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AKADEMIE
18.03.2020

Wie die Akademie die „spezielle Situation“ meistert

Im Moment ist alles anders. Die Corona-Krise hat in der Dynamik ihrer Entwicklung alle Beteiligten unvorbereitet getroffen, eine Situation wie diese hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Natürlich setzt auch in der TSG-Akademie der Trainingsbetrieb aus. Dennoch, sofern man das so sagen darf, lassen sich die ersten Tage in der Isolation gut an: Spieler und Trainer – die zum Großteil nebenbei auch noch ihre kleinen Kinder betreuen müssen – arbeiten im „Home office“. Achtzehn99.de hat sich von der U23 bis zur U16 umgehört.

U23

U23-Cheftrainer Marco Wildersinn und sein Trainerteam haben ihren Spielern Trainingspläne mit athletischen Inhalten mit in die Zwangspause gegeben. Diese enthalten bestimmte Läufe sowie Übungen für Kraft- und Schnelligkeitstraining. „Jeden Tag bekommen die Spieler von uns die Infos, was sie zu tun haben“, sagt Wildersinn, der aus dem Home-Office zudem vermehrt Spiele auf Video schaut. „Der Fußball spielt nach wie vor eine große Rolle. Ich sehe mir gerade noch mal unsere letzten Spiele an und bereite Szenen für die Spieler vor.“ Diese bekommen die „Hoffe zwo“-Akteure dann zugeschickt, damit sie sie analysieren und anschließend mit den Trainern besprechen können.

Auf die allgemein empfohlenen Verhaltensweisen wie die Vermeidung von Körperkontakt – etwa durchs Händeschütteln – oder die Minimierung sozialer Kontakte sind auch die U23-Spieler noch einmal explizit hingewiesen worden. Außerdem sollen die Trainingsprogramme einzeln und nicht in Kleingruppen absolviert werden. „Es ist natürlich eine spezielle Situation – für uns wie für alle“, sagt Wildersinn, der trotz des ausgesetzten Mannschaftstrainings nochmals betont: „Die Arbeit geht weiter – nur eben von zu Hause.“

U19

Auch die U19-Spieler sind zu Hause und müssen sich individuell fit halten. „Sie haben Laufpläne bekommen, wie wir das auch in anderen Zeiten ohne Mannschaftstraining tun. Es geht darum, dass die Jungs fit bleiben oder ihre Fitness in der Zeit sogar verbessern“, sagt U19-Cheftrainer Marcel Rapp. Der 40-jährige Fußballlehrer widmet sich ebenfalls verstärkt dem Videostudium. „Ob es internationale Spiele sind oder unsere eigenen: Wir schauen uns die Videos an und diskutieren sie dann im Trainerteam.“

Die U19-Talente werden ebenfalls mit Videosequenzen versorgt, damit sie sich auch daheim weiter intensiv mit Fußball beschäftigen. „Wichtig ist aber auch, dass sie sich um die Schule kümmern“, betont Rapp, dem das tägliche Miteinander in der Akademie fehlt. „Natürlich würde ich lieber auf dem Platz stehen und mit den Jungs trainieren, aber es geht jetzt einfach darum, dieses Virus zu bekämpfen.“

U17

Laufprogramme, Stabilitätsübungen – was für die U23 und U19 recht ist, kommt auch bei den B-Junioren zur Anwendung. „Wir müssen die Jungs auf einem Fitnesslevel halten, dass sie so schnell wie möglich wieder in den Alltag zurückkehren können“, sagt U17-Trainer Danny Galm, der am Dienstag in dieser surrealen Atmosphäre seinen 34. Geburtstag feierte. Athletiktrainer Martin Seiler hat die entsprechenden Pläne verschickt, an die sich die Spieler zu halten haben. Darüberhinaus wird Galm verschiedene „Challenges“ ausrufen und Belohnungen für die Gewinner ausloben. Derzeit läuft der Tennisball-Jonglier-Wettbewerb, die Spieler filmen sich, schicken die Videos ein – und Galm muss akribisch nachzählen, ob die Angaben stimmen. Derzeit liegen hier Nick Breitenbücher, Bambasé Conté und Keeper Tim Böff aussichtsreich im Rennen, Mindestziel: Es in den „Klub der 100“ schaffen.

Manche Spieler stehen plötzlich vor ungewohnten Herausforderungen. „Ein Spieler musste sich erstmal irgendwie Tennisbälle besorgen“, so Galm. „Andere haben sich bereits einen Ergometer bestellt.“ Der Trainingseifer scheint also größer denn je – und das trotz der natürlich weiterhin bestehenden Doppelbelastung durch die Schule. Einige Spieler sind auch des Trainers Leseempfehlung gefolgt und haben das Buch „The Great Nowitzki: Das außergewöhnliche Leben des großen deutschen Sportlers“ geordert. Langweilig, so viel ist klar, wird es den Akademie-Spielern nicht.

U16

Das gilt auch für die U16. Chefcoach Kai Herdling und Athletiktrainer Johannes Engert versenden Videobotschaften und verteilen täglich neue Aufgaben. „Es geht um E-Learning, Athletiktraining, Läufe und Analysen“, so Herdling. Entgegen dem Gruppennamen „You’ll Never Walk Alone“ müssen die Jungs sie allerdings gezwungenermaßen alleine bewältigen. So mussten sie neulich ihr eigenes Spiel gegen den 1.FC Heidenheim analysieren und Szenen herausfiltern, in denen sie gut und in denen sie schlecht waren. Schließlich musste jeder Spieler auf kreative Weise diese Szenen nachstellen und eine entsprechende Trainingsform entwickeln. „Da waren sehr coole Sachen dabei“, so Herdling. Von Lego- über Schachfiguren, ja sogar Fußballschuhen war alles dabei.

Auch die U16 hat einen Wettbewerb ausgerufen, für verschiedene Disziplinen werden Punkte vergeben, unter anderem auch für den Namen dieser „Challenge“. Die Wahl fiel in Anlehnung an die US-amerikanische Sitcom auf „Last Man Standing“, eingereicht von Paul Siegers, knapp vor TSDS („TSG sucht den Superstar“). In Führung liegt derzeit Fabian Wagner, der die erste Disziplin, das „Wandsitzen“, für sich entschied.

Noch läuft nicht alles reibungslos, bei der abendlichen Skype-Konferenz für die gemeinsame Kraft-Einheit gab es Verbindungsprobleme, so dass auch hier wieder individuell trainiert und auf das Kollektiverlebnis verzichtet werden musste. Verwunderlich ist das nicht, am Dienstag sind sogar Schulserver zusammengebrochen. „So ist es eben in diesen Zeiten, vieles muss sich erst noch einspielen“, so Herdling. „Wir müssen jetzt gemeinsam da durch und werden es gut hinbekommen“, gibt er sich optimistisch. Die nächste Analyse-Aufgabe ist bereits formuliert: Standards defensiv/offensiv, Eckbälle, Freistöße seitlich/zentral, gut/schlecht.

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