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AKADEMIE
29.03.2020

Historische Spiele (3): Das eingelöste Versprechen

Ein Wochenende ohne Spielberichte ist irgendwie komisch. Leider wird sich das bis mindestens Mitte April nicht ändern. Auf achtzehn99.de blicken wir daher in den kommenden Tagen in loser Reihenfolge auf „historische Partien“ zurück, erzählen die dazugehörigen Geschichten nach und rufen sie wieder in Erinnerung. Heute: Das Halbfinale unserer U19 um die Deutsche A-Jugendmeisterschaft 2016 gegen Werder Bremen.

In ihrer Klarheit und Souveränität beeindruckende Auftritte, eine tragische Verletzung und ein eingelöstes Versprechens an den Kapitän: Das Halbfinale um die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft 2016 zwischen den U19-Teams der TSG und des SV Werder Bremen hatte einiges zu bieten. Am Ende stand die dritte Finalteilnahme der Kraichgauer in Folge. Eine starke Bilanz, die zuvor nur der VfB Stuttgart (1988 bis 1991) und Borussia Dortmund (1994 bis 1998) vorzuweisen hatten.

In das Halbfinale um den höchsten nationalen Junioren-Titel war die Hoffenheimer U19 durch den Gewinn der Bundesliga-Süd/Südwest-Staffel eingezogen. Ebenfalls zum dritten Mal in Folge hatten die TSG-Talente im Mai 2016 die Süddeutsche A-Junioren-Meisterschaft eingefahren und sich in einem engen Zweikampf gegen den TSV 1860 München durchgesetzt. Drei Mal hintereinander die „Süddeutsche“ zu gewinnen, war seit Einführung der A-Junioren-Bundesliga keinem anderen Verein gelungen.

Zu Saisonbeginn hatte die U19 das Motto „Final 4 the Captain“ gewählt. Eine Gruß- und Motivationsbotschaft an Kapitän Patrick Kapp, der sich in der Sommervorbereitung das Kreuzband gerissen hatte, aber unbedingt noch seinen großen Wunsch erfüllt bekommen sollte: nach der Finalniederlage gegen Schalke 2015 noch einmal die Chance auf die Deutsche A-Jugend-Meisterschaft zu haben.

Kaltenbach auf der Kommandobrücke

Beeindruckend souverän war die anfangs noch von Julian Nagelsmann betreute Mischung aus Talenten der Jahrgänge 1997 und 1998 durch die Saison marschiert. Vom ersten bis zum 26. Spieltag fand sie sich stets auf dem ersten oder zweiten Tabellenplatz wieder. Die ersten sechs Saisonspiele gewann die U19 allesamt, später folgte noch einmal eine Siegesserie von fünf Partien. Mitten in dieser Serie war Nagelsmann zwar als Nachfolger von Huub Stevens zu den Profis aufgerückt, doch auch unter dem bisherigen Co-Trainer Matthias Kaltenbach, der den Chefposten bis Saisonende übernehmen sollte, lief es weiter rund. Und so durfte Kaltenbach seine Mannschaft im Mai 2016 auf das Halbfinale gegen Werder Bremen einstimmen.

Der Gegner hatte vor allem durch seinen Toptorschützen von sich reden gemacht. Der heutige Werder-Profi Johannes Eggestein war mit 33 Treffern in 26 Spielen in erheblichem Maße mit für die Norddeutsche Meisterschaft der Bremer verantwortlich. Zudem spielte etwas hinter dem Stürmer mit Niklas Schmidt (heute VfL Osnabrück) ein extrem torgefährlicher Mittelfeldspieler, dem 17 Saisontore gelungen waren.

Doch die TSG war selbstbewusst genug, um sich weder von einzelnen Spielern noch von der starken Saisonbilanz der Bremer einschüchtern zu lassen. Mit Meris Skenderović verfügten sie sogar über einen eigenen Torschützenkönig. Schließlich war der aktuell an Carl Zeiss Jena verliehene Stürmer mit 19 Treffern gemeinsam mit 1860-Angreifer Moritz Henrich (heute SpVgg Unterhaching) in der Süd/Südwest-Staffel ganz vorne gelandet. Aufgrund einer Verletzung kam der Toptorjäger allerdings noch nicht für die Startelf in Frage, wurde jedoch von David Otto aus der U17 hervorragend vertreten.

