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CAMPUS
23.01.2018

Corey Lee Anton schuftet für sein Comeback

2011 wurde der Begriff „Swag“ zum Jugendwort des Jahres gewählt. Er steht für eine „beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung“ – wie sie beispielsweise der U19-Spieler Corey Lee Anton verkörpert, weil er neben seinen fußballerischen Fähigkeiten auch durch seine Gesangskunst besticht. Und durch die positive Aura, die er trotz einer schweren Knieverletzung ausstrahlt.

Als der Jungprofi Dennis Geiger für einen Fernsehdreh in der Mensa der TSG Akademie aufkreuzt und Anton sieht, begrüßen die beiden sich, als seien sie langjährige Freunde. Dabei haben sie nie zusammen gespielt. Als Anton im Sommer 2017 zur TSG kam, hatte Geiger die Akademie bereits seit einem Jahr in Richtung Profis verlassen. Aber Anton ist eben ein Charaktertyp, der durch seine Art in kurzer Zeit anbandelt und viele Leute kennenlernt. Extrovertiert, um es auf den Punkt zu bringen.

Besonders deutlich wurde das im Sommer-Trainingslager der U19. „Ich wusste, dass die neuen Spieler ein Ritual über sich ergehen lassen müssen“, sagt der 18-Jährige. „Als wir dann einmal länger auf das Abendessen warten mussten, forderte der Trainer uns auf, ein Lied zu singen“, erinnert sich Anton, der den anderen drei Neuzugängen den Vortritt ließ. Als er an der Reihe war, bat er einen DJ, der nebenan andere Hotelgäste mit lauter Musik unterhielt, mal kurz die Lautstärke herunterzufahren. So als habe er eine Vorahnung gehabt, dass seine Darbietung von John Legends Powerballade „All Of Me“ die Anwesenden um Fassung ringen lassen würde. „Ich weiß noch, wie einer nach dem anderen sein Handy gezückt hat, um das aufzunehmen“, sagt Anton und versichert: „Ich habe das vorher nicht geübt, das war eine spontane Geschichte.“ Das Video ging anschließend in den sozialen Netzwerken durch die Decke. Es wurde auf der Seite der Akademie fast 10.000 Mal mit „Gefällt mir“ markiert und auf mehreren großen Sportportalen geteilt.

Länderspiele für die USA und Deutschland

Corey Lee Anton wurde am 12. November 1999 in Bad Kreuznach als Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners geboren. Der Vater ist mittlerweile in seine Heimat im Bundesstaat North Carolina zurückgekehrt, hält aber regelmäßigen Kontakt zu seinen Kindern. Corey Lee hat noch zwei Brüder und eine Schwester, er ist der Jüngste. In seinem Wohnort Wöllstein begann er schon als Vierjähriger mit dem Kicken, nebenbei spielte er noch Basketball und war im Turnverein aktiv. Da seine Mutter Simone schon damals an der Uni Mainz arbeitete, nahm sie den jungen Corey auch noch zum Leichtathletiktraining beim OSC mit. Paradedisziplin: Sprint.

Seine Eltern und sein Bruder Ryan waren allesamt Basketballer, doch Corey Lee konzentrierte sich bald auf den Fußball. Über die Zwischenstationen RWO Alzey und Wormatia Worms kam er als U14-Spieler zum 1.FC Kaiserslautern, absolvierte zwei U17-Länderspiele für die USA und schlug im Frühjahr 2017 mehrere Angebote deutscher Nachwuchsleistungszentren aus, um sich der TSG Hoffenheim anzuschließen. Mittlerweile hatte er auch schon für die U18 des DFB debütiert und einen Treffer zum 3:0 gegen Österreich beigesteuert, den er mit einem Rückwärtssalto garnierte. „Das habe ich mit sieben oder acht im Turnverein gelernt“, grinst der Modellathlet, der sich durchaus bewusst ist, nicht die schlechtesten körperlichen Voraussetzungen zu haben.

„Ich bin zum Fußballspielen hier“

Der Hype, den seine Gesangseinlage im Sommer ausgelöst hatte („Bei meiner Mutter haben Produzenten angerufen, die Lieder mit mir aufnehmen wollten“), hat sich gelegt. „Ich werde oft gefragt, ob ich was singen kann, aber das mache ich nicht. Ich bin zum Fußballspielen hier.“ Der Saisonstart verlief gut, Anton spielte sich auf der Position des Rechtsverteidigers in die Stammelf. Doch Ende August riss er sich im Training das Kreuzband im linken Knie. Eine Verletzung, für die es keinen guten Zeitpunkt gibt, aber der hier war besonders schlecht. Doch wo andere das Schicksal beklagen und vor Wut mit dem Kopf an die Wand rennen, bleibt Anton gelassen. „Ich denke, dass alles, was passiert, einen Grund hat.“ Seit der OP bei einem Spezialisten in Augsburg arbeitet Anton sechs Tage die Woche hart in der Reha für sein Comeback. Seiner guten Laune hat der Rückschlag keinen Abbruch getan. Seiner Überzeugung, Profi zu werden, auch nicht. „Wenn ich die nicht hätte, würde ich nicht jeden Tag so viel investieren.“

Derzeit wohnt Anton mit seinem Teamkollegen Christoph Baumgartner, der gerade einen Profivertrag unterschrieben hat, in einer WG in Sinsheim, wo er die zwölfte Klasse des Wilhelmi-Gymnasiums besucht. Mitte Februar wird er sich einem Belastungstest unterziehen und bei positivem Befund mit Profi-Reha-Trainer Otmar Rösch auf die Zielgerade einbiegen. „Ich will diese Saison auf jeden Fall noch mal spielen“, sagt er selbstbewusst. „Das ist alles nur Kopfsache, daher konnte ich früh mit Übungen beginnen, die hohe Anforderungen haben.“

Noch ist der Deutsch-Amerikaner zum Zuschauen verdammt. „Ich freue mich, wenn die Mannschaft Erfolgt hat, das spornt mich an“, sagt Corey Lee Anton. Ein positiver Typ, der eine beneidenswert-coole Ausstrahlung hat.

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