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U23
14.09.2010

Dominik Kaiser: Der Tausendsassa

Das teaminterne Tischtennis-Turnier der U23 wurde nie zu Ende gespielt. Als sich zum Saisonende 2009/10 Nachholspiel an Nachholspiel reihte und die volle Konzentration der nahenden Oberliga-Meisterschaft galt, rückte der Wettbewerb an der grünen Platte in den Hintergrund. Pech für Dominik Kaiser, der ungeschlagen aussichtsreich im Rennen lag.

„Franz“, wie der Mittelfeldspieler in Anlehnung an seinen Nachnamen genannt wird, ist irgendwie immer in den vorderen Regionen zu finden, ein klassischer Tausendsassa. Beim Fußball-Golf im vergangenen Oktober belegte er wie selbstverständlich Platz eins und wenn er mal im Heimaturlaub ist, geht er untrainiert für den TV Schwäbisch Gmünd in der Tennis-Oberliga an den Start. Doch das alles scheint den 21-Jährigen noch nicht ganz auszulasten. Seit seinem Wechsel zu 1899 Hoffenheim studiert er an der Uni Heidelberg Sport und Mathematik.

Fußball spielen kann Dominik Kaiser übrigens auch. Und das zumindest so gut, dass Markus Gisdol ihn im Sommer 2009 vom 1.FC Normannia Gmünd in den Kraichgau holte. Bei den „Normannen“ hatte Kaiser in der Saison 2007/08 im Seniorenbereich debütiert. An seinen ersten Einsatz von Beginn an erinnert er sich noch genau: „Es war der 2. Spieltag, wir mussten auswärts beim SV Waldhof antreten. Die Kulisse im Carl-Benz-Stadion war für einen jungen Spieler wie mich beeindruckend. Es waren knapp 3.000 Zuschauer da.“ Der junge Kaiser lieferte eine Riesenpartie, spielte die Waldhöfer schwindlig, konnte aber am Ende eine unglückliche 2:3-Niederlage nicht verhindern. „Das war natürlich ärgerlich, aber unterm Strich eine super Erfahrung. Da habe ich das erste Mal so richtige Fußball-Atmosphäre gespürt.“

Bruder Steffen ist das Vorbild

Knapp drei Jahre später wurden diese Eindrücke noch einmal getoppt. Beim Bundesliga-Auftakt 2010/11 gegen Werder Bremen saß Dominik „Franz“ Kaiser bei den Profis von 1899 Hoffenheim auf der Bank. Auch wenn es für einen Einsatz nicht reichte, denkt er gerne an diesen Tag zurück: „Das war ein Riesenerlebnis. Klar hätte ich gerne gespielt, denn die Bundesliga ist schon ein Traum. Wenn das nicht so wäre, wäre ich nicht nach Hoffenheim gekommen.“

Doch trotz seiner erst 21 Jahre ist Kaiser, der in wenigen Tagen seinen 22. Geburtstag feiert, sehr abgeklärt und realistisch. „Ob man es schafft, hängt von vielen Faktoren ab, die man nicht vorhersehen kann. Ich setze mich überhaupt nicht unter Druck und will einfach nur in der Regionalliga gute Spiele machen. Alles andere wird sich zeigen.“

Dominik Kaiser, am 16. September 1989 in Mutlangen geboren, startete seine fußballerische Karriere in Waldstetten, wo auch sein Elternhaus steht. Über den VfL Kirchheim/Teck und Normannia Gmünd empfahl er sich schließlich für höhere Aufgaben. In Gmünd kickte er mit seinem 14 Jahre älteren Bruder Steffen, der in Esslingen in der Städtischen Klinik Doktor für Innere Medizin ist, zusammen.

Niedrige Fehlerquote

„Mein letztes Spiel für Gmünd war auch das letzte seiner aktiven Laufbahn – und das war ausgerechnet in Hoffenheim.“ Steffen ist ohnehin eine Art Vorbild, denn durch den Bruder, der Fußball und Tennis spielte, wurde auch Dominik frühzeitig mit beiden Sportarten vertraut. In jungen Jahren ließ sich das auch wunderbar unter einen Hut bringen. „Ich habe deutschland- und europaweit Turniere gespielt und Förderstatus genossen“, sagt Kaiser. Doch irgendwann hieß es, er müsse sich ganz dem Tennis widmen, um weiterhin vom Württembergischen Tennis-Bund Fördermittel zu erhalten. „Mit dem Fußball aufzuhören kam für mich jedoch nie in Frage. Klar hätte ich auch gerne weiter Tennis gespielt, aber ich habe meine Entscheidung nie bereut.“