Geiger-Doppelpack im Hinspiel

Mehr als 2.300 Zuschauer waren an einem warmen Mai-Abend zum Hinspiel ins Dietmar-Hopp-Stadion gekommen. Unter ihnen auch reichlich Prominenz – ob Franz Beckenbauer, Weltmeister Pierre Littbarski, Dietmar Hopp oder die Profispieler Kevin Volland und Mark Uth sowie natürlich auch Julian Nagelsmann. Sie sollten ein Spiel mit zahlreichen Höhepunkten und einer starken TSG sehen. Zwar traf Eggestein bereits nach 34 Sekunden die Latte, doch nach anfänglicher Nervosität fand die Kaltenbach-Elf immer besser in die Partie und ging in der 22. Minute durch einen Lupfer von Otto in Führung. Als der heutige TSG-Profi Dennis Geiger kurz vor der Halbzeit mit einer direkt verwandelten Ecke auf 2:0 erhöhte, schienen die Weichen bereits auf Sieg gestellt zu sein.

Endgültig beseitigte der starke Geiger dann jegliche Zweifel an einem Hinspielerfolg, als er nur zwei Minuten nach der Halbzeitpause einen Freistoß an den Kopf eines Bremers trat, von wo aus der Ball ins Tor flog. Das 3:0 saß und entmutigte die Bremer, die vom langjährigen Bundesligaspieler Mirko Votava trainiert wurden. Die aufmerksame TSG-Innenverteidigung um Lukas Hoffmann und Patrick Kapp, der es rechtzeitig für die großen Spiele geschafft hatte, fit zu werden, ließ gegen Eggestein, Schmidt und die anderen Werderaner kaum noch etwas zu.

Die TSG hatte Chancen auf das 4:0, fing sich aber kurz vor Schluss stattdessen doch noch ein Gegentor, das dafür sorgte, dass Kaltenbach nach Schlusspfiff nicht gänzlich in die Jubelstürme auf dem Rasen einstimmen konnte. „Ein 3:0 wäre ein super Ergebnis gewesen. 3:1 ist auch noch ein gutes Ergebnis, aber eben auch ein gefährliches", mahnte er.

Benders bittere Verletzung

Sechs Tage später sollte im Rückspiel der Finaleinzug perfekt gemacht werden. Nach dem Triumph von Hannover im Endspiel 2014 und der bitteren Niederlage gegen Leroy Sanés Schalker ein Jahr später im Wattenscheider Lohrheidestadion winkte 2016 ein Heimfinale – und das sollte in der großen Sinsheimer Arena stattfinden. Dieses Erlebnis wollten sich die Kaltenbach-Jungs nicht nehmen lassen.

Zwei Rückschläge musste die TSG bereits vor dem Anpfiff im Sportpark am Vinnenweg in Bremen-Oberneuland hinnehmen: Zum einen verletzte sich Toptorjäger Skenderović im Training erneut und musste somit daheimbleiben. Zum anderen fiel Mittelfeldmotor Johannes Bender aus, da er sich in der Nachspielzeit des Hinspiels mit der letzten Aktion der Partie das Kreuzband gerissen hatte.

Hoffmanns Gruß in die TV-Kamera

Für Bender rückte Semi Belkahia in die Startelf. Es sollte die einzige Änderung gegenüber der Hinspielelf bleiben. Die Bremer traten sogar komplett mit den identischen Spielern der Anfangsformation aus dem Hinspiel an. Unter den 1.600 Zuschauern in dem Nobelvorort der Hansestadt befanden sich neben einigen Eltern auch rund 100 extra angereiste TSG-Fans und Ex-Coach Nagelsmann.

Die Partie gestaltete sich ausgeglichen, doch die TSG hatte ja den beruhigenden Vorsprung im Rücken. Nach 32 Minuten durfte sich die Kaltenbach-Elf des Finaleinzugs langsam sicher sein, denn Geiger hatte einen Freistoß auf den Kopf von Hoffmann geschlagen, der den Ball in hohem Bogen ins Werder-Tor bugsierte. Der Jubel danach war eine abgemachte Aktion, denn Hoffmann stürmte auf die Sport1-Kamera zu und präsentierte ein T-Shirt mit der Aufschrift „Come back stronger Jo“. Ein aufmunternder Gruß an den daheim vor dem Fernseher sitzenden Pechvogel Bender.

