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AKADEMIE
22.04.2019

Alfons Amade: Unser Weg nach Nyon

Das Abenteuer geht weiter und weiter. Die fabelhafte Reise der U19 in der UEFA Youth League führt die Mannschaft von Trainer Marcel Rapp am kommenden Freitag tatsächlich ins Halbfinale, das im Rahmen eines Final-Four-Turniers im schweizerischen Nyon ausgerichtet wird. Wie die Kraichgauer A-Junioren zu dem großen Spiel gegen den FC Porto vorgestoßen sind, zeichnet TSG-Spieler Alfons Amade noch einmal für achtzehn99.de nach.

Vor dem ersten Spiel

Mit der Auslosung fing für uns die Youth-League-Saison an. Ich hatte damals Training, aber habe mir danach natürlich sagen lassen, gegen wen wir spielen. Ich hatte schon darauf gehofft, dass wir schlagbare Gegner bekommen, auch wenn das wahrscheinlich in der Youth League schwer zu sagen ist. Bei Manchester City, Donezk und Lyon habe ich mir gleich gedacht, dass das richtig schwer wird, auch wenn es gute Spiele versprochen hat. Aber wie wir gegen solche Gegner spielen würden, war schwer abzuschätzen, weil wir diese Vergleiche sonst ja nicht haben. Ich habe mit dem DFB aber schon öfter gegen Frankreich oder England gespielt und wusste daher ein bisschen, was bei Lyon und Manchester City auf uns zukommen könnte. Den einen oder anderen Spieler kannte ich auch schon von der Nationalmannschaft.

1.Spieltag | Schachtar Donezk vs. TSG Hoffenheim 1:2 (0:1)

Ich kam für das Spiel zum ersten Mal von der U23 zur U19. Die Umstellung fiel mir aber nicht schwer, denn ich kannte ja die Trainer und einige Spieler noch. Ich habe als einer der drei älteren Spieler versucht, den Jungs etwas von oben mitzugeben. Spielerisch muss ich ihnen nichts erklären, da wissen sie genau, was sie machen müssen. Aber zum Beispiel vom Auftreten her will ich schon vorangehen.

In der Ukraine war ich vorher noch nie. Mit dem DFB bin ich aber bei der U17-EM auf die ukrainische Nationalmannschaft gestoßen und damals wurde uns schon gesagt, dass es für die Spieler eine große Chance ist, sich auf dieser Bühne zu präsentieren und sie daher immer alles reinwerfen. Das haben wir auch im ersten Spiel gegen Donezk gemerkt. Die sind mit viel Herzblut aufgetreten. Ich hatte eigentlich noch erwartet, dass da ein paar Brasilianer spielen – eben wie bei der ersten Mannschaft. Es hat mich dann überrascht, dass es eigentlich nur Ukrainer waren.

Vor dem Spiel hatte ich eine gewisse Anspannung, ich glaube, der eine oder andere war auch ein bisschen nervös, aber das gehört auch dazu, denn es war nun mal etwas ganz anderes. Wir haben uns in dem Spiel als Underdog gesehen und am Anfang hatten wir auch etwas Glück. Aber im Laufe des Spiels haben wir gemerkt, dass hier was geht. Wir haben uns dann immer mehr gesteigert und gemerkt, dass wir drin sind. Irgendwann haben wir uns angeschaut und gesagt: „Das klappt hier.“ Wir hatten einen Plan und haben gesehen, dass der funktioniert.

Meine persönliche Leistung in dem Spiel war ordentlich, würde ich sagen. Donezk hatte viel den Ball, deshalb mussten wir taktisch gut agieren, damit wir gut verteidigen. Ich musste dabei viel organisieren und uns durch gute Defensivaktionen voranbringen.

