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U23
29.10.2012

Vincenzo Grifo: Der Straßenkicker

Man könnte ihn auch als „Spätzünder“ bezeichnen, denn vor 15 Monaten kickte Vincenzo Grifo noch in der A-Junioren-Verbandsliga. Spiele in der Badischen Auswahl: Fehlanzeige. Doch seit diesem Sommer ist der gebürtige Pforzheimer mit italienischen Wurzeln kein unbeschriebenes Blatt mehr – und kann mittlerweile sogar schon auf zwei Bundesliga-Einsätze zurückblicken.

Zuletzt ging es also für den 19-Jährigen steil bergauf. Im Juli wechselte Grifo zur Hoffenheimer U23 und fiel nicht nur durch seine technischen Fähigkeiten auf: In der Regionalliga Südwest stehen bereits fünf Treffer auf dem Konto des Italieners. „Ich habe als Kind jede freie Minute im Käfig verbracht“, sagt Grifo. „Mein älterer Bruder Francesco hat mich bei den Großen mitspielen lassen und auf dem Schulweg hatte ich auch immer einen Ball dabei. Meine Mitschüler haben mich als Freak bezeichnet.“

Im zarten Alter von dreieinhalb Jahren stand „Vince“ beim VfR Pforzheim erstmals auf dem Trainingsplatz. Von einem kurzen Intermezzo bei Germania Brötzingen abgesehen, durchlief Grifo alle Jugendteams des VfR, der später mit dem 1.FC zum 1.CfR fusionierte. „Ich war früher noch nicht so schnell und hatte wohl auch kein Idealgewicht“, erklärt er, warum es lange nicht für einen großen Klub reichte. Doch als er in die Höhe schoss und mit Gewichten am Fuß an seiner Schnelligkeit feilte, wurde aus dem herausragenden Techniker ein kompletter Spieler. Auf der Zehnerposition schoss er in der Saison 2010/11 die A-Junioren des 1.CfR mit 53 Toren zur Verbandsliga-Meisterschaft, zerlegte im Pokal-Halbfinale den Karlsruher SC und steuerte auch im Endspiel drei Tore gegen die Hoffenheimer U19 bei, die aber am Ende mit 7:4 nach Verlängerung die Oberhand behielt. „Ein Wahnsinnsspiel“, erinnert sich der Mittelfeldmann, der zu diesem Zeitpunkt bereits beim KSC unterschrieben hatte.

Grifos Vater stammt aus der sizilianischen Gemeinde Naro, die Mutter aus Lecce, wo die Großeltern ein Haus direkt am Meer besitzen. Doch obwohl es in Lecce einen Erstligisten gibt, schlägt Grifos Herz seit jeher für Inter Mailand. Im legendären Stadion „San Siro“ war er bislang allerdings noch nicht. Die Italien-Reisen haben in jüngster Vergangenheit ohnehin etwas abgenommen. Durch die Ausbildung in der KFZ-Werkstatt seines Onkels und das Bundesliga-Engagement mit den A-Junioren des KSC ist die Zeit knapp geworden. Eine falsch behandelte Rückenverletzung setzte ihn in der Hinrunde 2011/12 drei Monate außer Gefecht, doch nach seiner Rückkehr war Grifo schnell wieder der Alte.

Tür an Tür mit Thomalla

Im Mai gewann er mit dem KSC das traditionsreiche Pforzheimer Pfingstturnier, wurde zudem bester Torschütze und zum besten Spieler gewählt. „Für einen Pforzheimer ein absoluter Traum“, sagt der 19-Jährige, der nun für den nächsten Schritt bereit war und sich zum Wechsel in den Kraichgau entschloss. Als er sich in Dielheim nach einer neuen Wohnung umschaute, staunte er nicht schlecht, als an einer Tür im selben Stockwerk das Namensschild „Thomalla“ prangte. Denis und ich kennen uns sehr lange“, sagt er über seinen Teamkollegen, der ebenfalls aus Pforzheim stammt. „Jetzt sind wir Nachbarn und unternehmen viel zusammen“, freut sich Grifo über diesen netten Zufall.

Nun muss sich der „Straßenkicker“ bei den Senioren beweisen. „Natürlich ist das eine große Umstellung. Hier geht es nochmal deutlich aggressiver zu. Aber ich bin sehr zufrieden, die Bedingungen in Hoffenheim sind überragend.“ In der Vorbereitung mit der U23 spielte Grifo auf der gewohnten Zehnerposition, doch am ersten Spieltag beorderte ihn Trainer Frank Kramer auf die linke Außenbahn. „Das macht nichts. Ich gebe immer mein Bestes, egal wo ich spiele.“ Vor drei Wochen durfte „Vince“ erstmals bei den Profis ran, im Testspiel gegen den Drittligisten SV Darmstadt 98 bereitete er das 1:0 durch Joselu vor. Mittlerweile stehen nach dem beiden Einsätzen gegen Fürth und in Mainz auch zwei Bundesliga-Spiele zu Buche…

Idole? „Mein Großvater hat mir mal einen Pulli mit einem Bild von Roberto Baggio geschenkt“, schwärmt Grifo für den ehemaligen Inter-Spieler und WM-Star von 1994, nennt aber Lionel Messi als sein Vorbild. Im Frühjahr hatte Lazio Rom Interesse an Grifo signalisiert, kürzlich bat der italienische Verband um ein Video mit seinen besten Szenen. Es deutet sich eine Berufung in die italienische U20-Nationalmannschaft an…

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