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FRAUEN
24.10.2012

Frauen: Theresa Betz zwischen Medizin und Fußball

Schon von Weitem weht mir der typische Geruch von Krankenhäusern entgegen. Er erinnert mich nie an etwas Schönes. Dieses Mal ist mein Besuch positiver Art. Im Eingang der medizinischen Klinik Heidelberg wartet bereits Theresa Betz. Sie studiert an der Uni Heidelberg Medizin im achten Semester und spielt nebenher Fußball – in der 2. Bundesliga.

Die Kombination ist zeitintensiv und scheint auf den ersten Blick kaum machbar zu sein. Verbindet man mit einem Medizinstudium doch ständiges Lernen und viel Aufwand und mit Zweitligafußball eine Menge Training. Theresa muss bei dieser Ansicht schmunzeln und kann diese widerlegen: „Für mich war und ist es ziemlich problemlos, beides unter einen Hut zu bringen. Wichtig ist das zeitliche Management. Ich habe Glück, dass ich relativ schnell lerne. Natürlich gibt es Phasen, in denen man den ganzen Tag lernen muss. Gerade dann ist der Ausblick, abends Training und damit einen Ausgleich zu haben, schön.“

Die 24-Jährige studiert erst seit zwei Jahren in Heidelberg. Zuvor war sie an der Universität Tübingen eingeschrieben. Gebürtig stammt Betz aus Bad Mergentheim und spielte bis zu ihrem Wechsel zu 1899 Hoffenheim für den VfL Sindelfingen. Dann entschied sie sich aufgrund des Fußballs für den Ortswechsel: „Für mich gab es hier die besseren sportlichen Perspektiven“, begründet die Mittelfeldspielerin den Wechsel. Allerdings hatte sie dabei auch etwas Glück – sich an der Uni Heidelberg für Medizin einzuschreiben, ist kein Kinderspiel. „Ich habe glücklicherweise einen Tauschpartner gefunden. Ohne diesen wäre es sehr schwer geworden, überhaupt zu wechseln“, erzählt Betz. Ihr Lächeln dabei verrät, dass sie darüber noch immer glücklich ist.

Mittlerweile kennt sie die Räumlichkeiten der Uniklinik, wo die Vorlesungen im Hörsaal in der medizinischen Klinik stattfinden, sehr gut. Zielgerichtet führt sie mich durch die Gänge bis ins Labor. Hier arbeitet Betz an ihrer Doktorarbeit zum Thema Höhenlungenödem. In diesem Semester liegt der Schwerpunkt auf der Chirurgie. Das ist aber nicht das Gebiet, in dem sich Betz später spezialisieren möchte.

Vier Semester hat sie noch vor sich, erst nach dem zwölften Semester entscheiden sich die Medizinstudenten für eine fachliche Richtung. „Genau festgelegt habe ich mich noch nicht, aber da ich die physiologischen Vorgänge im Körper gerade in Bezug auf Herz-Kreislauf-System und Leistungsfähigkeit sehr beeindruckend finde, kann es schon in Richtung Sportmedizin von internistischer Seite aus gehen“, begründet Betz ihr Wunschgebiet. Einige sportmedizinische Tests kennt sie von den jährlichen Untersuchungen vor jeder Saison. Vor den ersten Pflichtspielen werden die Spielerinnen auf ihre Sporttauglichkeit hin untersucht. Wenn Kabel an den Körper angeschlossen werden, kann sich Betz wesentlich besser als ihre Mannschaftskolleginnen vorstellen, was gerade in ihrem Körper passiert. Dies gilt nicht nur für sportmedizinische Tests, auch beim Fußball kann sie ihren Körper besser einschätzen: „Ich haben den Vorteil, meinen Körper besser zu kennen. Dadurch merke ich früher, wann ich pausieren muss.“ Ein Vorteil, der ihr auch die Angst vor Verletzungen nimmt.

Bevor sich Betz medizinische Vorlesungen anhörte, einen weißen Kittel überstreifte und mit Stethoskop um den Hals Stationsunterricht besuchte, bei dem die Studenten in Kleingruppen mit einem Arzt auf einer Station und direkt am Patienten lernen, hat sie zwei Semester Sport studiert. „Das war mir zu wenig. Also habe ich es mit Medizin probiert und es macht mir bis heute viel Spaß“, sagt Betz zur ihrer Studienwahl. Auch wenn Medizin und Fußball in der 2. Bundesliga hin und wieder sehr zeitintensiv sein können, habe sie ihre Wahl nie bereut und sei sehr zufrieden: „Natürlich bleibt für andere Freizeitbeschäftigungen nicht mehr viel Zeit, aber es ist schon möglich, noch etwas anderes zu machen.“

Nach einem Tag mit Vorlesungen, Doktorarbeit und anderen medizinischen Modulen fährt Theresa Betz ins Training. Am Förderzentrum warten ihre Teamkolleginnen und Betz schlüpft aus ihrem weißen Arztkittel hinein in ihre blaue Trainingskleidung. Dann betritt sie mit einem Ball am Fuß den Rasen, auf dem sie selbst in den stressigsten Prüfungsphasen Ausgleich findet.

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