Kobel als sicherer Rückhalt

Die Gastgeber versuchten in der Folge ihr Möglichstes, doch zu souverän traten die Kraichgauer auf. Und wenn die Bremer dann doch mal gefährlich wurden, war TSG-Keeper Gregor Kobel zur Stelle. Kurz vor Schluss setzte die Kaltenbach-Elf dann noch den Schlusspunkt. Geiger steckte durch auf Otto, der keine Mühe hatte, das 2:0 zu erzielen.

Kobel, Geiger und Otto – drei Protagonisten dieser Halbfinalspiele: Der eine mit starken Paraden und nur einem Gegentor in zwei Partien, der andere mit einem Doppelpack im Hinspiel und zwei Vorlagen im Rückspiel und der Youngster mit je einem Treffer in den beiden Partien. Dass sowohl für Kobel als auch für Geiger und Otto der Weg in den Profikader der TSG führen würde, ließ sich an diesen Tagen im Mai 2016 bereits erahnen.

Kapp bekommt sein ersehntes zweites Finale

Der souveräne Auftritt in den beiden Partien gegen Werder nötigte auch ihrem Erfolgscoach Respekt ab: „Die Jungs können stolz auf sich sein“, sagte Kaltenbach, der von den mitgereisten TSG-Fans in Bremen mit einem Sonderapplaus bedacht wurde. Und ganz nebenbei hatten die U19-Talente ein Versprechen eingelöst: Kapitän Patrick Kapp hatte in beiden Halbfinalpartien 90 Minuten auf dem Platz gestanden und bewiesen, dass er nach seiner langen Verletzungspause wieder der Alte war. Mit dem Einzug ins Endspiel hatten seine Kollegen das Saisonmotto „Final 4 the Captain“ bestätigt und ihrem Mannschaftsführer den großen Wunsch vom Finale erfüllt.

Ende Mai sollte es zwar gegen Borussia Dortmund eine deutliche Niederlage im Sinsheimer Endspiel geben, doch die starke Saison, ihre ganz speziellen Geschichten und die beeindruckenden Auftritte gegen und in Bremen bleiben fest in der Akademie-Geschichte verankert.

Das Hinspiel:

TSG 1899 Hoffenheim – SV Werder Bremen 3:1 (2:0)
Hoffenheim: Kobel – Bühler, Hoffmann, Kapp, Politakis – Bender, Beck (81. Belkahia), Geiger (84. Kwarteng), Ochs – Otto (69. Janicki), Wähling
(69. Çevik).
Bremen: Pachulski – Daube (73. Wix), Hehne, Hahn, Horn – Vollert, Doğan, Jacobsen, Schmidt, Hertes – Eggestein.
Tore: 1:0 Otto (22.), 2:0 Geiger (42.), 3:0 Geiger (47.), 3:1 Eggestein (86.). Zuschauer: 2.310. Schiedsrichter: Daniel Schlager (Rastatt). Karten: Gelb für Hoffmann.
Sinsheim, Dietmar-Hopp-Stadion, 11. Mai 2016

Das Rückspiel:

SV Werder Bremen – TSG 1899 Hoffenheim 0:2 (0:1)
Bremen: Pachulski – Daube, Hehne, Hahn, Jacobsen (57. Wasmus) – Doğan, Vollert, Hertes (57. Bünning), Horn – Schmidt (71. Walter), Eggestein.
Hoffenheim: Kobel – Bühler (77. Posch), Hoffmann, Kapp, Politakis (58. Gimber) – Geiger, Belkahia, Beck – Wähling (72. Karlein), Ochs (88. Janicki), Otto.
Tore: 0:1 Hoffmann (32.), 0:2 Otto (87.). Zuschauer: 1.600. Schiedsrichter: Patrick Schult (Hamburg). Karten: Gelb für Schmidt, Hertes, Daube / Beck.
Bremen, Sportpark am Vinnenweg, 16. Mai 2016

Historische Spiele

1 | Triumph im Schatten des Olympiastadions | U19: TSG Hoffenheim - Hertha BSC 2:1 | Finale DFB-Junioren-Pokal 2010

2 | Ein Meistertitel zum Geburtstag | U16: TSG Hoffenheim - VfB Stuttgart 3:2 | Entscheidungsspiel um die B-Jugend-Oberligameisterschaft 2013

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