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AKADEMIE
21.06.2018

WM-Serie (8/13): Ben und die Super Eagles

Die 21. Fußball-Weltmeisterschaft zieht uns bis zum 15. Juli in ihren Bann. 32 Nationen kämpfen in Russland um den Titel. Wir fiebern mit, aber nicht nur mit der deutschen Elf. Auf achtzehn99.de präsentieren Spieler, Trainer und Mitarbeiter der TSG Akademie ihr Land. Nigeria steht nach dem 0:2 gegen Kroatien bereits mit dem Rücken zur Wand. Vor dem morgigen zweiten Gruppenspiel gegen Island hofft unser U15-Co-Trainer Benjamin James, dass das Team, für das er einst selbst spielte, die ersten Punkte einfährt.

Das sagt unser Mann

1994, bei der ersten WM-Teilnahme Nigerias in den USA, flogen die „Super-Adler“ direkt ins Achtelfinale, scheiterten dann aber in einem dramatischen Spiel mit 1:2 nach Verlängerung an Italien. Auf der Bank saß damals ein 23-Jähriger mit Krücken: Benjamin James hatte sich vor dem Turnier verletzt, doch Clemens Westerhof, der niederländische Trainer Nigerias, nahm den Abwehrspieler trotzdem mit. Auch wenn er nicht zum offiziellen Kader gehörte, war James doch hautnah dabei, als die Super Eagles ihr WM-Debüt gaben.

13 Jahre ist James nun schon Teil der TSG Hoffenheim. Nach einer Profi-Karriere, die ihn über Novara und Jena nach Mannheim verschlug, kam das frühere Unterwäsche-Model 2005 in den Kraichgau und wurde ein Jahr später Co-Trainer Wolfgang Hellers. Damals in der U14, seit 2013 in der U15. Ein bis zwei Mal pro Jahr fliegt James nach Lagos, denn mit Ausnahme seiner Frau und seiner Kinder lebt die gesamte Familie noch in Westafrika. Im Gepäck hat er dann meistens jede Menge ausrangierter TSG-Klamotten, mit denen er die Straßenkinder in Nigerias Hauptstadt sehr glücklich macht. Auch er hat hier einst angefangen, um später bei (heute nicht mehr existierenden) Profi-Klubs in Nigeria und später in Europa sein Glück zu finden.

„In Nigeria leben viele glückliche und freundliche Menschen“, sagt James, „deswegen bin ich gerne dort.“ Mit vielen Wegbegleitern aus der Nationalmannschaft von einst steht er immer noch im engen Kontakt, darunter auch so bekannte Namen wie Finidi George, Jay-Jay Okocha, Sunday Oliseh, Jonathan Akpoborie oder Taribo West. „Die sind jetzt gerade alle in Russland, als TV-Experten oder einfach so.“

Die Spiele der Super Eagles schaut James mit Freunden und Familie im kleinen Kreis. „Ich mag es nicht, wenn zu viele Leute mitgucken und zu jeder Aktion ihren Senf abgeben.“ Was den Spitznamen der nigerianischen Nationalelf angeht, klärt James auf: „Früher waren sie die Red Devils, weil sie immer in Rot spielten. Zu einem Länderspiel gegen Ägypten mussten sie dann mal in Grün antreten und wurden zu den Green Eagles, was sich dann eben in Super Eagles geändert hat.“ Im aktuellen Team hebt der 48-Jährige den Mittelfeldspieler Victor Moses vom Chelsea FC hervor: „Er ist der Chef im Maschinenraum. Wenn es bei ihm läuft, dann läuft es bei der ganzen Mannschaft.“

Bei allem Patriotismus gab James schon vor der Auftaktniederlage gegen Kroatien zu Protokoll: „Ich fürchte, dass es diesmal nicht für die K.o.-Phase reicht.“ Und auch für das Duell mit Island tippt James lediglich 1:1, weil die Inselkicker „sehr tief stehen und nur auf Konter lauern“. Sein Favorit auf den WM-Sieg ist Frankreich, denn das Team von Trainer Didier Deschamps „ist in allen Mannschaftsteilen, einfach auf jeder einzelnen Position sehr stark besetzt“.

Als stärksten afrikanischen Vertreter stuft James übrigens den Senegal ein, und das bereits vor dem 2:1 gegen Polen. Rivalität unter Afrikanern? „Absolut nicht. Ich würde mich freuen, wenn Senegal Weltmeister werden würde“, versichert James. In einer Kategorie sind die Nigerianer übrigens weit vorne: Das aktuelle Trikot, das James auf unserem Bild trägt und in seinem Design eine Hommage an die 1994er-Mannschaft ist, ist der Kassenschlager schlechthin. Im Online-Store seines Herstellers war das Jersey nach zwei Minuten ausverkauft.

Der Weg nach Russland

In der Qualifikation stieg Nigeria wie die anderen Top-Nationen des Schwarzen Kontinents erst in der zweiten Runde ein und hatte – zumindest dem Ergebnis nach – mit Swasiland mehr Mühe als erwartet. Einem torlosen Remis im Hin- folgte aber ein 2:0-Sieg im Rückspiel. In der anschließenden Gruppenphase, in der sich nur die Sieger der fünf Vierer-Gruppen durchsetzten, machten die vom Mannheimer Gernot Rohr trainierten Super Eagles mit Sambia, Kamerun und Algerien, das Deutschland im WM-Achtelfinale 2014 noch das Leben schwer gemacht hatte, kurzen Prozess. Schon vor dem letzten Match in Algerien – das 1:1 endete, aber nachträglich wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Akteurs 0:3 gegen Nigeria gewertet wurde – waren die Russland-Tickets gesichert. Auf dem Rasen blieben die Super Eagles in allen Begegnungen unbesiegt.