Den Wechsel nach Hoffenheim ebenfalls nicht, auch wenn er am Anfang nicht wusste, was ihn erwartet. „Ich kam schließlich von einem kleinen Verein, während andere Neuzugänge in den Nachwuchsteams von Bundesligisten ausgebildet wurden.“ Es lief gut für ihn. Kaiser spielte sich schnell in die Stammformation und bestach durch Konstanz, Effektivität sowie eine niedrige Fehlerquote. „Wir sind eine junge talentierte Truppe, es war von uns allen eine sehr gelungene Saison, auch wenn ich mit meiner Torausbeute nicht ganz zufrieden war.“ Immerhin brachte es Kaiser in 32 Einsätzen auf fünf Treffer. Dass es in Gmünd mehr waren, liegt schlicht und ergreifend daran, dass ihm im Konzept von Markus Gisdol eine etwas defensivere Rolle zukommt.

Überragende Bedingungen

„Die Bedingungen hier sind überragend, von der medizinischen Abteilung über die Trainingsplätze, den Kraftraum, das Trainerteam – es passt einfach alles“, sagt Kaiser, der eine kleine Bleibe in Wiesloch – also genau zwischen seinen beiden „Arbeitsplätzen“ Hoffenheim und Heidelberg – bezogen hat. Auch wenn er auf das typische Studentenleben, sprich Kneipengänge und Uni-Partys, verzichtet, so hat er sich an der Uni auch abseits des Fußballplatzes einen kleinen Freundeskreis aufgebaut. Zugegeben: Aufgrund der intensiven Vorbereitung, die er zum Teil bei den Profis absolvierte, blieb für das Mathe-Studium zuletzt etwas weniger Zeit. „Aber das werde ich sicherlich nachholen.“

Ob es ihn vielleicht wie seinen Bruder Steffen und seine Schwester Tanja (38) später mal in die Medizin verschlägt, weiß er nicht: „Interesse hätte ich schon, aber dafür ist es fast ein bisschen spät. Mich würde aber auch der Bereich der Sportpsychologie reizen“, so Kaiser, der an der Uni auch ein paar Kurse des Hoffenheimer Fachmanns Prof. Dr. Jan Mayer besucht hat. „Ich habe noch ein Jahr Vertrag. So lange gebe ich hier Vollgas. Je nachdem, ob ich anschließend hier bleiben darf, werde ich meinen weiteren Weg planen.“

Abschalten in Waldstetten

Wann immer er kann, fährt Kaiser zu den Eltern nach Waldstetten, um abzuschalten – sofern das Umfeld das zulässt. Denn dass der jüngste Sprössling der Familie Kaiser nun in Hoffenheim kickt und kürzlich auf der Bundesliga-Bank saß, ist natürlich auch in der 7.000-Einwohner-Gemeinde niemandem verborgen geblieben. „Zehn Mal dieselbe Geschichte zu erzählen, kann etwas langweilig werden, andererseits bin ich aber auch stolz drauf.“

Zeit, um Kumpels aus gemeinsamen Schul- und Jugendfußballtagen zu treffen, nimmt er sich auch. „Einige denken, ich sei schon Bundesligaspieler. Soweit ist es natürlich noch lange nicht.“ Dass sich Kaiser tatsächlich nicht unter Druck setzt, hört man in jeder Silbe seiner Aussagen. Dankbar ist er darüber, dass seine Familie auf dem Boden geblieben ist. „Meine Eltern haben mich immer in allem, was ich getan habe, voll unterstützt. Mein Vater sieht alles sehr gelassen und glaubt sogar eher nicht daran, dass es mit der Profikarriere klappt.“ Was natürlich auch wiederum ein Ansporn sein kann.

Die Eltern Kaiser, die ihrem Sohn so viel sportliches Talent in die Wiege gelegt haben, sind bei fast allen Heimspielen der U23 im Dietmar-Hopp-Stadion zu Gast. Wohin die Reise diese Saison in der Regionalliga geht? „Wir als Team wollen unsere Art Fußball zu spielen an jedem Spieltag auf dem Platz zeigen und uns in der Liga zurechtfinden. Persönlich möchte ich die Möglichkeiten hier im Trainingszentrum nutzen, um mich in allen Bereichen zu verbessern und an den Spieltagen konstant gute Leistungen bringen." Und was auch schön wäre: Wenn das abgebrochene Tischtennis-Turnier noch zu Ende gespielt werden würde...

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