2. Spieltag | TSG Hoffenheim vs. Manchester City 5:2 (2:1)

Wir hatten schon damit gerechnet, dass viele Zuschauer zu dem Spiel kommen würden, aber dass es dann knapp 3.000 Zuschauer geworden sind, war schon schön. Am Anfang waren einige vor der Kulisse vielleicht noch etwas nervös. Mit dem Spielverlauf hat sich das aber immer mehr ins Positive gedreht und uns beflügelt. Wir haben dann ja schnell zwei Tore gemacht und gemerkt, dass auch gegen City was geht. Einfach war es natürlich nicht, denn City hatte auch seine Chancen. Aber unsere große Qualität in der Youth League ist ganz einfach, dass wir beim Abschluss total konsequent sind.

Manchester hat zwar in der zweiten Halbzeit immer mehr Druck gemacht, aber für uns haben sich dadurch Räume ergeben, die wir dann ja auch zu weiteren Toren genutzt haben. Wir standen in dem Spiel sehr kompakt und für mich ging es auf der Sechser-Position gegen die beiden Zehner von City darum, immer noch den Fuß rein zu kriegen und Zweikämpfe zu gewinnen. Das sollte ihnen dann auch ein bisschen die Lust nehmen.

Ich denke, City konnte uns vor dem Spiel nicht so gut einschätzen, denn sie kannten unsere Spielweise ja einfach nicht. Vielleicht haben sie nicht erwartet, dass wir so spielen können. Aber das ist irgendwie ja auch menschlich, wenn man als Manchester City gegen einen Verein spielt, der nicht so einen großen Namen und noch nicht so viele Erfolge gefeiert hat. Während des Spiels haben sie es dann ja aber gemerkt und jetzt wissen sie, denke ich mal, wer wir sind.

Der Sieg gegen City war für uns eine Bestätigung, dass wir da mithalten können. Auch die Zuschauer haben sicherlich nicht erwartet, dass wir gewinnen. Aber wir haben in diesem Spiel gesehen, dass, wenn wir uns an unseren Plan halten, alles möglich ist.

3. Spieltag | TSG Hoffenheim vs. Olympique Lyon 3:1 (0:0)

Wieder kam ein großer Name zu uns und wir wollten wieder ein geiles Spiel machen. Aber wir sind da auch nicht reingegangen und haben gedacht, dass wir die abschießen. Ich glaube aber, dass bei manchem Spieler nach den ersten Spielen etwas mehr Mut da war. Dass wir sie dann geschlagen haben, lag daran, dass wir es am Ende einfach mehr wollten. Die Tore sind ja auch relativ spät gefallen. Es war wieder ein Spiel, in dem der Gegner technisch gezeigt hat, was für eine gute Mannschaft er ist. Aber wir waren einfach wieder sehr effektiv und haben dann vielleicht doch den einen Meter mehr gemacht.

Nach der Hälfte der Gruppenphase hatten wir dann die volle Punktzahl und da mussten wir uns schon mal kneifen. Aber wir haben auch nicht gesagt, dass wir jetzt alles erreicht haben. Ich fand es von der Mannschaft richtig gut, dass keine Zufriedenheit eingekehrt ist und jeder sofort gesagt hat, jetzt geht es wieder von Null los.

4. Spieltag | Olympique Lyon vs. TSG Hoffenheim 3:3 (1:1)

Vor dem Spiel hatten wir uns schon ausgerechnet, dass wir in Lyon bereits die K.o.-Runde erreichen könnten, aber unmittelbar vor und während des Spiels war das dann kein großer Faktor und wir wollten einfach das Maximale herausholen.

Die erste Halbzeit war zusammen mit der in Manchester die schwierigste in der Youth League. Ich denke, Lyon hatte auch ein wenig Wut im Bauch aus dem Hinspiel, denn es war ein großer Unterschied, wie sie im Hin- und im Rückspiel aufgetreten sind. Da haben sie einfach gezeigt wie gut sie sind und wir waren zumindest in der ersten Halbzeit komplett mit der Defensive beschäftigt. Mein Gegenspieler war Hamza Rafia – für mich in der Youth League bislang der stärkste, mit dem ich es zu tun hatte. Offensiv haben wir da kein gutes Spiel gemacht, aber in der zweiten Halbzeit konnten wir uns zum Glück steigern und noch einen Punkt holen.

