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AKADEMIE
10.04.2019

Mees, Prömel, Rapp: TSG-Trio in der Hauptstadt

17 Mal standen Joshua Mees, Grischa Prömel und Nicolai Rapp gemeinsam für die U19 der TSG Hoffenheim auf dem Rasen, darunter in den beiden Halbfinal-Begegnungen gegen Schalke 04 sowie im Finale gegen Hannover 96 im Juni 2014, als sie unter Trainer Julian Nagelsmann Deutscher A-Jugend-Meister wurden. Seit dieser Saison sind die TSG-Akademie-Absolventen wieder vereint: beim Zweitligisten 1.FC Union Berlin. Im Interview mit achtzehn99.de spricht das Trio über das Leben in der Hauptstadt, die Erinnerung an Hoffenheim – und was in dieser Saison noch möglich ist.

Der Erste, der seine Zelte in der Hauptstadt aufschlug, war Grischa Prömel, der seit dem 1. Juli 2017 bei Union unter Vertrag steht (bis 2020). „Joshi“ Mees folgte genau zwölf Monate später (Vertrag bis 2021), Nicolai Rapp im Januar diesen Jahres (bis 2022). Alle drei wohnen im ehemaligen Ost-Teil der Stadt: Rapp direkt in Köpenick, der Heimat Unions, fußläufig zum Trainingsgelände an der Alten Försterei, Mees in Friedrichshain, das mehr Richtung Stadtmitte liegt, und Prömel genau dazwischen in Schöneweide. Mees, der in der Spielzeit 2014/15 mit 20 Treffern Torschützenkönig in der A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest geworden war, absolviert nebenbei ein Fernstudium „Fitness and Health Management“.

Inwieweit spielt es als gestandener Profi noch eine Rolle, mit alten Weggefährten zusammen zu kicken?

Mees: Es ist immer ein gutes Gefühl mit den gleichen Jungs auf dem Platz zu stehen, mit denen man schöne Erfolge gefeiert hat.

Prömel: Ich habe mich sehr gefreut, als Joshi und Nic zu Union gekommen sind und habe mir auch sehr viel Mühe gegeben, ihnen den Wechsel schmackhaft zu machen. Natürlich habe ich ihnen alles gezeigt, damit sie sich schnell einleben. Wir hatten eine überragende Zeit in Hoffenheim, und das verbindet natürlich.

Rapp: Man freut sich natürlich, wenn sich die Wege mit alten Weggefährten wieder kreuzen. Das hat es mir gerade am Anfang leicht gemacht. Wir sprechen gerne über die alten Zeiten, die guten Erinnerungen und gemeinsamen Erfolge.

Unternehmt ihr viel gemeinsam?

Mees: Ja, wir gehen öfters mal zusammen essen.

Prömel: Berlin bietet unfassbare Möglichkeiten. Wir gehen gerne oft zusammen in die Stadt oder gemeinsam Essen, du kannst hier jeden Tag etwas Neues ausprobieren: asiatisch, arabisch, türkisch … das feiere ich extrem. Jetzt, wenn das Wetter besser wird, gehen wir auch in die Parks oder ans Wasser. Oder wir verabreden zum Fußballschauen, wie kürzlich bei Liverpool gegen Bayern…

Rapp: Klar, Essen, Kino … die üblichen Dinge.

Der 1.FC Union hat ja als ehemaliger Ost-Klub eine bewegte Geschichte. Seid ihr mit ihr ein bisschen vertraut?

Mees: Ja klar, man beschäftigt sich natürlich mit seinem neuen Verein. Die Fans pflegen hier eine besondere Kultur, sie feuern uns unabhängig vom Spielstand permanent an. Ich glaube, dass die Fans auch beim Stadionbau kräftig mitgeholfen haben.

Prömel: Als sich der Wechsel konkretisiert hat, habe ich mich natürlich damit befasst. Aber bei den vielen langjährigen Mitarbeitern spürt man sofort, dass der Klub eine besondere Vergangenheit hat. Die Fans transportieren eine ganz eigene Fußballkultur – mir gefällt’s.

Rapp: Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich alle Details kenne, aber ein bisschen was weiß ich.

Beschreibt bitte mal kurz euren Weg vom Sommer 2014, also unmittelbar nach der Deutschen A-Jugend-Meisterschaft mit der TSG, bis heute!

Mees: Ich hatte eine tolle Saison 2014/15, in der ich Torschützenkönig wurde und wir erneut im Finale um die Deutsche Meisterschaft standen. Später beim SC Freiburg hat mich eine lange Verletzung etwas zurückgeworfen, ehe ich meine ersten „richtigen“ Schritte im Herren-Fußball bei der U23 der TSG gemacht habe. Meine ersten Profieinsätze hatte ich bei Jahn Regensburg und nun bin ich denke ich in der 2. Bundesliga angekommen!

