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SPIELFELD
21.05.2019

Marterer: "Ich verlege mein Training für die TSG"

Maximilian Marterer ist einer der besten deutschen Tennis-Profis. Geboren ist er in Nürnberg – doch der 23-Jährige ist eng mit der Rhein-Neckar-Region verbunden: Als Spieler des Deutschen Meisters Grün-Weiß Mannheim, aber vor allem auch als Fan der TSG Hoffenheim. Im SPIELFELD-Interview spricht der Linkshänder über seine besondere Beziehung zur TSG, die Ziele mit Grün-Weiß und die anstehenden French Open.

Maximilian, Du bist in Nürnberg geboren und Profi-Tennisspieler – wie wird man mit so einem Lebenslauf Fan der TSG Hoffenheim?

"Das ist eine gute Frage, die ich vor allem in meinem Freundeskreis schon oft beantworten musste. Ich mag die TSG seit der Aufstiegssaison, meine Beziehung zu Hoffenheim wurde dann immer intensiver. Ich war in meiner Jugend noch Nürnberg-Sympathisant. Es war stets ein bisschen verzwickt mit mir und dem Fußball, da mein Vater Bayern-Fan ist und viele Freunde von mir natürlich 'Clubberer'. Mich hat aber keiner der beiden Vereine so richtig mitgerissen. Und da die TSG damals schon einen unglaublich attraktiven Fußball gespielt hat, ist es mir nicht schwergefallen, Fan der TSG Hoffenheim zu werden."

Musstest Du Dir in den vergangenen Jahren einige Sprüche und Kommentare anhören?

"Für viele Bekannte ist es halt seltsam, dass ich als Bayer keinen Klub aus der Region habe – es gibt ja hier auch noch viele Vereine aus der zweiten Liga. Da musste ich mir schon einiges anhören, aber da muss man als Fan durch, da muss man auch mal einstecken können. Und in den vergangenen Jahren konnte ich ja durch die TSG-Erfolge auch immer ganz gut kontern. (lacht)"

Du bist als Tennisspieler viel unterwegs, konntest Du die TSG auch schon live im Stadion sehen?

"Durch die Turniere und Spielpläne ist es für mich wirklich nicht so einfach. Aber ich war schon mehrfach bei Auswärtsspielen der TSG bei mir in Bayern. In der vergangenen Saison habe ich es dann endlich auch das erste Mal nach Sinsheim geschafft und war beim Spiel gegen Dortmund. Da habe ich mir natürlich einen Leckerbissen ausgesucht: Es war ein unfassbares Spiel mit einer super Stimmung – auch nach dem Abpfiff. Ein atemberaubender Sieg, dazu die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League, das war ein toller Tag und ich habe mich sehr gefreut, dabei gewesen zu sein."

"Ich bin ein Herzblut-Fan"

Wie verfolgst Du TSG-Spiele, wenn Du nicht in Deutschland bist? Meistens bist Du ja in anderen Zeitzonen unterwegs …

"Das ist nicht immer einfach, aber ich bin da kreativ. Da wird dann schon einmal ein Training um das Spiel herum gelegt und etwas früher angefangen, damit ich die TSG live sehen kann. Ich bin mittlerweile schon ein Herzblut-Fan, verfolge Hoffenheim sehr intensiv und versuche, so viel mitzunehmen wie irgendwie geht."

Fußball ist neben dem Tennissport Deine zweite große Leidenschaft. Hast Du früher auch selbst im Verein gespielt?

"Als kleiner Junge, aber mit elf, zwölf Jahren habe ich aufgehört, weil ich im Tennis zu erfolgreich wurde und nicht beides machen konnte. Aber auch im Profi-Tenniszirkus wird noch viel gekickt, vor allem zum Aufwärmen. Man sollte auch ein bisschen was draufhaben, ansonsten setzt es schnell Sprüche."

Hast Du einen Lieblingsspieler bei der TSG?

"Momentan ist es Nadiem Amiri, der schon in den vergangenen Jahren stets zu meinen Favoriten gehört. Ich schätze seine Art zu spielen, obwohl ich selbst vom Typ her wohl eher Pavel Kadeřábek ähneln würde: Also viel unterwegs, auch oft nach vorn mitlaufen, aber wenige Torschüsse (lacht)."

Du bist nicht nur durch die TSG mit der Region verbunden, sondern spielst auch noch in der Tennis-Bundesliga für Grün-Weiß Mannheim. Zufall oder eine bewusste Wahl, um der TSG noch näher zu sein?

"Es ist zwar schön, dadurch öfter in der Region zu sein, aber diese Entscheidung fiel unabhängig von der TSG. Mannheim hat eine tolle Mannschaft, zudem sind alle Spieler deutschsprachig und das Klima innerhalb des Teams ist sehr gut. Wir haben als Mannschaft großen Spaß, machen viele Aktivitäten zusammen und waren zudem ja mit dem Gewinn des Deutschen Meistertitels im vergangenen Jahr auch sehr erfolgreich. Es passt einfach alles zusammen. Zudem beeindruckt es mich sehr, wie stark die Vereine hier in der Region zusammenhalten: Wir haben ein Video mit Glückwünschen von Klubs aus dem Rhein-Neckar-Gebiet bekommen, das fand ich eine tolle Sache."

