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FRAUEN
21.12.2012

Frauen Rückblick: Von Topspielen, Titelverteidigern und einer Japanerin

Eine lange Hinrunde in der 2. Bundesliga und dem DFB-Pokal ist zu Ende gegangen. 1899 Hoffenheim darf auf eine zufriedenstellende erste Saisonhälfte zurückblicken. Der Rückblick beleuchtet noch einmal Topspiele, Highlights und blickt auf das voraus, was die Mannschaft und die Trainer Jürgen Ehrmann, Kai Altig und Jürgen Grimm in der Rückrunde erwartet.

Welches Spiel durfte nicht verpasst werden?

2. Bundesliga: TSV Crailsheim – 1899 Hoffenheim. Nicht, weil Christine Schneider nach zwei eher harmlosen Fouls die Gelb-Rote Karte sah, sondern weil die Spannung bis zum Schluss hoch war. Zwei Mal ging Hoffenheim in Führung, zwei Mal gelang Crailsheim der Ausgleich, den dritten Gegentreffer kurz nach der Pause konnten die Gastgeberinnen aber nicht mehr egalisieren. „Die Spiele gegen Crailsheim sind immer spannend und wir freuen uns, dass wir diese enge Partie in Unterzahl für uns entscheiden konnten“, sagte Ehrmann.

DFB-Pokal: 1899 Hoffenheim – VfL Sindelfingen. Einen echten Pokalfight lieferte sich Hoffenheim gegen den Erstligisten in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Dramaturgie, Leidenschaft, Kampf und Spannung bestimmten die Partie, in der die Kraichgauerinnen schon mit 4:2 führten, Sindelfingen kurz vor dem Ende aber noch den Ausgleich erzielte und damit die Verlängerung erzwang. Nur zwei Minuten nach Beginn der Extrazeit brachte Susanne Hartel die Hoffenheimerinnen wieder auf die Siegerstraße, später sorgte Selina Häfele mit dem 6:4 für die endgültige Entscheidung. Es war einer der besten Auftritte Hoffenheims in dieser Saison und „endlich mal gegen Sindelfingen zu gewinnen“, so Co-Trainer Kai Altig, sei ein tolles Gefühl.

Wer stand im Blickpunkt?

Die Mannschaft. Die Entwicklung des Teams sei „die schönste Sache“ gewesen, so Ehrmann. Während sich die Spielerinnen auf der einen Seite besonders im konditionellen Bereich gesteigert haben, lobt der Coach vor allen Dingen den „Teamspirit“. „Die Unzufriedenheit der letzten Saison gibt es nicht“, erzählt Ehrmann. Auch die Spielerinnen, die nicht im Kader seien, unterstützen die Mannschaft. Aus 29 Einzelspielerinnen ist eine stimmige Einheit geworden, die sich gegenseitig unterstützt und auch kleinere Unstimmigkeiten problemlos untereinander löst.

Wie verlief das Topspiel?

1.FC Köln – 1899 Hoffenheim 1:1.

Am Ende durfte sich Hoffenheim über den einen Punkt freuen, den es soeben im Topspiel der 2. Bundesliga Süd erkämpft hatte. Es war zwar kein Spiel, das die Zuschauer mit zahlreichen Strafraumaktionen von den Sitzen riss, aber eines, das bis zum Abpfiff spannend war und in dem sich das Glück auf die Seite der Gäste gesellte. Hoffenheim gelang ein perfekter Start – nach neun Minuten jubelte Christine Schneider über ihren Führungstreffer und Hoffenheim hatte durch Janina Meißner sogar die Chance auf das 2:0, von dem sich die Kölnerinnen sicher nicht so schnell erholt hätten. Die Erholungszeit des einen Gegentreffers dauerte dagegen nur fünf Minuten. Dann stand Yvonne Zielinski nach einer Abwehr von Anke Preuß goldrichtig und erzielte den Ausgleich. Wie der Platz wurde mit zunehmender Spieldauer auch das Spiel unattraktiver, bei den seltenen Torchancen hatte Köln in der zweiten Hälfte die beste und Hoffenheim Glück, dass Stefanie Zinner den Ball gerade noch von der Linie kratzte. Das Unentschieden im Topspiel ging dennoch in Ordnung. Weil sich an der Tabellensituation nichts geändert hat und Hoffenheim mit einem Spiel weniger vier Punkte hinter Köln liegt, könnte im Mai also das Spiel der Spiele stattfinden. Dann empfängt der Tabellenzweite am letzten Spieltag der Saison den 1. FC Köln.

Die Lage der Liga.

