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PROFIS
10.11.2017

Michael Rechner: "Das beste Torwart-Team der Liga"

Michael Rechner ist seit 2015 für das Torwarttraining bei den TSG-Profis zuständig. Dabei verfolgt der 37-Jährige, der als Aktiver unter anderem bei Waldhof Mannheim und beim Hamburger SV spielte, einen wissenschaftlichen, analytischen und innovativen Ansatz. Davon profitiert das Hoffenheimer Torwart-Trio - Oliver Baumann, Alexander Stolz und Gregor Kobel - in der täglichen Arbeit.

Rechner befasste sich schon früh mit Konzepten für den Job des Torwarttrainers, legte während des Studiums der Sportwissenschaften den Grundstein für die spätere Laufbahn. Das Studium an der Universität Heidelberg schloss er mit einer Magisterarbeit zum Thema "Das Anforderungsprofil und die moderne Trainingsmethodik des Fußball­torwarts" ab. Wer heute ein Torwart-Training der TSG beobachtet, merkt schnell wie intensiv sich Rechner und sein Team mit dem Torwartspiel beschäftigen. Da werden nicht nur einfach Bälle aufs Tor geschossen, da wird mit ganz viel Methode und Equipment gearbeitet. Rechner nutzt unterschiedliche Bälle, Schläger, Paddel, Seile, Hürden, seltsam anmutende "Sonnenbrillen" und vieles mehr. Wichtig bei aller Innovation: Sie darf nie im Mittelpunkt stehen, nicht zum Selbstzweck werden. 

"Alles, was wir im Training tun, dient nur einem Ziel – die Torhüter zu verbessern", sagt Rechner und ergänzt: "Jedes 'Gerät' hat andere Vorteile: Die Brille verbessert die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, unterschiedliche Bälle verbessern die koordinativen Fähigkeiten und auch die Reaktionsfähigkeit, das Zugseil verbessert die Explosivität; um einige Beispiele zu nennen. Es kommt also immer darauf an, welchen Schwerpunkt ich im Training setzen möchte. Die Spielnähe darf dabei nie verloren gehen – das ist mir besonders wichtig."

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Starke Entwicklung

Verantwortlich für die ständige Weiterentwicklung seiner Keeper sei indes keines dieser "Geräte", sondern letztlich der Keeper selbst, sagt der 37-Jährige. "Oliver Baumann kann derart starke und konstante Leistungen zeigen, weil er offen, lernwillig und hochprofessionell ist". Der Trainer ist nicht nur mit seiner Nummer 1, der er eine "fantastische Form" bescheinigt, zufrieden. "Gregor Kobel und Alex Stolz entwickeln sich sehr gut", sagt der Hoffenheimer Torwarttrainer. "Greg wollten wir mit dem DFB-Pokal-Spiel in Bremen zuletzt belohnen und ihm Spielzeit geben. Er ist noch jung, aber schon sehr weit – ich bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird. Auch er ist sehr offen und ehrgeizig. Über Alex kann ich das gleiche sagen – er ist für Oli und Greg sehr wertvoll. Alex hat einen großen Anteil an der positiven Entwicklung der Jungs – durch seine positive Art, seine Professionalität und seine Qualität."

Meist macht sich das Quartett deutlich vor den Feldspielern auf den Weg zum Trainingsplatz. Rechner, Baumann, Kobel, Stolz. Das ist eine Einheit, eine verschworene Gemeinschaft. "Das Miteinander der Drei ist fantastisch und ein extrem wichtiger Faktor für die Entwicklung des Einzelnen. Ich bin stolz darauf, Teil dieses Teams sein zu dürfen", sagt Rechner, der gleichzeitig auch das Torwart-Training der TSG Akademie koordiniert. Auch dort können Erfolge verzeichnet werden. In der laufenden Hinrunde wurden vom DFB für alle Jugendnationalmannschaften von der U15 bis zur U19 Hoffenheimer Torhüter nominiert. Dazu kommt Gregor Kobel bei der Schweizer U21. "Das zeigt auch die tolle Arbeit meiner Kollegen in der Akademie", sagt Rechner stolz. Die Jugendarbeit ist ihm ein Anliegen. Für alle Torhüter, die Rechner trainiert - egal welchen Alters -, gilt: "Wir wollen spielintelligente Torhüter, die das Spiel lesen können und daraufhin die richtige Entscheidung treffen."

Stellungsspiel statt Glanzparade

Hier sieht Rechner auch die Zukunft: "Das Torwartspiel wird sich dahin entwickeln, dass die Themen Antizipation und Spielintelligenz noch wichtiger werden." Torhüter werden sich auch zukünftig durch Glanzparaden auszeichnen, durch Szenen, die Einzug in jedes Highlight-Video finden, aber Rechner ist sich sicher, dass "ein gutes Stellungsspiel immer entscheidender wird". Es geht darum, Situationen früh zu erkennen und durch kluges Stellungsspiel zu bereinigen, ehe eine Glanztat nötig wird. Seine Nummer 1 sieht er dabei als Vorreiter: "Oli ist in diesem Bereich für mich der stärkste Torwart der Bundesliga." Beispielhaft spricht er über Baumanns Verteidigung gegen Milos Jojic beim Bundesliga-Spiel in Köln (3:0) in der zweiten Halbzeit: "Oli verteidigt diese Situation nicht nur durch sein gutes Eins-gegen-Eins-Verhalten, sondern vor allem durch sein herausragendes Stellungsspiel. Viele Torhüter stehen in so einer Situation viel näher am Pfosten oder näher an der Linie und haben dann am Ende keine Chance mehr."

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Und so wird Rechner neue Methoden und Formen entwickeln, um die TSG-Keeper auf diesem Feld noch besser zu machen. Einen Masterplan hat er dafür noch nicht im Kopf, aber er wird sicherlich bald neue "Innovationen" aus der Torwart-Trainer-Trickkiste zaubern. Rechner schaut sich dafür "Gegentore und Spielszenen an. Daraus entwickle ich dann Trainingsformen und entscheide, ob es sinnvoll ist, ein Hilfsmittel hinzuzuziehen". Die Inspiration findet er nicht nur im Fußball, sondern auch in anderen Sportarten. "Manchmal passt etwas gut, manchmal verwerfe ich die Idee wieder." Wichtig ist Rechner, dass sein Training und die erzielten Erfolge keine One-Man-Show sind: "Ich habe das beste Torwart-Team der Bundesliga - sowohl qualitativ als auch menschlich - und ich bin froh, dass die Jungs den ganzen Mist mitmachen, mit dem ich sie immer wieder konfrontiere."

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