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FRAUEN
02.04.2020

Jürgen Ehrmann: „Hoffnung nicht verlieren“

Seit gut zwei Wochen findet am Mädchen- und Frauenfußballförderzentrum der TSG kein Trainingsbetrieb mehr statt. Bundesliga-Trainer Jürgen Ehrmann spricht im Interview über die Herausforderungen der aktuellen Situation, den pausierenden Spielbetrieb und den guten Charakter seiner Mannschaft.

Hallo Jürgen, die derzeitige Situation ist außergewöhnlich. Wie ergeht es den Spielerinnen und dem Team ums Team?

„Es geht glücklicherweise allen gut, wir sind untereinander regelmäßig in Kontakt und alle sind sehr fleißig. Den direkten Umgang im Training, die Spiele und das ganze Drumherum kann man aber trotzdem nicht ersetzen. Langsam wird die Situation zur Geduldsprobe, denn jeder von uns würde derzeit lieber auf dem Platz stehen. Aber wir können nichts daran ändern und versuchen das Beste daraus zu machen.“

Schon seit dem 16. März findet am Förderzentrum kein Trainingsbetrieb mehr statt, die Spielerinnen arbeiten zuhause individuell. Welche Hausaufgaben haben sie von euch bekommen?

„Unser Athletik-Trainer Alvaro Molinos hat ein Trainingsprogramm zusammengestellt, das immer variiert und umgestellt wird. Die Spielerinnen haben zudem Videos mit verschiedenen Balltechnik-Übungen, Dribblings und Koordinationsaufgaben bekommen. Diese sind auf kleinem Raum ausführbar und deshalb ideal für zuhause. Außerdem analysieren wir über Video-Konferenzen Spiele. Den Spielerinnen wird Videomaterial zugeschickt, das sie durcharbeiten und anschließend mit uns besprechen. Für Abwechselung sorgen außerdem kleine Wettbewerbe, wie das Ausführen von Tricks mit einem Tennisball. Dabei kann man Punkte sammeln, den Gewinnerinnen winkt am Ende eine Essenseinladung.“

Wie fällt nach gut zwei Wochen dein Fazit zum Heimtraining aus?

„Wir kennen unsere Mannschaft gut und hatten deshalb von Anfang an keine Bedenken, dass die Spielerinnen zuhause sehr ehrgeizig individuell trainieren würden. Wir bringen ihnen da großes Vertrauen entgegen. Jede Spielerin geht anders mit der schwierigen Situation um und wir halten immer wieder Rücksprache, wie jede einzelne das empfindet. Das ist für uns sehr wichtig.“

Die Zwangspause in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga wurde am Dienstag vorerst bis zum 30. April verlängert. Wie geht ihr mit dieser Entscheidung um?

„Es hilft nicht, sich darüber zu viele Gedanken zu machen. Wir verlassen uns darauf, dass die Experten die richtigen Entscheidungen treffen. Wir alle würden gern zurück auf den Platz, aber das Wichtigste ist, dass wir diese Krise gemeinsam gut überstehen. Stand der Dinge ist nun, dass der Spielbetrieb mindestens bis Ende April ruht, das akzeptieren wir so und machen das Beste daraus. Wir profitieren sehr davon, dass die Mannschaft einen tollen Charakter hat und die Strukturen ums Team herum stimmen, deshalb passt das schon.“

Noch vor ein paar Wochen war eine Situation, wie wir sie gerade erleben, für die meisten unvorstellbar. Was ist aus deiner Sicht besonders gefragt, um die Herausforderungen in allen Lebensbereichen möglichst gut zu meistern?

„Es bedarf sehr viel Disziplin. Soziale Kontakte zu vermeiden fällt niemandem von uns leicht, ist aber nötig, um möglichst schnell ans Ziel zu gelangen. Wo dieses Ziel liegt, ist derzeit leider nicht absehbar, das macht es schwieriger, auch für unsere Spielerinnen, die nicht so richtig auf etwas hinarbeiten können. Wichtig ist außerdem Zusammenhalt und sich gegenseitig zu unterstützen. Die Corona-Krise ist ein tiefer Einschnitt in unser Leben, aber trotz all den schlechten Nachrichten hört man auch immer wieder Positives. Es gibt viele Aktionen, bei denen sich die Menschen gegenseitig helfen. Die Situation lässt sich nur gemeinschaftlich lösen. Man spricht immer viel über Hoffnung, aber ich glaube, diese zu haben, ist momentan für uns alle sehr wichtig.  Und wir sollten sie nicht verlieren.“

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