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U23
03.11.2017

Marcus Mann: FCS-Macher mit TSG-Vergangenheit

Knapp zwei Jahre spielte Marcus Mann für die U23 der TSG Hoffenheim. Als er im April 2016 im Alter von 32 Jahren das Angebot erhielt, Sportlicher Leiter seines Ex-Klubs 1.FC Saarbrücken zu werden, beendete er seine aktive Laufbahn über Nacht. „Ich bin der TSG sehr dankbar, dass sie mir damals keine Steine in den Weg gelegt hat“, sagt Mann heute. Am Samstag kehrt er – bereits zum zweiten Mal – als Gegner ins Dietmar-Hopp-Stadion zurück. Und als Tabellenführer der Regionalliga Südwest.

Anfang April 2016 nahm die U23 der TSG den 1.FC Saarbrücken nach einem 0:1-Pausenrückstand mit 4:1 auseinander. Für die Saarländer war somit der Aufstiegszug in Richtung 3. Liga endgültig abgefahren, der mitgereiste Anhang forderte lautstark die Entlassung von Sportdirektor Milan Šašić, der die Schmährufe äußerlich gelassen hinnahm. Marcus Mann kam in jener Partie gegen seinen Ex-Verein, für den er von 2009 bis 2011 spielte, von der Bank. Keine vier Wochen später wurde Šašić entlassen und Mann als Nachfolger vorgestellt. Im Interview mit achtzehn99.de spricht der 33-Jährige über den aktuellen Höhenflug, die zahlreichen Baustellen in Saarbrücken und seine Hoffenheimer Zeit.

Herr Mann, ganz gleich wie die Partie am Samstag endet: Der 1.FC Saarbrücken ist bereits Herbstmeister der Regionalliga Südwest. Planen Sie schon für die Aufstiegsspiele?

Marcus Mann: Natürlich nicht. Wir haben zwar vor der Saison offiziell das Ziel ausgegeben, uns für die Aufstiegsspiele qualifizieren zu wollen und sind tatsächlich auf einem guten Weg. Aber die Herbstmeisterschaft ist nichts wert und wir sind gut beraten, weiterhin von Spiel zu Spiel zu denken.

Selbst wenn Sie im Mai die Playoffs erreichen: In den vergangenen drei Jahren sind die beiden Vertreter der Südwest-Staffel allesamt gescheitert…

Mann: Über die Ungerechtigkeit der Aufstiegsspiele ist in den vergangenen Wochen viel gesprochen worden. Natürlich ist es bitter, wenn man nach einer langen Saison Meister wird und dann in zwei Spielen alles verliert. Aber bis zur Meisterschaft sind für uns noch einige Siege notwendig. Wir dürfen nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen.

Angenommen Sie schaffen es, dann wissen Sie aber bis zum letzten Spiel immer noch nicht, in welcher Liga Sie in der kommenden Saison antreten. Das erschwert doch die Kaderplanung ungemein?

Mann: Unser Gerüst steht, die Mannschaft wird größtenteils ligaunabhängig zusammenbleiben. Natürlich wird das Transferfenster im Falle eines Aufstiegs kleiner, aber das bereitet mir keine Bauchschmerzen.

Sprechen wir über die aktuelle Situation. Seit Sie das Amt im April 2016 von Milan Šašić übernommen haben, mussten Sie im wahrsten Sinne des Wortes mehrere Baustellen bearbeiten…

Mann: Sie spielen auf den Umbau des Ludwigspark-Stadions an, der sich seit zwei Jahren hinzieht und dessen Ende nicht in Sicht ist! Aber wir arbeiten auch an anderen, kleineren Baustellen…

Erzählen Sie.

Mann: Wenn wir uns mit größeren Vereinen vergleichen, hinken wir in der Infrastruktur teilweise etwas hinterher. Wir haben mehrere Ideen und klare Vorstellungen, wie wir uns in diesem Bereich verbessern können, aber bevor wir größere Summen in das Trainingsgelände investieren, hätten wir dafür zunächst gerne die Übertragung des Erbbaurechts für das städtische Gelände.