Ich habe in der Youth League einfach das Gefühl, dass wir es immer schaffen, auf den Punkt voll da zu sein. Zusammen mit den Spielern, die reingekommen sind, haben wir in der zweiten Halbzeit in Lyon dann noch das Maximale herausgeholt. Unsere Bank war schon auch eine Stärke in den Youth-League-Spielen, denn auch die Spieler, die nicht von Anfang an spielen, brennen, wenn sie reinkommen und sie werden dann auch von den anderen zehn, die schon auf dem Platz stehen, mitgezogen. Das spricht schon für uns als Team.

Nach dem Schlusspfiff wussten wir schon, dass wir weiter waren, aber wir hätten kurz vor Schluss auch noch gewinnen könnten. Deshalb haben wir zunächst auch nicht groß gejubelt, weil unsere Reaktion erst einmal auf das Spiel an sich bezogen war.

Wie immer nach den Youth-League-Partien waren wir abends noch bei dem Champions-League-Spiel der Profis. Da konnten wir sehen, wo wir alle hinwollen. Denn die Atmosphäre in Lyon war ein Riesenerlebnis. Dazu die Hymne und das ganze Drumherum, das hat schon motiviert.

5. Spieltag | TSG Hoffenheim vs. Schachtar Donezk 1:1 (0:1)

Wir hätten mit einem Sieg gegen Donezk den Gruppensieg klarmachen können. Von daher waren wir nach dem Spiel zum ersten Mal ein bisschen enttäuscht. Wir wollten es ja mit einem Sieg in Lyon eigentlich schon dort klarmachen. Nach dem Spiel haben wir uns dann gesagt: „Okay, dann machen wir es eben gegen Donezk.“ Wir haben dann ja auch ein gutes Spiel gemacht, konnten aber einfach nicht gewinnen.

Ich persönlich fand, dass ich in diesem Spiel meine beste Leistung in der Youth League gebracht habe, weil ich defensiv und offensiv an vielen Aktionen beteiligt war. Vor allem durch defensive Ballgewinne konnte ich uns, glaube ich, stabilisieren und mit dafür sorgen, dass wir unsere offensiven Aktionen starten konnten.

6. Spieltag | Manchester City vs. TSG Hoffenheim 2:1 (2:0)

Vor dem Spiel war schon klar, dass wir doch vorzeitig Gruppensieger sind, weil Lyon nicht gegen Donezk gewonnen hatte. Die Spannung war aber trotzdem da, denn die Youth League ist einfach etwas Besonderes. Aber es war natürlich beruhigend, zu wissen, dass wir nicht mehr gewinnen mussten.

Es ging aber immerhin gegen Manchester City und da wollten wir natürlich trotzdem ein gutes Spiel machen. Die Niederlage hat uns dann schon geärgert, aber vor allem die erste Halbzeit war echt schwer und für mich war City der stärkste Youth-League-Gegner, den wir bislang hatten. Auch, wenn sie in der Gruppenphase ausgeschieden sind. Ich muss auch zugeben, dass ich persönlich in dem Spiel die größten Probleme hatte. Da war auch ich öfter mal einen Schritt zu spät. Das war ein sehr schweres Spiel.

Zum Glück haben wir uns dann wieder in der zweiten Halbzeit gesteigert und waren mutiger. Mit ein bisschen Glück hätten wir auch noch einen Punkt holen können. Obwohl wir Gruppensieger waren, haben wir uns erst einmal geärgert, dass wir verloren haben. Die Freude über den direkten Einzug ins Achtelfinale kam dann etwas später.

Ein absolutes Highlight war für mich das Champions-League-Spiel zwischen City und unseren Profis. Mal im Stadion zu sehen, wie Manchester das Spiel aufbaut, offensiv zaubert und welch individuelle Qualität die Spieler haben – das war schon beeindruckend.

Achtelfinale | TSG Hoffenheim vs. Dynamo Kiew 4:2 n.E. (0:0)

Das Los Dynamo Kiew war jetzt nicht der ganz große Name, aber sie hatten ja Juventus zuvor mit 3:0 geschlagen und im Achtelfinale der Youth League gibt es ohnehin keine leichten Gegner. Von daher wussten wir schon, dass es richtig schwer werden würde. Wir sind das Spiel wieder angegangen wie jedes andere und haben uns auch nicht von dem Sieg gegen den großen Namen Juventus blenden lassen.

