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AKADEMIE
27.05.2018

U15: Liebesgrüße aus Verona

Die U15 hat eine großartige Saison gespielt. Mit 21 Siegen in 22 Spielen und 64:11 Toren gewann das Team von Cheftrainer Wolfgang Heller souverän die Meisterschaft in der Regionalliga Süd. Nun haben sich die C-Junioren mit einem einwöchigen Trip an den Gardasee belohnt – eine Mischung aus Saisonabschluss und Trainingslager, denn schließlich steht ja noch das Pokalfinale gegen den Karlsruher SC an. Der außergewöhnliche Abstecher nach Norditalien beinhaltete neben zwei Testspielsiegen auch weitere sportliche und kulturelle Höhepunkte.

Am ersten Tag stand die Pfeife des Bademeisters nicht still. „Capo“, Chef, wie der graumelierte Bedienstete des Hotelresorts in Moniga del Garda von den Hoffenheimern liebevoll genannt wurde, monierte den einen oder anderen Sprung vom Beckenrand. Doch schon am zweiten Tag verlängerte er freiwillig die Öffnungszeit des Pools um eine Viertelstunde – und bald schon war es um „Capo“ geschehen. Er hatte die Hoffenheimer Jungs schnell in sein Herz geschlossen, feierte den Rest der Woche gemeinsam mit ihnen und hatte Tränen in den Augen, als ihm zum Abschied ein von allen Spielern unterzeichneter TSG-Wimpel überreicht wurde.

Alle 21 Spieler, viele Väter, Mütter und Geschwister sowie das Trainer- und Funktionsteam – neben Heller waren das die beiden Co-Trainer Benjamin James und Savaş Erinç, Torwarttrainer Marjan Petković, die Physiotherapeutin Verena Weiss sowie der Sportliche Leiter U12 bis U16 Andreas Lässig – hatten die Reise nach Norditalien angetreten. Das Programm in dieser Trainingslager/Saisonabschluss-Woche hatte es in sich und bestand keineswegs nur aus Pool-Besuchen, die lediglich der gelegentlichen Abkühlung dienten.

Nach einer Trainingseinheit auf einem kleinen Soccercourt mit herrlichem Blick auf den Gardasee stand bereits 24 Stunden nach der Ankunft der erste Höhepunkt an: Fahrt nach Mailand mit einem Besuch in der „Scala des Fußballs“, wie das San-Siro-Stadion in Anlehnung an Mailands weltberühmte Oper genannt wird. Auch wenn der italienische Fußball derzeit wegen der verpassten WM-Qualifikation viel Häme einstecken muss, so haben der Mailänder Fußball-Tempel und der siebenfache Champions-League-Sieger AC Milan nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Für die „Rossoneri“ ging es in der Partie gegen die Fiorentina noch um den Einzug in die Europa League, und dank eines blendend aufgelegten Hakan Çalhanoğlu – der gebürtige Mannheimer ist der Cousin des Hoffenheimers Turan Çalhanoğlu (sowie dessen in der U17 spielenden Bruders Kerim) – gewann die Elf von Trainer Gennaro Gattuso klar mit 5:1.

Auf den Spuren von Briegel und Bierhoff

Im ersten von zwei Testspielen wartete der Nachwuchs von Hellas Verona auf die U15 der TSG. Die Begegnung fand im Schatten des Stadio Bentegodi statt, in dem sich die Hoffenheimer auch umziehen durften. Viel hat sich hier seit 1990 nicht verändert, als die Arena ein Austragungsort jener WM war, die am Ende Deutschland gewann. Hellas war jahrelang die unumstrittene Nummer eins der Stadt und wurde 1985 mit dem deutschen Nationalspieler Hans-Peter Briegel, der „Walz‘ aus der Pfalz“, sogar italienischer Meister. Zum ersten, allerdings auch zum letzten Mal. Seit 1990 sind die Gelb-Blauen eine Fahrstuhlmannschaft, gerade sind sie erst wieder aus der Serie A abgestiegen.

Nach 20 Minuten auf Augenhöhe gingen die Hausherren zwar in Führung, die jedoch Mamin Sanyang noch vor der Pause ausglich. Nach dem Wechsel erhöhte die Heller-Elf die Schlagzahl und kam nach einem Eigentor sowie durch Turan Çalhanoğlu zu einem verdienten 3:1 (1:1)-Erfolg.

Die zweite internationale Prüfung fand am Ufer der Etsch im Leistungszentrum des Lokalrivalen AC Chievo statt. Chievo ist ein 4.500-Einwohner-Vorort Veronas, der sich durch die finanzielle Unterstützung eines Süßwaren-Herstellers den Weg von ganz unten nach ganz oben gebahnt hat. Seit dem erstmaligen Aufstieg in die 3. Liga 1986 spielt der Dorfklub ebenfalls im Stadio Bentegodi und hat Hellas nach und nach den Rang abgelaufen. Wie die TSG in Deutschland hat auch Chievo – als einziger italienischer Verein – sämtliche Spielklassen durchlaufen und nach dem Aufstieg in die Serie A sogar auch schon die Champions League erreicht, musste aber 2006/07 in der dritten Qualifikationsrunde die Segel streichen.