Aber?

Mann: Das geht nicht von heute auf morgen. Der Verein spielt nun seit mehreren Jahren in der Regionalliga, da ist es normal, dass nicht jährlich Unsummen in die Infrastruktur investiert werden können. Die Kommunikation zwischen Verein und Stadt war nicht immer die beste. Aber auch hier sind wir zwischenzeitlich in konstruktiven und positiven Gesprächen mit den Verantwortlichen der Stadt. Parallel versuchen wir die sportlichen Strukturen ebenfalls zu professionalisieren.

Nämlich?

Mann: Wir wollen unseren Nachwuchsbereich als Leistungszentrum zertifizieren lassen und wieder eine U23 anmelden, die in der Vergangenheit abgeschafft wurde. Über den Sinn einer U23 wird viel diskutiert. Aus unserer Sicht ist es für den 1. FC Saarbrücken, auch im Hinblick auf das Nachwuchsleistungszentrum, absolut sinnvoll. Uns verlassen jährlich einige Talente zu Bundesligavereinen. Für diejenigen, die wir halten können, ist eine U23 nochmal ein möglicher Zwischenschritt zur ersten Mannschaft. Für diejenigen, die uns trotzdem verlassen, könnten wir mit der Anerkennung zum NLZ zumindest finanziell für den Aufwand in der Jugendabteilung entschädigt werden.

Hört sich an, als hätten Sie einen Scherbenhaufen übernommen?

Mann: Nein, so schlimm war es nicht. Als das Angebot kam, hatte ich wenig Zeit zum Nachdenken. Ich wusste, dass der Tag kommt, an dem ich meine aktive Zeit beenden muss und fühlte mich für diesen Job durch meine Erfahrung als Spieler und mein Studium (Anm. d. Red.: Bachelor „Sportwissenschaft“ in Karlsruhe und Fernstudium „Sportfachwirt“) gut vorbereitet. Auch wenn nicht alles optimal war, so habe ich doch einen gut aufgestellten Klub und gute Voraussetzungen vorgefunden. Der Alltag holt einen dann schnell ein, so dass gar nicht viel Zeit bleibt, um über Fehler der Vergangenheit zu lamentieren. Ich habe meine Entscheidung nie bereut und bin auch nicht gekommen, um nach zwei Jahren wieder das Weite zu suchen. Saarbrücken ist kein einfaches Pflaster, aber die Voraussetzungen sind gegeben, um etwas zu erreichen. Und davon bin ich überzeugt, das zu schaffen.

Wir haben schon über den Stadionumbau gesprochen. Warum dauert das so lange?

Mann: Vom alten Stadion ist nur noch eine Tribüne übrig geblieben, die Kosten für die drei neuen sind aber von ursprünglich 20 Millionen auf 28 Millionen Euro gestiegen. Im Mai folgte ein Baustopp, weil niemand die Mehrkosten tragen wollte. Mittlerweile ist die Finanzierungslücke geschlossen und wir hoffen auf einen schnellstmöglichen Weiterbau.

Seit zwei Jahren spielt der FCS nun in Völklingen. Ein Nachteil?

Mann: Die Völklinger haben uns ihr Stadion angeboten und sind sehr gute Gastgeber. Fakt ist aber, dass uns teilweise mehr Zuschauer zu Auswärtsspielen begleiten als bei „Heimspielen“ anwesend sind. Wir wollen unbedingt in den Ludwigspark zurück und haben bereits Gespräche geführt, auf der Baustelle mit einer Tribüne spielen zu dürfen. Für die Regionalliga wäre das möglich.

Und für die 3. Liga?

Mann: Dazu bräuchten wir mindestens eine weitere Tribüne, um die geforderte Kapazität von 10.000 Plätzen zu erreichen und um Fangruppen trennen zu können.