Mich hat beeindruckt, wie die Kiewer defensiv gespielt haben – sowohl vom taktischen als auch in den persönlichen Duellen. Die waren immer hart, haben manchmal wehgetan, aber diese Spielweise war effektiv und sicherlich auch ein Grund, warum sie so weit gekommen sind. Wir haben aber unsere Angriffe gut herausgespielt und hinten nicht viel zugelassen. Wir wussten, dass wir vorne schon noch ein Tor machen würden. Das hat diesmal dann nicht geklappt, aber gewonnen haben wir ja trotzdem.

Ich habe in diesem Spiel zum ersten Mal auf der Achter-Position gespielt. Das war zwar etwas ungewohnt, aber ich wusste genau, was der Trainer dort von mir erwartet. Von daher war das okay. Beim Elfmeterschießen war klar, dass David [Otto], Dome [Alberico] und ich als ältere Spieler schießen werden. Wir waren alle auch überzeugt, dass wir treffen werden, und wussten auch, dass wir einen guten Torwart haben. Daniel [Klein] hat dann direkt vor meinem Elfmeter ja auch einen gehalten. Wir wussten einfach, dass wir gewinnen werden – ob im Spiel oder im Elfmeterschießen.

Viertelfinale | TSG Hoffenheim vs. Real Madrid 4:2 (2:1)

Für mich war das Spiel gegen Real natürlich bitter, denn ich hatte schon vorher Rückenprobleme, habe aber darauf gehofft, dass es am Spieltag irgendwie gehen würde. Es wurde alles versucht, aber beim Aufwärmen habe ich dann gemerkt, dass ich nicht an meine 100 Prozent kommen kann. Die sind aber gegen Real nötig und deshalb habe ich gesagt, dass Amadou [Onana] spielen soll. Ich wusste, dass er das genauso gut kann, und deshalb war ich beruhigt. Aber für mich persönlich war es natürlich blöd.

Den Sieg gegen Real habe ich dann von der Bank aus verfolgt. Das war für mich neu, weil ich sonst fast nie verletzt war. Der Rahmen war natürlich toll – mit einem ausverkauften Stadion und der Liveübertragung auf Sport1. Ich fand, wir haben sehr mutig gespielt und es hat mich gefreut, dass wir das auch gegen solch einen Gegner tun. Man hat aber sicherlich auch gesehen, was Real vor allem in der Offensive kann. Wir haben jedoch gut dagegenhalten und uns mit dem Regen besser angefreundet.

Nach dem Spiel habe ich natürlich mit der Mannschaft gefeiert, aber persönlich war ich auch immer noch ein bisschen enttäuscht, dass ich nichts zu dem Sieg beitragen konnte. Der Erfolg des Teams stand aber dennoch darüber, deshalb habe ich dann mein eigenes Empfinden schnell zurückgestellt und mich voll und ganz mit dem Team gefreut.

Final Four in Nyon

Dass wir jetzt nach Nyon fahren, hätte niemand von uns ansatzweise für möglich gehalten. Aber man hat bei jedem Spiel gemerkt, dass wir besser sind und gewinnen werden. Wir gehen dann aber jedes Spiel wieder von Null an – nun auch gegen Porto. Auch da versuchen wir das Maximale herauszuholen, aber Porto ist natürlich ein sehr guter Gegner. Wir brauchen wieder eine richtig starke Leistung, Einsatz und Leidenschaft. Wenn wir uns an unseren Plan halten und alles auf den Platz bekommen, können wir auch dieses Spiel gewinnen. 

 

Youth League, Halbfinale

TSG 1899 Hoffenheim - FC Porto
Freitag, 26. April, 14 Uhr, Centre sportif de Colovray Nyon

 

Hinweise zu Tickets und Fanbussen gibt es hier.

 

Matchday -5: FC Porto - Klubhistorie

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