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U23
28.09.2010

Alexander Rosen - der Papa der jungen Wilden

Der Altersabstand zwischen Alexander Rosen und dem jüngsten Teamkollegen Denis Thomalla beträgt zwar „nur“ 13 Jahre und vier Monate, dennoch wird der defensive Mittelfeldspieler mit dem markanten Kahlkopf im Mannschaftskreis respektvoll „Papa“ genannt. Und der Spitzname sagt einiges über Rosens Rolle in der Hoffenheimer U23 aus. Die Tore und tödlichen Pässe überlässt er anderen. „Ich soll mit meiner Erfahrung dazu beitragen, den jungen Mitspielern den Übergang vom Junioren- zum Profi-Fußball zu erleichtern“, sagt der 31-Jährige.

Und über Erfahrung verfügt Alexander Rosen reichlich. Vor elfeinhalb Jahren debütierte der gebürtige Augsburger, der beim FCA ausgebildet wurde und 20 Einsätze in der U20- bzw. U21-Nationalmannschaft absolvierte, für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga. Es sollte jedoch bei vier Einsätzen und 150 Erstliga-Minuten bleiben, die anderen Vereine in seiner Vita lesen sich dann etwas biederer: VfL Osnabrück, 1. FC Saarbrücken, SV Elversberg. Immerhin blickt Rosen heute auf 15 Zweitliga- und weit über 100 Einsätze in der Drittklassigkeit zurück. „Als ich irgendwann merkte, dass alles stagnierte und es weder vorwärts noch rückwärts ging, entschloss ich mich zu einem klaren Schnitt", sagt Rosen, der 2005 in die zweite norwegische Liga wechselte. Und das nicht einfach nur zum Fußball spielen. Beim Follo FK - einem im 26.000-Einwohner-Städtchen Ski ansässigen Zweitligisten, der sich aus sechs lokalen Mannschaften zusammenschließt - beackerte er nicht nur das Mittelfeld, sondern arbeitete nebenbei als sportlicher Assistent der Geschäftsführung. „Ich hatte schon lange im Hinterkopf, mal ein oder zwei Jahre ins Ausland zu gehen. Über ein paar Kontakte kam dann die Verbindung nach Norwegen zustande."

Die Erfahrungen im Land der Fjorde waren zum Teil extrem, aber sehr lehrreich. Vor einem Spiel in Hammerfest - der „nördlichsten Stadt der Welt" - hatte es in Oslo noch 18 Grad. Am Nordkap musste der Bus dann Schneeketten aufziehen oder eine Pause einlegen, weil Hirten 700 Rentiere über die Autobahn trieben. In der Semiprofessionalität rund 30 Autominuten südöstlich von Oslo hatte Rosen aber genügend Zeit, sich neben dem Fußball auch auf den Beruf zu konzentrieren und ausreichend Einblicke im Bereich des Sportmanagement zu gewinnen. Oder mit anderen Worten: Um genau das zu tun, was auch in Hoffenheim von den jungen Spielern eingefordert wird: die Ausbildung der Persönlichkeit und die Schulung sozialer Intelligenz voranzutreiben.

Rosen lernte nicht nur Land und Leute lieben („Die Lebensqualität ist extrem hoch und die Menschen sind viel gelassener als wir Deutsche"), sondern auch gleich deren Sprache. Doch so sehr es ihm in Norwegen auch gefiel, es gab zwei triftige Gründe, 2007 nach Deutschland zurückzukehren. Zwischen seinem ersten und zweiten Jahr bei Follo begegnete ihm im Heimaturlaub Tanja, mit der er heute noch zusammen ist. Und: Im Januar 2009 legte er die IHK-Abschlussprüfung zum Sportfachwirt ab, für die ein zweijähriger Fernlehrgang und die zwei Jahre Berufserfahrung in Norwegen Voraussetzung waren. Im Moment ist er gerade dabei, seinen Abschluss zum Sportökonom an der Fachhoch-schule vorzubereiten. „Sowohl in der dritten deutschen als auch in der zweiten norwegischen Liga reicht das Geld bei weitem nicht aus, um für die Zukunft ausgesorgt zu haben. Daher wäre es sehr naiv gewesen, wenn ich mich mit Ende 20 nicht in irgendeiner Form auf die Zeit danach vorbereitet hätte."

Zurück in Deutschland kam es für Rosen nicht in Frage, die Schuhe an den Nagel zu hängen. „Dafür liebe ich den Fußball zu sehr." Also schloss er sich zunächst den Stuttgarter Kickers an. „Der Zug mit der 1. Liga und 2. Bundesliga war irgendwie durch, aber die 3. Liga war noch etwas für mich: professionell und cool." Auf der Waldau war er natürlich gesetzt, und in einem legendären Derby gegen den VfB Stuttgart II, als die Kickers 20 Minuten vor Schluss zu Hause 1:4 hinten lagen, setzte er als Kapitän mit seinem 4:4-Ausgleichstreffer in der Neunzigsten einen denkwürdigen Schlusspunkt.

Im Sommer 2009 lotste Hoffenheims Manager Ernst Tanner, damals noch als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums für die Zusammenstellung des U23-Kaders verantwortlich, Alexander Rosen nach Hoffenheim. „Das war für mich ein absoluter Glücksfall", freut sich der Mann mit der Nummer 25 auf dem Rücken, dass er den Kontakten zu einigen Drittligisten widerstanden hat. „Hier am Projekt Aufstieg mitzuwirken und mich einbringen zu können, ist eine super Erfahrung für mich", sagt der „Papa", der zwar altersbedingt die ein oder andere Minute länger auf der Massagebank verbringen muss als seine jungen Kollegen, der aber derzeit aus der Stammformation von Trainer Markus Gisdol nicht wegzudenken ist. Rosen ist so eine Art zweiter Kapitän neben Kai Herdling. Immer wieder feuert er seine Mitspieler an, baut sie auf - und ist ein Vorbild an Einsatz und Professionalität. Die Zeit in Norwegen hat ihn eben geformt. „Es ist ein großer Vorteil, schon einmal auf der anderen Seite gearbeitet zu haben. Ich habe ein ungleich größeres Verständnis für viele Vereinsentscheidungen."

Die Begeisterung fürs Kicken hat Rosen von seinem Großvater Gerhard Niklasch geerbt, der ebenfalls beim FC Augsburg spielte und in Zeiten eines Helmut Haller sogar dessen Kapitän war. „An der Hand meines Vaters bin ich früher regelmäßig zu den Heimspielen des FC Bayern gegangen", bekennt Rosen und gibt zu: „Die verfolge ich noch heute mehr als andere Klubs." Doch am Dienstagabend wurde dennoch Blau-Weiß die Daumen gedrückt.

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