„Wir haben unheimlich von Oliver Bierhoff profitiert“, sagt Fabio Moro, damals Spieler und heute Funktionär im Nachwuchsbereich über den heutigen Teammanager der deutschen Nationalmannschaft, der 2002/03 seine Karriere in Chievo ausklingen ließ. „Er hat mit seiner internationalen Erfahrung und deutschen Mentalität Strukturen in den Klub gebracht, die es bis dahin nicht gab“, so Moro, der aus seiner Bewunderung für die Nachwuchsarbeit des DFB keinen Hehl macht. „Leider haben wir den Anschluss etwas verpasst, während in Deutschland gerade im Jugendbereich alles richtig gemacht worden ist.“

Gegen die Chievo-U15 gerieten die Hoffenheimer erneut früh in Rückstand, brannten dann aber ein Feuerwerk ab. Zwei Mal Valentin Lässig sowie Luca Baltzer, Melkamu Frauendorf, Luka Ðurić und Paul Ollinger schossen einen 6:1-Vorsprung heraus, ein Eigentor der Italiener sorgte schließlich für den 7:2 (4:1)-Endstand zu Gunsten der TSG. „Beide Spiele waren ein Spiegelbild der Saison“, bilanzierte Heller den sportlichen Teil der Italienreise. „Wir sind oftmals schwer ins Spiel gekommen oder in Rückstand geraten, haben aber immer wieder eine gute Reaktion gezeigt.“

Canyoning-Tour und Kulturprogramm

Für den sportlichen Ausgleich zu den anstrengenden Testspielen sorgten gelegentliche Läufe am Morgen, improvisierte Wassergymnastik-Einheiten am Pool sowie eine abenteuerliche Canyoning-Tour in Gargnano, an der auch einige couragierte Eltern teilnahmen. Nach 20-minütiger Wanderung bei brütender Hitze in Neoprenanzügen über steile Hänge am Nordwestufer des Gardasees „schluchtelten“ die unerschrockenen Hoffenheimer unter Anleitung professioneller Guides mehrere Höhenmeter einen Flusslauf hinunter, das heißt sie kletterten, rutschten oder sprangen durch kristallklares Wasser in Richtung Ziel.

Bei aller sportlicher Betätigung kamen auch die kulturellen Komponenten nicht zu kurz. An den Familientagen wurden das nahegelegene Brescia (hier ließ einst Pep Guardiola seine aktive – europäische – Laufbahn ausklingen!) und die Kanalstadt Venedig besucht. Andere verschlug es nach Rovereto, wo das Einzelzeitfahren des 101. Giro d’Italia endete und der Brite Simon Yates sein Rosa Trikot verteidigte.

Und selbstverständlich sind in Verona ein Besuch der Arena und der „Casa di Giulietta“ Pflicht. Das Amphitheater „Arena di Verona“ wurde um 30 nach Christus errichtet und befindet sich heute im Stadtkern. Es wird immer noch für Freiluftkonzerte genutzt und bietet 22.000 Zuschauern Platz.

Die „Casa di Giulietta“, das Haus Julias, befindet sich wenige Fußminuten entfernt und ist die Touristenattraktion der Stadt. Nach William Shakespeares Tragödie „Romeo and Juliet“ (Romeo und Julia bzw. Romeo e Giulietta) soll hier die Familie Capulet gelebt haben, die mit der Familie Montagues verfeindet war, weshalb die Beziehung zwischen dem berühmtesten Liebespaar der Weltliteratur keine Zukunft hatte – und mit dem Freitod der beiden endete. Im Innenhof des Hauses steht eine Julia-Statue, darüber befindet sich jener sagenumwobene Balkon, unter dem der unglückliche Romeo Montagues seiner Angebeteten seine Aufwartung machte. Das Berühren der Brüste dieser Statue soll Glück bringen, was natürlich nicht stimmt, was aber die Hoffenheimer Talente – wie Millionen von Touristen vor ihnen – dennoch testeten.

Volle Konzentration auf das Pokalfinale

„Das war ein in jeglicher Hinsicht gelungenes Trainingslager und damit die gerechte Belohnung für einen wirklich herausragenden Jahrgang“, fasste Heller die Woche am Gardasee zusammen. „Noch ist die Saison aber nicht zu Ende, schließlich wollen wir neben der Meisterschaft auch den BFV-Pokal gewinnen.“

Der Sportliche Leiter Andreas Lässig fand ebenfalls lobende Worte für den 2003er Jahrgang, der für 2018/19 komplett übernommen wird. „Die Jungs haben in dieser Spielzeit Außergewöhnliches geleistet und sich diesen Italien-Trip verdient“, sagte Lässig anlässlich des gemeinsamen Abendessens in der Altstadt von Moniga. „Ich hoffe, dass alle Beteiligten diese Erfahrung genossen haben und denke, dass die Besuche in Mailand oder Verona und die Testspiele ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten waren. Ab der kommenden Runde geht es dann in der U16 bzw. U17 wieder bei null los.“

Die Hotel-Managerin Hannelore Hilpold bat den TSG-Tross vor der Abreise noch zum gemeinsamen Gruppenbild, um es anschließend auf der Facebook-Seite zu posten. „Großes Kompliment an die Jungs, die sich hier sehr vorbildlich verhalten haben.“ Die Hoffenheimer haben rund um den Gardasee viele Sympathien gewonnen. Nicht nur bei „Capo“, dem Bademeister.

Diese 21 Spieler (in alphabetischer Reihenfolge) gewannen die Meisterschaft in der Regionalliga Süd und stehen am 7. Juni in Philippsburg gegen den Karlsruher SC im Finale des BFV-Pokals: Florian Bähr, Luca Baltzer, Tim Böff, Nick Breitenbücher, Jonathan Burkhardt, Turan Çalhanoğlu, Luca Campanile, Jan-Luca Dietz, Luka Ðurić, Melkamu Frauendorf, Benjamin Hausmann, Noah König, Adonis Krasniqi, Valentin Lässig, Elias Mehr, Noah Mehr, Paul Ollinger, Mamin Sanyang, Jonas Schaumann, Armindo Sieb, Aron Unrath.

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