"Ich freue mich jedes Mal auf die Region"

Du bist Profi auf der ATP-Tour, was bedeutet Dir da der Gewinn des Deutschen Meistertitels?

"Für uns deutsche Spieler ist dieser Titel sehr viel wert. Ich habe ihn vorher nie gewonnen, deshalb war es wirklich super, ihn gleich im ersten Jahr mit Mannheim zu gewinnen. Leider war ich beim letzten Spiel auf der ATP-Tour unterwegs und konnte nicht mitfeiern. Das war schade, aber vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr erneut und meine Zeitplanung ist besser. Ich werde mich voll reinhängen und freue mich auf die tolle Atmosphäre, aber mein Hauptjob ist nun einmal die ATP-Serie. Dennoch freue ich mich jedes Mal auf Grün-Weiß und die Region."

Am 26. Mai beginnen die French Open. Im vergangenen Jahr hast Du das Achtelfinale erreicht und bist dort auf dem Center Court, dem legendären Court Philippe Chatrier, an Rafael Nadal gescheitert. Was ist dieses Jahr möglich?

"Das war der bislang größte Erfolg meiner bisherigen Karriere. Das Match ist für Spieler wie mich wohl eine der größten Herausforderungen im Tennis überhaupt: In Paris auf Sand auf dem Center Court gegen Nadal, den besten Sandplatzspieler der Geschichte, den elfmaligen French-Open-Sieger anzutreten – schwerer geht es nicht. Da war ich zu Beginn schon nervös, hab es aber eigentlich ganz gut gemeistert, auch wenn ich letztlich beim 3:6, 2:6, 6:7 keinen Satz gewonnen habe, was durchaus möglich gewesen wäre. Man sieht, was die Weltspitze besser macht, daran kann man wachsen. Es war eine wertvolle Erfahrung und ein tolles Erlebnis, von dem ich viel mitnehmen konnte."

Ist der Druck durch die Erfolge aus dem Vorjahr nun höher?

"Ich bin ein ganz guter Sandplatzspieler und habe im vergangenen Jahr durch den Achtelfinal-Einzug viele Weltranglistenpunkte geholt, die es zu verteidigen gilt. Darum ist es das wichtigste Turnier des Jahres für mich. Ich muss mich top vorbereiten und werde versuchen, diesen Erfolg zu wiederholen."

Du stehst auf Rang 110 der Weltrangliste, Deine beste Platzierung war Rang 45. Wie darf man sich das Leben eines Tennisspielers aus diesen Regionen vorstellen, wie wichtig ist jede einzelne Runde?

"Für Spieler, die sich in meiner Weltranglistenposition befinden, sind die Grand-Slam-Turniere natürlich am lukrativsten, das sportliche Abschneiden ist hier besonders wichtig. Das Leben als Tennisspieler ist sehr gut, aber um das Jahr zu planen und Einnahmen zu sichern, sind Erfolge bei den Grand Slams dennoch sehr wichtig. Die ersten 100 oder 150 Spieler sind diejenigen, die auch wirklich Geld mit dem Sport verdienen. Zwar wurde das Preisgeld in den vergangenen Jahren schon angehoben, aber als Spieler muss man davon ja auch seinen Trainer und alles, was dazu gehört, sowie die Reisekosten bezahlen."

"Ich konzentriere mich nur auf das Spiel"

Es geht in den Matches also nicht nur um sportlichen, sondern vor allem bei den Grand Slams auch um wirtschaftlichen Erfolg. Dazu bist Du auf dem Platz auf Dich allein gestellt. Ist da mentale Stärke besonders wichtig?

"Es ist natürlich ein großer Unterschied zum Fußball, wo einen auch mal seine Nebenleute retten. Ich versuche aber, mich in diesen Situationen nicht damit zu befassen, sondern einfach Punkt für Punkt weiterzuspielen. Je länger die Spiele dauern, desto mehr verfliegt auch die Anspannung, Ich befasse mich dann nicht damit, was ich an Weltranglistenpunkten oder Preisgeldern gewinnen oder verlieren kann und konzentriere mich nur auf das Spiel – auch wenn das nicht immer einfach ist."

Auf dem Gebiet des mentalen Trainings ist die TSG Vorreiter. Wie stehst Du dazu?

"Das ist gerade für uns Einzelsportler ein wichtiger Aspekt. Ich habe zwar aktuell keinen Mentaltrainer, aber ich spreche viel mit meinem Trainerteam über Ereignisse und Verhaltensweisen in Schlüsselmomenten. Man kann in diesem Bereich sehr viel rausholen. Was die TSG ihren Sportlern dort bietet, ist beeindruckend. Das würde ich mir gern mal anschauen."

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