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U23
22.05.2020

Spieltagshelden (4): Horst Heinleins Warten aufs Comeback

Sie stehen nicht in der ersten Reihe, ihr Gesicht kennen nur diejenigen, die regelmäßig bei den Heimspielen der Akademie-Teams sind. Und doch sind sie teilweise schon seit vielen Jahren dabei und leisten an Spieltagen unverzichtbare Arbeit für die TSG Hoffenheim, indem sie einen reibungslosen Ablauf garantieren oder die Akademie-Teams unterstützen. Achtzehn99.de widmet den „Spieltagshelden“ eine kleine Serie, die in loser Reihenfolge diese Menschen porträtiert. Heute: Horst Heinlein (hier als Moderator bei der Mitgliederversammlung), der die TSG seit 35 Jahren als Stadionsprecher begleitet.

Horst Heinlein radelt sich die Fußballsehnsucht aus den Beinen. Jetzt, wo der Stadionsprecher schon seit elf Wochen keine Aufstellungen, Torschützen oder Zuschauerzahlen mehr durchsagen durfte, sucht er Abwechslung auf dem Fahrradsattel und den Radwegen des Kraichgaus. „Normalerweise trainiere ich hauptsächlich auf dem Home-Trainer. Da fahre ich schon mal 60 bis 80 Kilometer am Tag. Aber jetzt bin ich auch wieder öfter draußen unterwegs – gestern zum Beispiel bis nach Eppingen.“

Für die Vereinsikone, die seit 35 Jahren als Stadionsprecher für die TSG tätig ist, bedeutet das Radfahren eine Art Ausgleich. Denn in Horst Heinleins Leben fehlt zurzeit ein wichtiger Bestandteil. „Meine Sprecherkabine vermisse ich schon sehr. Wenn man das so lange macht, dann tut es schon ein bisschen weh, so lange darauf verzichten zu müssen.“ Zu den Heimspielen der U23, des ersten Frauenteams und der U19 gehört Heinleins Stimme mittlerweile fest dazu. In den vergangenen vier Jahren hat der Rentner keine einzige Partie verpasst, da er sogar seine Urlaube nach den Spielplänen ausrichtet.

Auch die Vorbereitung unter der Woche fehlt dem gebürtigen Hoffenheimer, der mit seiner Frau immer noch mitten im Ort wohnt: „Mittwochs oder Donnerstags fange ich an, mir die Kader der Gegner vom Wochenende anzuschauen. Ich gucke dann, welcher Name schwierig auszusprechen ist und frage am Spieltag einen der gegnerischen Betreuer.“

Pokalcoup gegen Leverkusen als Höhepunkt in 35 Jahren

Angefangen hat der 70-Jährige im Jahre 1985. Damals war Heinlein noch Torwart der zweiten Mannschaft. Jemand aus dem Verein fragte ihn, ob er sich vorstellen könnte, bei den Kreisligaspielen der Ersten als Stadionsprecher auszuhelfen. „Ich war schon immer einer, der gerne gesprochen hat, und habe es daher einfach mal ausprobiert“, erinnert sich Heinlein. Als Einzelhandelskaufmann arbeitete er damals in der Rundfunk- und Fernsehabteilung der Heidelberger Kaufhof-Filiale, in der er nebenbei auch auch die Kaufhausdurchsagen machte. „Ich habe auch mal einen Discjockey-Wettbewerb gewonnen.“ Den Hang zum Reden vor Publikum hatte er also schon vor seinem Engagement als Stadionsprecher.

Heinlein begleitete die TSG am Mikrofon durch alle Ligen – bis zum Bundesligaaufstieg 2008. Auch bei den Profispielen ist er heute noch dabei und verkündet in der PreZero Arena die Aufstellung des Gegners sowie die Zwischen- und Endstände der anderen Partien. Sein Höhepunkt in 35 Jahren Sprecherkabine? „Das war der 3:2-Sieg gegen Leverkusen im DFB-Pokal 2003. Wir waren damals noch Regionalligist und Leverkusen war Dritter in der Bundesliga. So eine Stimmung wie bei diesem Spiel habe ich danach nie wieder im Dietmar-Hopp-Stadion erlebt.“

Seine persönlichen Höhepunkte sind jedoch die Begegnungen mit vielen verschiedenen Menschen und Persönlichkeiten. „Dass ich einmal Größen wie Gerd Müller, Karlheinz Förster oder Franz Beckenbauer kennenlernen würde, hätte ich als junger Spieler und Fan niemals für möglich gehalten. Gerd Müller hatte bei seinem letzten Besuch als Co-Trainer von Bayern II in Hoffenheim sogar Tränen in den Augen, als er sich von mir verabschiedet hat.“

Gutes Verhältnis zu Spielern und Trainern

Auch zu den Spielerinnen und Spielern der TSG hat Heinlein stets einen guten Draht. „Wenn Alfred Schreuder oder Spieler wie Sebastian Rudy oder Ermin Bičakčić bei der U23 zuschauen, kommen sie oft für einen Plausch zu mir in die Sprecherkabine.“ Auch diese Kontakte fehlen dem Hoffenheimer Urgestein nun in der Corona-Pause sehr.

Gerne würde Horst Heinlein mal wieder einen für ihn ganz normalen Samstag oder Sonntag im Dietmar-Hopp-Stadion erleben: zwei Stunden vor Spielbeginn an der Silbergasse vorfahren, die Soundanlage in Betrieb nehmen, die Musik zusammenstellen, den Gegner und die Schiedsrichter begrüßen, ein bisschen mit den altbekannten TSG-Gesichtern quatschen und dann rund 20 Minuten vor Anpfiff mit einem „Hallo und herzlich Willkommen im Dietmar-Hopp-Stadion“ loslegen.

Ein Ende der quälend langen fußballlosen Zeit ist für Heinlein jedoch in Sicht: Bei den Frauen beginnt am 29. Mai die Bundesliga wieder, das erste Heimspiel der TSG-Damen steht am 5. Juni an. Die TSG-Legende am Mikrofon kann es kaum erwarten, endlich ihr Comeback in der Sprecherkabine zu geben.

 

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2 | Den Pascheks fehlt etwas

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