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25.06.2018

Dietmar Hopp: "Eine völlig saubere und faire Sache"

Im Interview mit achtzehn99.de nimmt TSG-Mehrheitsgesellschafter Dietmar Hopp ausführlich Stellung zum Vertragsende von Cheftrainer Julian Nagelsmann nach Abschluss der Saison 2018/19.

Herr Hopp, wie sehr hat es Sie überrascht, dass Julian Nagelsmann am Ende der Saison von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch macht?

Dietmar Hopp: "Mir persönlich hat Julian vor wenigen Monaten zugesagt, dass er uns informiert, sobald er sich zu einem Wechsel vom 1. Juli 2019 an fest entschlossen hat. Die Überlegung dabei war, der TSG Zeit zu geben, um einen Nachfolger aufzubauen. Julian hat wie erwartet Wort gehalten. Natürlich hatte ich die Hoffnung, ihn noch längerfristig an die TSG binden zu können. Ich hatte dafür auch gute Argumente. Er hatte seine Entscheidung aber getroffen und das respektiere ich natürlich. Niemand kann nun von Überraschung oder Schock sprechen. Dass wir traurig sind, ist klar. Es überwiegt aber Dank und Anerkennung für das Geleistete. Wir wissen, was wir ihm zu verdanken haben und er weiß, was er an der TSG hatte und immer haben wird."

In den Medien wurde der Klub dafür gelobt, diese Entwicklung so früh bekannt gegeben zu haben, es wurden aber auch Stimmen laut, dass die Saison dadurch belastet werden könnte. Was hat die TSG zu diesem eher ungewöhnlichen Schritt bewogen?

Dietmar Hopp: "Für uns war es selbstverständlich, diese Entscheidung umgehend öffentlich zu machen, nachdem Julian uns seine Entscheidung mitgeteilt hatte. Darüber haben wir dann auch alle in den Vorgang beteiligten Parteien informiert. Wir reden viel von Werten, die wir auch in unserer Akademie vermitteln. Man muss diese auch dann leben, wenn abzusehen ist, dass es unbequem werden könnte. Wir wollen glaubwürdig und vertrauenswürdig sein und wir möchten, dass man auch mit uns so umgeht. Von daher war die schnelle Bekanntgabe ohne Alternative, zumal sie uns die Zeit gibt, uns auf die Situation einzustellen."

Es wird auch darüber spekuliert, dass der Trainer sich nicht mehr voll mit der TSG identifizieren könnte.

Dietmar Hopp: "Ich habe keinerlei Bedenken, dass Julian in seiner Arbeit nachlassen, oder die Spieler weniger motiviert arbeiten könnten. Warum sollten sie das tun? Natürlich kann der bevorstehende Wechsel immer wieder hochkommen, wenn es einmal nicht wie gewünscht läuft. Das ist ja dann aber nicht unser Thema, sondern das von anderen. Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder schwierige Phasen, und die wird es auch in der neuen Saison geben. Ich sehe da keinerlei Zusammenhang, hier braucht niemand ein Alibi. Wir reden von Profifußball auf höchstem Niveau. Wer glaubt, Julian könnte auch nur eine Sekunde seine Ziele aus den Augen verlieren, der kennt ihn schlecht. Wir kennen ihn seit vielen Jahren. Wir haben ihm im Oktober 2015 vertraut und ihn schon frühzeitig als Trainer vorgestellt. Damals herrschten überall großes Unverständnis und Zweifel. Wir haben ihm im Februar 2016 vertraut als Huub Stevens aufhören musste, mitten in einem schwierigen Abstiegskampf. Und wir vertrauen ihm heute."

Dass ihm die Mannschaft nicht mehr folgt, schließen Sie aus?

Dietmar Hopp: "Unsere Spieler sind hier, um Spiele zu gewinnen. Ich bin oft genug in der Kabine, um eine Atmosphäre bewerten zu können, einen Geist zu spüren. Sie sind ambitioniert und voller Ehrgeiz. Schon aus reinem eigenen Interesse. Wir geben ihnen hier bei der TSG die Möglichkeit, auf hohem Niveau national zu spielen und sich auch international einen Namen zu machen. Für viele geht ein Traum in Erfüllung, indem sie in der Champions League antreten können. Diese Chance haben nicht viele Profifußballer in ihrer Karriere. Sollten sie das alles ignorieren, weil ihr aktueller Trainer in einem Jahr den Verein wechselt? Diese Logik erschließt sich mir nicht im Geringsten."

Wie bewerten Sie die Entscheidung von Julian Nagelsmann?  

Dietmar Hopp: "Ich möchte noch einmal betonen: Julian hat sich absolut korrekt und integer verhalten. Er hatte die vereinbarte Möglichkeit aus seinem Vertrag auszusteigen, die hat er genutzt. Er hat uns darüber frühzeitig informiert, damit wir agieren können. Eine völlig saubere und faire Sache. Beide Parteien wussten von dieser Option und von diesem wahrscheinlichen Szenario. Ich habe darüber immer wieder offen gesprochen."

Julian Nagelsmann wechselt zu einem Klub, der in mehrfacher Hinsicht ein spezieller Konkurrent für die TSG Hoffenheim ist. Spielt das für Sie eine Rolle?

Dietmar Hopp: "Es steht Julian völlig frei zu entscheiden, zu welchem Klub er wechselt. Ich hege da weder Groll, noch kenne ich Missgunst. RB Leipzig ist ein hoch ambitionierter Verein mit enormen finanziellen Möglichkeiten. Sie bekommen im nächsten Jahr einen herausragenden jungen Trainer, dem ich viel Erfolg wünsche. Aber noch ist er bei uns und er wird für seine Aufgabe brennen! Ich freue mich auf eine spannende Saison mit ihm in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League."

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