen.“ Die Fragen nach der Länge der historischen Bob-Bahn (1.525 m), dem Namen der 180-Grad-Kurve (Bayern-Kurve) und der Menge Eis, die pro Wettkampf aus dem zugefrorenen Rießersee herausgeschnitten wurde, um die Bahn zu präparieren (300 Tonnen), wurden korrekt beantwortet.

„Die Jungs haben das überragend gemacht“, lobt Herdling den eisernen Willen der Spieler, die – obwohl es „nur“ um die Ehre geht – alles aus sich herausholen. „Jeder hat für den anderen auf die Zähne gebissen. Aus diesem Holz sind gute Mannschaften geschnitzt.“

Mittagessen, Abfahrt in Richtung Kraichgau. Der Grundstock für eine ordentliche Vorbereitung ist gelegt. Die sechs Tage Garmisch-Partenkirchen hatten es in sich.

DER SOMMERFAHRPLAN DER U23:

Mo., 19. Juni: Trainingsauftakt
Mi., 28. Juni: Testspiel TSG 1899 Hoffenheim II - SV Sandhausen II (Oberliga Baden-Württemberg) 0:0
Do., 29. Juni, bis Di., 4. Juli: Trainingslager in Garmisch-Partenkirchen
Sa., 8. Juli, 14 Uhr: Testspiel gegen Hessen Dreieich (Hessenliga), Spielort noch offen
Sa., 15. Juli, 14 Uhr: Testspiel gegen Sonnenhof Großaspach (Dritte Liga), Spielort noch offen
Sa., 22. Juli, 16 Uhr: Testspiel gegen Wormatia Worms (Regionalliga Südwest), Spielort noch offen
28.-30. Juli: Saisonauftakt Regionalliga Südwest gegen Kickers Offenbach

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