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AKADEMIE
27.04.2019

Heimreise: U19 nimmt viele Erfahrungen aus Nyon mit

Am Samstagabend um genau 21 Uhr rollte der TSG-Reisebus am Leistungszentrum in Hoffenheim ein und brachte die Jungs unversehrt wieder in den Kraichgau zurück. Der Ausflug nach Nyon endete für die Youth-League-Halbfinalisten früher als erhofft. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis die Enttäuschung über die Niederlage gegen den FC Porto dem Stolz, ein grandioses internationales Debüt abgeliefert zu haben, gewichen ist.

„Klar sind wir enttäuscht, aber wir haben gegen einen Gegner mit sehr hoher Qualität gespielt“, erkannte U19-Trainer Marcel Rapp unmittelbar nach dem Schlusspfiff die Leistung des FC Porto an. „Unterm Strich war es auch ein großes Erlebnis, hier überhaupt dabei gewesen zu sein. Wir sind einen guten Weg gegangen.“ Kapitän Benjamin Wallquist verarbeitete die Niederlage als Teil des Entwicklungsprozesses: „Die Fehler, die wir heute gemacht haben, werden wir in Zukunft sicher nicht mehr machen.“

Das zweite Halbfinale zwischen dem Chelsea FC und dem FC Barcelona, das die Londoner in der Neuauflage des 2018er Finals mit 7:6 (2:2) nach Elfmeterschießen gewann, schauten die Hoffenheimer im Hotel, ehe sich am Abend alle Mannschaften im UEFA-Hauptquartier zum gemeinsamen BBQ trafen. Der Glaskasten am Genfer See bietet neben dem Blick aufs Wasser auch einen atemberaubenden Alpenblick und ist in seinem Empfangsbereich auch eine Art europäisches Fußballmuseum. Hier prangen Trikots legendärer National- und Klub-Mannschaften sowie Fußball-Ikonen der vergangenen Jahrzehnte, laufen Videos aller Europapokalfinaltore und stehen die Trophäen aller großen Wettbewerbe zur Schau.

TSG-Trio beteiligt sich an Blindenfußball-Projekt

Da am Samstag noch einige offizielle Termine auf dem Programm standen, wurde der Rückflug in die Heimat ab Genf erst auf 17:55 Uhr terminiert. Am frühen Morgen unterstützten die TSG-Spieler Alexander Nitzl, Daniel Klein und Joshua Keßler ein Solidaritätsprojekt der UEFA. In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) organisiert die Union Europäischer Fußballverbände regelmäßig Blindenfußball-Events. Das TSG-Trio machte dabei mit Hilfe von Augenklappen und unter Anleitung von Experten die Erfahrung, wie es ist, ohne Sehkraft Fußball zu spielen. Der Spezialball sendet zwar leise Geräusche zur Orientierung – ihn zu stoppen, zu dribbeln und geschweige denn zu passen ist dann aber nochmal eine ganz andere Angelegenheit.

Zeitgleich vertraten drei Mitglieder des Funktionsteams die TSG-Farben beim traditionellen „Staff match“ – und lieferten eine Gala-Vorstellung ab. In einer Spielgemeinschaft mit den Abgesandten des FC Barcelona bezwangen sie die SG Chelsea/Porto mit 4:3, bildeten dabei einen kaum zu knackenden Abwehrriegel und waren an drei Toren beteiligt. Und das, obwohl sie als einzige Spieler auf dem nassen Kunstrasen mit Turnschuhen operierten. Fürs Protokoll: Der 4:3-Siegtreffer entsprang einer Hoffenheimer Co-Produktion. Delegationsleiter René Ottinger flankte auf Teammanager Frederic Fass, der am langen Pfosten einköpfte.

Vorträge im UEFA-Sitzungssaal

In jenem Sitzungssaal, in dem unter anderem die Auslosungen der großen Wettbewerbe vorgenommen werden, fanden sich um 11 Uhr alle Spieler und Funktionäre zur „Educational session“ ein. Michael Heselschwerdt, der Chef der UEFA-Klubwettbewerbe, leitete die zweistündige Veranstaltung mit einer kurzen Vorstellung des Verbands und einem Youth-League-Quiz ein, ehe er an den ehemaligen Schiedsrichter Roberto Rosetti übergab. Der Italiener, der unter anderem das EM-Finale 2008 zwischen Deutschland und Spanien (0:1) leitete, referierte auf emotionale Art und Weise über den Videobeweis. Dabei zeigte er strittige Szenen aus Champions-League-Partien der jüngeren Vergangenheit und anhand von Ton-Aufnahmen, wie es während der Entscheidungsfindung hinter den Kulissen, also im VAR-Room, zugeht und wie die Kommunikation zwischen den Unparteiischen und den „Video-Schiedsrichtern“ verläuft. „Es geht hier um die Gerechtigkeit im Fußball“, hielt Rosetti ein flammendes Plädoyer pro Videobeweis und bezog die Spieler im Auditorium in seinem temperamentvollen Vortrag immer wieder mit ein.

Ebenfalls sehr interessant, wenn auch für junge Menschen weniger greifbar, ist das Thema „sichere Finanzplanung“, durch das der Spanier Juan de Dios Sánchez-Roselly führte. In seinem „Financial Training“ wies er die Spieler auf die finanziellen Fallen hin, die nach dem ersten Profi-Vertrag lauern. Falsche Freunde, schlechte Berater oder ein unüberlegter Umgang mit dem früh verdienten Geld. Diese Aspekte werden auch bei der TSG regelmäßig bearbeitet.

Finanztipps von Gaizka Mendieta und David James

Um nicht als öder Schreibtischmensch mit erhobenem Zeigefinger dazustehen, hatte sich der Finanzexperte zwei Ex-Profis von Weltformat eingeladen, die seine Aussagen bestätigten und die Fragen der Spieler beantworteten: Gaizka Mendieta, ehemaliger Nationalspieler in Diensten des Valencia CF, sowie Keeper David James, der viele Jahre in Diensten des Liverpool FC stand und noch bei der WM 2010 als 39-Jähriger das Tor der englischen Nationalmannschaft hütete.

„40 Prozent aller Profis haben fünf Jahre nach Beendigung ihrer Karrieren keinen Cent mehr in der Tasche“, lieferte Sánchez-Roselly einen erschreckenden Wert, der die jungen Kerle zum Nachdenken anregen soll. Anschließend speisten die Teams ein letztes Mal zusammen, ehe die Hoffenheimer gegen 16 Uhr die Heimreise antraten.

Wenn am Montagabend der FC Porto und der Chelsea FC das Youth-League-Endspiel bestreiten, werden viele Hoffenheimer vor den Fernsehern sitzen und die Partie live verfolgen. Dann wird ihnen bewusst werden, was sie Großartiges geleistet haben. Sie waren nur 90 Minuten vom Spiel um die europäische Krone entfernt.

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