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U23
04.11.2015

Markus Zidek: Der Handwerker

So genau hatte Markus Zidek noch gar nicht darüber nachgedacht. Doch spätestens nach dem Spiel in Neckarelz war für den neuen Athletiktrainer der U23 klar: „Mit dem Wechsel zur TSG hat sich für mich ein Kreis geschlossen.“

Obwohl in München geboren, wuchs der heute 39-Jährige in der Rhein-Neckar-Region auf. Die Eltern zogen nach Mosbach, als er 15 war. „Gekickt habe ich damals lediglich auf der Straße“, sagt Zidek, der sich frühzeitig für die Leichtathletik und hier speziell für den Zehnkampf entschieden hatte. Mit dem „Leichtathletikzentrum Neckarelz“ trainierte er regelmäßig im Elzstadion und wurde hier 1992 sogar Badischer Zehnkampf-Juniorenmeister. Bei seiner Rückkehr kamen nun entsprechende Erinnerungen hoch: „Als wir am 5. Spieltag bei der SpVgg angetreten sind, war das schon sehr emotional für mich. Die Kabinen, die Tribüne – alles sah noch aus wie damals, vor über 20 Jahren.“

Vom Zehnkampf hat Zidek eine Menge gelernt und auf das „richtige Leben“ übertragen. „Egal, ob du die 100 Meter gut oder schlecht gelaufen bist, musst du danach alles ausblenden und dich voll und ganz auf die nächste Disziplin konzentrieren.“ Zidek nennt das Episodendenken. Obwohl er im 100-Meter-Sprint (10,7 Sekunden) und Weitsprung (7,10 Meter) gute Werte hatte, war mit 19 Schluss. „Ich war für den Hürdenlauf einfach zu klein“, musste er sich beim Eintritt ins Herrenalter eingestehen.

Über American Football zum Fußball

Parallel zu seiner Ausbildung zum Krankenpfleger spielte Zidek als „Defensive back“ bei den Neckarelz Blue Sharks fortan American Football und packte es mit den Weinheim Longhorns sogar in die German Football League (1. Bundesliga). Der Wunsch, auch beruflich mit Leistungssport verbunden zu sein, verfestigte sich, wurde ihm aber im Kreiskrankenhaus Mosbach nicht erfüllt, weshalb er in Heidelberg ein Sportwissenschaft-Studium begann und parallel dazu in Mannheim Nachwuchs- und Spitzensportler als Schnelligkeitstrainer betreute.

In dieser Zeit lernte er Ede Becker kennen. Der Cheftrainer des Karlsruher SC ermöglichte ihm den nahtlosen Übergang vom Studenten- ins Berufsleben und machte ihn im Sommer 2008 zum Athletiktrainer. „So kam ich zum Fußball, obwohl ich bis dahin nicht viel damit zu tun hatte“, sagt der Vater zweier Söhne (7 und 5) und einer Tochter (3). „Aber durch das Studium sowie einer Nebentätigkeit im Gesundheitssport hatte ich eine gute Ausbildung, genügend Erfahrung und habe mich schrittweise eingearbeitet.“

Als der KSC 2012 in die Dritte Liga abstieg, musste Zidek gehen. Glücklicherweise entstand im Lebenslauf des Athletiktrainers keine Lücke, denn beim 1.FC Nürnberg – damals Bundesliga – fiel seine Bewerbung auf fruchtbaren Boden. Unter Dieter Hecking oder Gertjan Verbeek erlebte er am Valznerweiher drei spannende Jahre. Als nun im Juni sein Vertrag beim „Club“ auslief, meldete sich U23-Coach Marco Wildersinn bei ihm. Beide kannten sich aufgrund der gemeinsamen KSC-Vergangenheit.

Werkzeugkoffer effizient einsetzen

Nun wohnt Zidek in Zuzenhausen und es hat sich ein Kreis geschlossen. Früher lebte er mit seiner Frau in Heidelberg-Wieblingen, ihre Arbeit als Physiotherapeutin in der Orthopädie Schlierbach – die aufgrund des Mutterschutzes ruhte – kann sie nun demnächst wieder problemlos aufnehmen. „Es passt perfekt“, freut sich Zidek – nicht nur über die privaten, sondern auch die beruflichen Umstände. „Die Infrastruktur bei der TSG ist hervorragend und Marco bringt mir extrem viel Vertrauen entgegen. Er bindet mich aktiv in die Trainingsplanung ein und überlässt mir viel Verantwortung.“ Den Schritt vom Bundesliga-Rampenlicht in die Regionalliga hat Zidek unter diesen Voraussetzungen jedenfalls nicht bereut. „Für mich ist der Job des Athletiktrainers wie ein Handwerksberuf. Ich habe einen Werkzeugkasten und schaue von Spieler zu Spieler, wie ich ihn einsetze.“ Er vergleicht das mit der Arbeit eines Zimmermanns, der je nach Situation zwischen Zange und Hammer entscheiden muss.

Die Bücher der weltweit anerkannten Athletik-Gurus hat Zidek gelesen, bedingungslos nachahmen tut er keinen. „Wir leisten Basisarbeit und müssen diese gut organisiert an den Mann bringen. Dabei sind die Belastungssteuerung und eine gute Zusammenarbeit mit den Cheftrainern extrem wichtig. Manche Spieler würden gerne zu viele Dinge auf einmal machen, die muss man eben einbremsen. Anderen muss man ein wenig auf die Sprünge helfen. Aber Athletiktraining ist kein Selbstzweck – es soll das Leistungspotenzial eines Spielers erhöhen.“ Wichtig dafür sei, so Zidek, die effiziente Methodenwahl.

Ende August, beim 4:2 in Neckarelz, erlebte Markus Zidek einen emotionalen Moment, die Rückkehr an alte Wirkungsstätte sozusagen. Weitere emotionale Momente – etwa bedingt durch sportliche Erfolge mit der TSG – dürfen folgen.

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