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FRAUEN
08.06.2013

Pankratz: "2013 ist mein Jahr"

Im Februar zog es Leonie Pankratz für ein halbes Jahr von 1899 Hoffenheim nach Portugal. An der Universität von Porto studiert die 23-Jährige, aber auch in der portugiesischen Hauptstadt steht der Fußball im Mittelpunkt. Mit Boavista Porto gewann sie den portugiesischen Pokal und wurde zur besten Spielerin des Finales gewählt. Im Interview spricht Pankratz über ihre Zeit in Portugal und überwältigende Gefühle.

Hallo Leonie, wie geht es dir in Porto?

Mir geht es super hier. Ich bin ein wenig traurig, dass die Zeit schon bald vorbei ist.

Glückwunsch zum „Double“. Welche Gefühle haben Pokalgewinn und Meisterschaft bei dir ausgelöst?

Zwei Titel innerhalb von nur einer Woche zu gewinnen, war ein super Gefühl. Ich dachte mir nur: 2013 ist mein Jahr!

Beim Pokalgewinn mit Boavista Porto warst du als Spielerin dabei, beim Aufstieg Hoffenheims als Zuschauerin – hast du dich deshalb über eins mehr gefreut?

Beide Erlebnisse waren unvergesslich, aber nicht zu vergleichen. Bei Boavista stand ich selbst auf dem Platz, mein Körper war nach 90 Minuten völlig erschöpft und ich war überglücklich, meinen ersten Titel in den Händen zu halten. Bei Hoffenheim saß ich auf der Tribüne, meine Aufregung war jedoch größer, 90 Minuten Anspannung pur. Ich weiß, wie hart die Mädels gearbeitet haben, schließlich habe ich die ganzen Laufeinheiten etc. noch in der Wintervorbereitung mitgemacht. Deshalb habe ich mich anschließend riesig für die Mannschaft.

Wie wird in Portugal gefeiert?

Ich glaube auch nicht viel anders als in Deutschland. Bei der anschließenden Feier gab es aber Sangria anstelle von Bier.

Du wurdest im Pokalfinale zur besten Spielerin des Spiels gekürt. Scheinbar hast du dich auch in Portugal schnell im Team eingefunden und einen Stammplatz erkämpft?

Das war eine Auszeichnung, die mich noch heute mit Stolz erfüllt, eine Anerkennung für meine harte Arbeit der letzten Jahre. Ich habe mir auch hier einen Stammplatz erkämpft, allerdings auf einer neuen Position im Mittelfeld. Anfangs fühlte ich mich dort nicht sehr wohl, musste mich erst einfinden, neue Laufwege erlernen. Aber jetzt bin ich glücklich, dass mich der Trainer ins kalte Wasser geworfen hat, da auch dies zu meiner Entwicklung beigetragen hat.

Wie professionell ist der Frauenfußball in Portugal?

Der Frauenfußball ist leider noch weit von der Professionalität entfernt, insbesondere mit Blick auf die Anerkennung und Spielergehälter. Mit Boavista hatte ich Glück. Die Trainer und der Verein machen hier eine gute Arbeit.

Hast du dazugelernt oder können deine Mitspielerinnen von dir lernen?

Beides. Es sind zwei verschiedene Spielweisen aufeinander getroffen. Ich bin es aus Deutschland gewöhnt, den Ball mit ein, zwei Berührungen direkt zu einem Mitspieler weiterzuleiten, mehr Doppelpässe zu spielen. Die Portugiesen lieben den Ball, je mehr Übersteiger desto besser. Fast alle haben Cristiano Ronaldo als Vorbild. Die Technik mancher Spielerinnen ist grandios. In jedem Land ist die Spielweise unterschiedlich. Ich bin froh, dass ich nach meiner Saison in Spanien und dem halben Jahr in Portugal neue Spielsysteme und –weisen dazulernen durfte.

Erzähl uns von Deinem Leben in Portugal…

Meine Tage sind lang und voll mit Terminen. Meistens gehe ich morgens um acht Uhr zur Uni und komme erst um 23.30 Uhr wieder vom Training nach Hause. Die Tage sind anstrengend und ich bin viel zu Fuß unterwegs. Dennoch bin ich super zufrieden, jeder Tag lohnt sich. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit, viel offener als in Deutschland, ich habe tolle Charaktere kennengelernt. Ursprünglich bin ich wegen eines Erasmus-Studiums nach Porto gegangen, allerdings lebe ich nicht das typische Studentenleben. Der Fußball steht ganz klar im Mittelpunkt. Mein Portugiesisch hat sich sehr verbessert.

Deine Zeit in Portugal endet demnächst. Mit welchen Gefühlen kommst du zurück?

Einerseits bin ich traurig, weil vier unvergessliche Monate in Porto schon zu Ende gehen, andererseits freue ich mich auch auf neue Herausforderungen in Deutschland.

Und dann?

…spiele ich Ende Juni mit der Uni Porto noch bei der Universitäts-Europameisterschaft in Spanien mit. Und vielleicht hole ich da ja meinen dritten Titel.

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