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SPIELFELD
06.12.2018

Schulz: "Ein optimaler Ort, um Fußball zu spielen"

Nico Schulz ist in diesem Jahr deutscher A-Nationalspieler geworden. Im Interview mit dem am 7. Dezember erscheinenden TSG-Monatsmagazin SPIELFELD spricht der 25-Jährige über seinen Weg in den Profi-Fußball, seine persönliche Einstellung zu Disziplin und Ernährung sowie seine Lehren aus privaten und fußballerischen Erfahrungen. Und bezieht er auch zum DFB-Team Stellung.

"Mit der Berufung in die A-Nationalmannschaft ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe seit der U15 in allen Auswahlteams für Deutschland gespielt und das Ziel nie aus den Augen verloren, trotz schwieriger Phasen. Wenn ich auf die jetzige Situation schaue, ist es schon eine Karriere, wie ich sie mir als kleiner Junge erträumt habe."

Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen erachtet es der Außenbahnspieler für wichtig, jugendlichen Fußballer nicht zu früh alle Entscheidungen abzunehmen: "Es ist meiner Meinung nach der falsche Weg, Jugendlichen vorzugeben, was sie essen dürfen und was nicht. Zum einen schadet es der Entwicklung, wenn der Verein alles für dich regelt und dir jede Entscheidung abnimmt. Zum anderen spürt man dadurch ja auch Druck. Das Einzige, was für einen jungen Spieler zählen sollte, ist Spaß am Fußball zu haben."

Es gab allerdings eine Phase in seiner Karriere, in der klare Ansagen hilfreich waren. "Ich musste auch mal geschubst werden, als ich mit 17, 18 in Berlin Profi geworden bin. Zu der Zeit war ich zwar nicht arrogant, aber ich war viel unterwegs und habe das Leben zu sehr genossen. Man hatte viel Freizeit und wenig Sinnvolles zu tun. Ich war erst ein Jahr Profi und dachte schon, ich habe alles erreicht. Da hat sich bei mir einiges verändert." Durch die jüngsten Erfahrungen in der Nationalmannschaft fühlt er sich in seiner Entwicklung bestätigt: "Wir spielen mit Hoffenheim in der Champions League und dennoch braucht sich hier niemand als der Tollste und Beste fühlen – weil es einfach noch ganz andere Kaliber gibt. Das sehe ich ja jetzt wieder bei der Nationalmannschaft. Da steht dann einer neben dir, der spielt bei Real Madrid und hat dreimal nacheinander die Champions League gewonnen. Und selbst der ist auf dem Boden geblieben. Wenn du dann einen 19-Jährigen siehst, der denkt, er ist der Allergrößte, dann tut er mir leid. Denn dann läuft da etwas schief und das wird ihn nicht weiterbringen."

"Ich definiere mich nicht als Fußballer"

Hilfreich war auf seinem Weg auch, die Bedeutung des Fußballs richtig einzuschätzen. "Es ist für mich nicht das Wichtigste im Leben. Ich definiere mich nicht als Fußballer. Ich bin auch eine private Person und mag es nicht, wenn man mich nur als Fußballer sieht. Ich habe zwei kleine Kinder, die interessiert es überhaupt nicht, dass ich Profi bin. Gesundheit, meine Familie – das sind Dinge, die viel, viel wichtiger sind als Fußball zu spielen. Ich bin kein Star. Ich bin hier in Hoffenheim, weil ich es liebe, Fußball zu spielen."

Szenen wie bei der Nationalmannschaft, wenn Menschen vor dem Hotel auf die Spieler warten, beeindrucken ihn deshalb: "Es ist verrückt. Sie warten bei fünf Grad stundenlang draußen, um ein Foto mit dir zu machen. Aber so ist der Fußball. Ich war ja auch als Kind Fan von Spielern. Dieser Rollentausch ist schön, aber auch seltsam. Man versucht deshalb, etwas zurückzugeben und sich Zeit zu nehmen, um möglichst alle Wünsche zu erfüllen. Nur durch unsere Fans können wir unseren Job so machen und verdienen letztendlich auch unser Geld. Viele geben es vielleicht nicht zu, aber mich macht es stolz, bewundert zu werden. Für mich selbst bin ich ja eine ganze normale Person. Und dann ist es toll, so etwas zu erfahren."

Am Ende des für ihn sehr erfolgreichen Jahres 2018 blickt Schulz auch auf schwierigere Zeiten zurück: "Es war brutal, von Gladbach weggejagt zu werden. Danach aber so einen Weg hinzulegen, ist eine riesige Genugtuung, die mich immer daran erinnert, dass man Gas geben muss, für seine Leistung irgendwann belohnt wird und man immer an sich glauben muss.“ In Hoffenheim hat er ein perfektes Umfeld gefunden: „Man kann hier einfach Fußball spielen – ohne Nebengeräusche. Momentan ist Hoffenheim ein optimaler Ort, um Fußball zu spielen."

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