Prömel: Ich habe zunächst bei den Profis trainiert und stand einmal im Kader, ausgerechnet in Hannover. Leider hat es damals nicht zu einem Einsatz gereicht. Dann kam die Nominierung für die U20-WM in Neuseeland, wo wir zwar im Achtelfinale gegen Mali ausgeschieden sind, aber für mich war das ein Riesenerlebnis. Ich wollte unbedingt bei der TSG den Durchbruch schaffen, was mir leider nicht gelungen ist, und so bin ich beim KSC gelandet, wo ich unter Markus Kauczinski viel Spielzeit bekommen habe. Die Berufung in die Olympia-Nationalmannschaft kam für mich überraschend, da ich der einzige Zweitligaspieler war. Das war definitiv ein Höhepunkt, mit „den großen Jungs“ in Rio de Janeiro zu spielen und auch noch die Silbermedaille zu holen! Als ich zurückkam, ist es leider nicht mehr so gut gelaufen. Es hat an vielen Stellen nicht mehr gepasst und wir sind abgestiegen. Jens Keller holte mich zu Union – neue Stadt, neue Herausforderung weit weg von zu Hause. Dummerweise bin ich mit einer Verletzung gekommen, weil ich mich in Karlsruhe hatte fitspritzen lassen und unter Schmerzen gespielt habe. Das war ein Fehler und dadurch habe ich die ersten Spiele verpasst. Bei meinem Debüt in Nürnberg habe ich drei Minuten nach meiner Einwechslung die Rote Karte gesehen! Mittlerweile spiele ich regelmäßig und bin sehr zufrieden.

Rapp: Nach einem weiteren Jahr bei den A-Junioren war ich ein halbes Jahr im Training bei den Profis, bevor ich an die SpVgg Greuther Fürth in die 2. Bundesliga verliehen wurde. Ich hatte hier eine gute Zeit und meine ersten Profieinsätze, danach war ich eineinhalb Jahre Stammspieler beim FC Erzgebirge Aue, wo ich viel dazugelernt habe, und jetzt bin ich froh, bei Union zu sein.

Welche Erinnerungen habt ihr an die TSG Akademie?

Mees: Wir hatten perfekte Bedingungen und haben eine gute schulische Ausbildung genossen. Außerdem waren wir eine geile Mannschaft, die aus vielen verschiedenen Charakteren bestand und trotzdem erfolgreich war.

Prömel: Das U19-Jahr war das schönste in meinem Fußballerleben, was natürlich auch am Erfolg liegt, den wir hatten. Wir hatten eine unglaublich gute Mannschaft, viel Spaß beim Training und im Spielerwohnheim mit lustigen Jungs, wo wir auch mal Faxen machen konnten. Ich kam ja von den Stuttgarter Kickers, also von einem relativ kleinen Verein. In der Saison davor hatten wir gegen die TSG 0:5 verloren und ich habe zu meinem Vater gesagt: „Die sind so gut, da werde ich wohl nie spielen.“ Und dann rief Julian Nagelsmann an… Ich erinnere mich sehr gut an seine Ansprache vor der Saison, dass nur wenige von uns Profis werden können und wir mehr machen müssen als andere. Wir waren alle hungrig und mit Herzblut dabei, weil er es auch vorgelebt hat. Er hat uns ständig heiß gemacht und heute macht es einfach nur Spaß, immer wieder Jungs aus diesem Team zu begegnen: Neulich Barış Atik im Spiel gegen Dresden, Steffen Nkansah in Braunschweig zu sehen oder Nico Rieble in Rostock. Unvergessen für mich sind unser Kantersieg beim FC Bayern und das Halbfinal-Hinspiel beim FC Schalke, wo wir schon nach 40 Minuten Krämpfe hatten, weil wir so nervös und überfordert waren, vor so vielen Menschen zu spielen!

Rapp: 2013/14 war einfach eine super Saison. Wir hatten eine super Mannschaft, das Klima im Team und mit dem Trainer hat zu 100 Prozent gepasst. Das war das schönste Jahr meiner Jugendzeit mit besonderen Schlüsselmomenten wie den Sieg in Karlsruhe in Unterzahl, den Kantersieg beim FC Bayern München oder die beiden Halbfinals gegen Schalke.

Zu welchen (Ex-)Hoffenheimern habt ihr noch Kontakt?

Mees: Benedikt Gimber, Simon Lorenz und Tom Koblenz.

Prömel: Persönlich zu Benni Trümner und Jesse Weippert, die mich oft in Berlin besuchen, aber auch zu Nicolás Sessa. Generell habe ich noch zu sehr vielen Ex-Kollegen Kontakt und schreibe viel mit Russell Canouse, der ja wieder in den USA ist, und verfolge die Wege von Speedy (Erdal Öztürk, Anm. d. Red.), Bahadır Özkan, der hier beim BFC Dynamo spielt, oder Marvin Schwäbe, der jetzt in Dänemark bei Brøndby unter Vertrag steht.

Rapp: Natürlich zu Grischa und Joshi (lacht). Und zu Erdal Öztürk. Ansonsten bin ich auch mit vielen anderen im Austausch, da man sich ja ständig über den Weg läuft.

Mit den „Eisernen“ steht ihr derzeit auf Platz drei in der 2. Bundesliga und nehmt Kurs auf die Relegationsspiele. Was habt ihr euch vorgenommen?

Mees: Das Ziel ist, so lange wie möglich oben an den zwei „Großen“ dran zu bleiben – und natürlich wenn’s möglich ist aufzusteigen!

Prömel: Wir wollen keine Sprüche raushauen, die nur Unruhe reinbringen. Unser Ziel war es, besser abzuschneiden als in der Vorsaison. Aber jeder hat seine Ansprüche und wir arbeiten gemeinsam hart daran, etwas Großes möglich zu machen.

Rapp: Wir versuchen, so gut wie möglich abzuschneiden, schauen von Spiel zu Spiel und dann sehen wir, wo wir am Ende stehen.

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