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23.10.2018

Lutz on Tour: Ein Team aus Siegertypen

Exklusiv für LIVE und achtzehn99.de analysiert Lutz Pfannenstiel, früherer "Welttorhüter" und heute Leiter Internationale Beziehungen und Mitglied der Scouting-Abteilung bei der TSG, die Hoffenheimer Gegner in der Gruppe F der UEFA Champions League. Heute: Olympique Lyon.

Lutz Pfannenstiel kennt die große weite Welt des Fußballs wie kaum ein anderer, denn er hat bei 25 Vereinen in 13 verschiedenen Ländern in allen sechs Fußball-Konföderationen das Tor gehütet. Regelmäßig stellt er sein Know-how auch für verschiedene TV-Sender in Europa zur Verfügung. Selbstverständlich weiß er auch, wofür Olympique Lyon steht und was den heutigen Gegner der TSG Hoffenheim ausmacht. Zu einer Lyoner Fußball-Ikone hat Pfannenstiel eine besondere Beziehung: "Grégory Coupet und ich kennen uns seit fast drei Jahrzehnten. Wir trafen damals mit der deutschen und französischen Jugend-Nationalmannschaft aufeinander", sagt Pfannenstiel. Der ehemalige französische Nationaltorwart, der bei allen sieben Meistertiteln von Olympique dabei war, ist heute bei seinem Stammverein Torwarttrainer. "Coupet war ein absoluter Top-Torwart, ein wilder Kerl und ein bisschen verrückt. Die Fans lieben ihn. Er ist ein Gesicht des Lyoner Erfolges, er hat Olympique mitgestaltet", erklärt der TSG-Experte. Aber nicht nur wegen seiner Verbindung mit Coupet – beide sind 45 Jahre alt – gehört Lyon zu den vielen Klubs, mit denen sich Lutz Pfannenstiel regelmäßig beschäftigt.

"Das Team ist in der Lage, attraktiven Offensiv-Fußball zu spielen. Mit Nabil Fekir ist Lyon auf der kreativen Mittelfeld-Position hervorragend besetzt. Er ist der Local Hero der Lyon-Fans und wird manchmal schon, auch wegen seiner algerischen Herkunft, mit Zinedine Zidane verglichen. Aber dazu fehlt ihm doch noch ein bisschen", meint Pfannenstiel. Der ehemalige Torwart, der sich auch mit dem Transfermarkt sehr gut auskennt, betont, wie umworben Fekir, der im Hinspiel ausfällt, von großen europäischen Klubs ist: "Lyon flattern ständig Angebote für ihn ins Haus. Er hat noch einen Vertrag bis 2022. Als Kind des Vereins will man ihn halten. Aber wenn er eines Tages geht, wird Lyon eine sehr hohe Ablösesumme kassieren." Den Klub haben viele Scouts immer im Visier, weil Olympique bekannt dafür ist, exzellente Talente hervorzubringen und junge Profis sehr gut weiter zu entwickeln. So konnte Lyon in diesem Sommer 90 Millionen Euro an Ablösesummen kassieren, 2017 waren es sogar 120 Millionen.

Viele Talente bei Lyon

Einen potenziellen Nachfolger für Fekir hat der Klub schon. Der 20-jährige Houssem Aouar spielt ebenfalls im offensiven Mittelfeld. "Er steht für die Art und Weise, wie Lyon arbeitet. Er hat jetzt schon einen Marktwert von über 30 Millionen Euro, aber sein Vertrag wurde im Juli bis 2023 verlängert. Das ist die Strategie des Vereins", betont Pfannenstiel. Memphis Depay (24), ein beim PSV Eindhoven ausgebildeter Niederländer, und Bertrand Traore (23), Nationalspieler von Burkina Faso, stehen dafür, dass Lyon selbst junge, ambitionierte Spieler aus der Premier League holt, um sie weiter zu formen. Depay kam von Manchester United, Traore vom FC Chelsea. Depay, der ghanaische Wurzeln hat, wird häufig als Mittelstürmer eingesetzt, "obwohl ich ihn eher als Außenspieler oder hängende Spitze sehe", so Pfannenstiel. "Er ist ein spielender Stürmer, lässt sich tief fallen und ist deswegen für die gegnerische Abwehr nur schwer zu greifen." Traore ist ein echter Außenstürmer, der meist auf der rechten Seite eingesetzt wird.

"Lyon ist eine Mannschaft, die aus Siegertypen besteht, die daran gewohnt ist, zu gewinnen. Die Dreifachbelastung mit internationalen Top-Gegnern unter der Woche ist für sie normaler Alltag. Die Mannschaft ist richtig abgezockt. Das ist sicherlich ein Erfolgsfaktor, den sie unserer TSG voraus hat", erklärt Pfannenstiel. Bei der taktischen Ausrichtung wählt Trainer Genesio ein 4-3-3- oder ein 4-1-4-1-, was auch in ein 4-2-3-1-System modifiziert wird. Zu welchen Klasseleistungen das Team fähig ist, zeigte es am ersten Spieltag der Gruppe F mit dem Sieg bei Manchester City. "Natürlich hatte Lyon das Glück, dass City nicht so gut drauf war, aber die Mannschaft hatte selbst einen perfekten Tag erwischt, Fekir zum Beispiel war Weltklasse. Und nach der Führung haben sie als Einheit sehr gut verteidigt."

Aber beim 2:2 zu Hause gegen Schachtor Donezk hat Lyon nach Pfannenstiels Einschätzung seine Schwachpunkte erkennen lassen. Das wiederholte sich am ersten Oktober-Wochenende beim 0:5 bei Paris Saint-Germain. Die Defensive von Olympique weise nicht die gleiche Qualität auf wie die Offensive, "wenn die TSG wieder eine so herausragende Leistung zeigt wie gegen Manchester, ist ein Heimsieg möglich. Und der ist auch nötig, wenn die TSG die Chance auf ein Weiterkommen behalten will", sagt Pfannenstiel.

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