BEKANNTE NAMEN

Rasheed Yekini, der Held von 1994 (siehe „WM-Historie“), stand zu jener Zeit beim portugiesischen Klub Vitória Setúbal unter Vertrag. Mittlerweile heißen die Arbeitgeber nigerianischer Nationalspieler durchaus auch Arsenal, Chelsea, Leicester City oder Deportivo La Coruña. Mit dem Mainzer Leon Balogun ist auch ein bundesligaerfahrener Spieler im Kader Gernot Rohrs, der nach Gabun, Niger und Burkina Faso bereits das vierte afrikanische Auswahlteam trainiert. Zwei seiner „Super-Adler“ verfügten bereits vor diesem Turnier über Russland-Erfahrung: Abwehrspieler Brian Idowu (Amkar Perm) und Stürmer Ahmed Musa (CSKA Moskau) verdienen ihr Geld in der russischen Premjer Liga.

Die Stars der aktuellen Elf sind natürlich die England-Legionäre Moses (Chelsea) sowie Alex Iwobi (Arsenal), Kelechi Iheanacho und Wilfred Ndidi (beide Leicester). Kapitän John Obi Mikel, der sich bei dem chinesischen Klub Tianjin Teda bereits im Karriere-Sinkflug befindet, ist der bekannteste Spieler der Super Eagles. In elf Jahren beim Chelsea FC sammelte der mittlerweile 31-Jährige unzählige Titel, darunter auch den in der Champions League 2012, von dem die Bayern-Fans noch immer ein Lied singen können. Mikels erster Klub in Europa war der FK Lyn aus Oslo. Er wechselte 2005 zeitgleich mit seinem Landsmann und späteren Hoffenheimer Chinedu Obasi nach Norwegen.

WM-Historie

Das Bild ging 1994 um die Welt: Nachdem Rasheed Yekini im Cotton Bowl von Dallas bei Nigerias WM-Debüt das 1:0 gegen Bulgarien markiert hatte (Endstand 3:0), stand er im Tor und biss bei seinem Jubel vor Freude ins Netz. Der 2012 verstorbene Stürmer war so etwas wie der Superstar des damaligen Afrikameisters und sich der historischen Bedeutung seines Treffers mehr als bewusst.

Die Nigerianer waren schon lange bei einer WM erwartet worden. Ihre Teilnahme schien überfällig, da die Juniorenteams bereits viele Medaillen gewonnen hatten: So wurde unter anderem die U20 Vizeweltmeister 1989, die U17 sogar Weltmeister 1993. In den USA war es also endlich so weit, und die Super Eagles rechtfertigten ihren Ruf als Geheimtipp, indem sie als Gruppensieger vor Argentinien das Achtelfinale erreichten. Gegen Italien brachte Emmanuel Amuneke, der mit den eingangs erwähnten Okocha, Finidi und Oliseh ein geniales Mittelfeld bildete, Nigeria in Führung, doch Roberto Baggio glich zwei Minuten vor dem Ende trotz Unterzahl aus und erzielte in der Verlängerung das Siegtor für die Azzurri.

Auch wenn es noch zwei weitere Male fürs Achtelfinale reichte, so nah kamen die Nigerianer einem Viertelfinale nie wieder. 1998 gingen die Super Eagles, die in einem packenden Auftaktspiel Spanien 3:2 bezwungen hatten, mit 1:4 gegen Dänemark unter, bei der WM 2014 scheiterten sie nach einem generell blutleeren Auftritt an Frankreich (0:2).

Fakten

Verband
NFF | Nigeria Football Federation [Nigerianischer Fußballverband]

Gründung
1945

Spitzname der Nationalmannschaft
Super Eagles („Die Super-Adler“)

WM-Teilnahmen
5 | 1994, 1998, 2002, 2010, 2014

Größter WM-Erfolg
Achtelfinale 1994, 1998, 2014

WM-Duelle gegen Deutschland
-

Trainer
Gernot Rohr (seit August 2016)

FIFA-Weltrangliste
48.

Große Klubs
Enyimba International, Shooting Stars, Rangers International

Aktueller Meister / Pokalsieger
Plateau United FC / Ifeanyi Ubah

Einwohner (Weltrangliste)
190,1 Millionen (7.)

Fläche
923.768 km2 (Verhältnis zu Deutschland 2,5:1)

Termine
Sa., 16.06., 21 Uhr: Kroatien – Nigeria 2:0
Fr., 22.06., 17 Uhr: Nigeria – Island [Volgograd]
Di., 26.06., 20 Uhr: Nigeria – Argentinien [St. Petersburg]

Alle Zeiten MESZ.

Weitere Teile der WM-Serie

1 Russland [Nick Breitenbücher]
2 Marokko [Yanis Outman]
3 Island [Lukas Petersson]
4 Serbien [Marjan Petković]
5 Schweden [Filston Mawana]
6 Japan [Patrick Hey]
7 Portugal [Gilson Pereira]

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