An der Tabellenspitze steht seit dem vierten Spieltag der 1. FC Köln. Die Kölnerinnen mussten noch keine Niederlage einstecken, holten neun Siege und zwei Unentschieden. 1899 Hoffenheim – mit einem Spiel weniger - liegt vier Punkte dahinter (25), gefolgt vom SC Sand (22), gegen den Hoffenheim seine einzige Partie in der Hinrunde verlor. Im Tabellenkeller müssen Bardenbach, Niederkirchen und Bad Neuenahr schon jetzt um den Klassenerhalt bangen. Die Ausbeute der Hinrunde mit vier und sechs Punkten ist gering.

Was war sonst noch wichtig?

Ohne Leonie Pankratz, aber mit einer neuen Spielerin startet Hoffenheim in die Rückrunde. Ende November wurde es bekannt gegeben: die japanische Weltmeisterin Mana Iwabuchi wechselt zu 1899 Hoffenheim. In Japan gilt sie als „Perle des Frauenfußballs“, ab Januar wird sie die Hoffenheimerinnen unterstützen und mit ihnen versuchen, den Sprung in die 1. Bundesliga zu schaffen. „Wir freuen uns, dass sich Mana für einen Wechsel zu uns entschieden hat. Sie passt gut ins Team und kann uns bei unserem Ziel, in die 1. Liga aufzusteigen, sicher gut unterstützen“, sagte Ralf Zwanziger nach der Verpflichtung. Iwabuchi wird in der Offensive wirbeln, eine Lösung für die Defensive muss das Trainergespann noch finden. Denn Leonie Pankratz, die in dieser Saison in allen Pflichtspielen für Hoffenheim auf der linken Abwehrseite stand, wird im Rahmen ihres Studiums für ein halbes Jahr nach Portugal gehen. Außerdem ist noch nicht sicher, inwieweit Sabine Stoller der Mannschaft noch zur Verfügung stehen kann. Stoller studiert bereits seit Oktober in Freiburg Medizin und verpasst daher zu viele Trainingseinheiten mit der Mannschaft.

Was machen die Verletzten?

Aus dem Hoffenheimer Lazarett gibt es positive Meldungen. Theresa Betz, Tabea Rauschenberger, Selina Hünerfauth, Chantal Fuchs und Anne Rheinheimer sind auf einem guten Weg und werden zum Trainingsauftakt Anfang Januar 2013 wieder mit der Mannschaft trainieren. Nur bei Nicole Vuk, Christina Arend und Selina Häfele dauert es noch eine Weile, bis sie wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können.

Worüber wird geredet?

Über den Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale, dem größten Erfolg in der noch jungen Pokalgeschichte. Nach Siegen über die Sportfreunde Siegen sowie gegen den VfL Sindelfingen und den 1. FC Lokomotive Leipzig stand 1899 Hoffenheim im Viertelfinale und traf dabei auf keinen Geringeren als den Titelverteidiger FC Bayern München. Der Genuss dauerte allerdings nicht allzu lange, denn die Bayern – aktuell die Mannschaft der Stunde in der 1. Bundesliga nach Siegen über den FFC Frankfurt und den VfL Wolfsburg – gaben Vollgas. Vier Tore von Sarah Hagen und eines von Vanessa Bürki hielten den FCB im Rennen um den DFB-Pokal, Hoffenheim gelang noch der Ehrentreffer durch Martina Moser.Trainer Ehrmann war mit der Einstellung des Teams trotzdem nicht unzufrieden, denn sie haben sich „bis zum Schluss nicht aufgegeben“.

Was sind die Erwartungen für die Rückrunde?

Es hat sich schon einiges verbessert seit der letzten Saison. Dennoch erwartet das Trainergespann weitere Steigerungen. Hoffenheim steht wie in der vergangenen Saison auf dem zweiten Platz – das ist gut, aber „leider sind zweite Plätze in unserer Liga nichts wert, wenn man aufsteigen möchte“, sagt Ehrmann. Die Devise, weiterhin von Spiel zu Spiel zu denken, wird auch in der Rückrunde bestehen bleiben. Mit dem Nachholspiel beim FC Bayern München warten noch zwölf Spiele auf die Hoffenheimerinnen. Noch zwölf Mal also soll die Mannschaft bis zum Abpfiff alles versuchen und geben, um das Spiel zu gewinnen und die „absolute Gier“ an den Tag legen, erfolgreichen Fußball zu spielen. Dann, so sind sich die Trainer sicher, „dann packen wir's“ und meinen damit den Sprung in die 1. Bundesliga.

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