In Ihrer ersten Saison als sportlich Verantwortlicher wurde der FCS Dritter, jetzt sieht es noch besser aus. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Mann: Das erste Jahr war zunächst von vielen Änderungen geprägt. Der Aufstieg wäre nicht verboten gewesen und wir lagen zwischendurch auch mal sechs Zähler vor Waldhof, aber es hat am Ende nicht gereicht. Unsere Planungen waren in erster Linie auf die aktuelle Spielzeit gerichtet. Wir wollten uns in der Breite qualitativ verstärken und im Moment läuft es ganz gut.

Ihr Sturmduo Kevin Behrens und Patrick Schmidt hat bislang 26 Tore erzielt. Die Beiden dürfen sich nicht verletzen…

Mann: Es ist kein Geheimnis, dass Behrens und Schmidt eine wichtige Rolle bei uns spielen. Jede Mannschaft braucht Stürmer, die treffen, und die Zwei machen das hervorragend. Aber auch sie sind abhängig von einem funktionierenden Team und guten Zuspielen.

Beide sind schon länger da. Was haben Sie denn vor der Saison gezielt verändert?

Mann: Wir wollten den Kader um Spieler ergänzen, die auch mal „dreckig“ spielen können, wenn es notwendig ist, und das ist uns mit den Verpflichtungen von Marco Kehl-Gómez und Marlon Krause gut gelungen. Auch ein Martin Dausch gibt uns mehr Stabilität und Erfahrung. Er ist mit Aalen und Duisburg schon vier Mal aufgestiegen und weiß also, wie es geht. Ein wichtiger Pfeiler ist auch unser Kapitän Manuel Zeitz, der schon im Sommer 2016 zurück zum FCS kam und ein blau-schwarzes Herz hat. Auch wenn ich es jetzt doch getan habe, möchte ich eigentlich niemanden herausheben, denn damit werde ich den anderen Spielern nicht gerecht. Die Jungs harmonieren prächtig miteinander, bei Toren jubeln alle mit, auch die, die trotz anderer Ansprüche mal auf der Bank sitzen müssen.

In Ihren Worten schwingt viel Begeisterung mit. Vermissen Sie nicht den Geruch des Rasens?

Mann: Selten. Ich gebe zu, bei schönem Wetter kribbelt es. Aber mein Fitnesszustand würde es gar nicht mehr zulassen. Der Unterschied zu früher ist, dass mich heute der Fußball den ganzen Tag nicht mehr loslässt. Als Spieler kannst Du mal abschalten, als Funktionär geht das kaum.

Wir müssen natürlich noch auf Ihre Hoffenheimer Zeit und das Spiel am Samstag zu sprechen kommen!

Mann: Ich habe sehr schöne Erinnerungen an meine fast zwei Jahre bei der TSG. Nicht nur weil mein Sohn im März 2016 geboren wurde, sondern weil ich einiges an Erfahrung mitnehmen durfte, was mir heute zugutekommt. Die TSG ist für mich das Nonplusultra in Sachen Nachwuchsförderung, und auch wenn wir in Saarbrücken aufgrund der Ligazugehörigkeit nicht alles eins zu eins umsetzen können, habe ich viel von dieser Zeit profitiert und sehr viel lernen dürfen.

Haben Sie denn noch Kontakte zur TSG?

Mann: Ja, auch wenn ich seltener da bin, als ich es mir vorgenommen habe. Und wenn es dann mal klappt, zuletzt beim Heimspiel gegen Steinbach, freut es mich, so herzlich begrüßt zu werden. Allerdings bekomme ich dann von den Spielen etwas weniger mit…

Was zeichnet denn die U23 der TSG aus? Sie haben ja mit einigen Jungs noch zusammen gekickt und müssten es am besten wissen…

Mann: Die U23 der TSG besteht aus jungen, sehr ballsicheren Spielern, die ein sehr hohes Tempo gehen und ein schnelles Kombinationsspiel aufziehen können. Das bereitet allen Gegnern Schwierigkeiten. Auch uns, aber wir sind gewarnt und werden darauf eingestellt sein. Im Februar haben wir zu Hause 0:2 verloren, damals hat uns besonders Prince Owusu viele Probleme gemacht. Ein weiterer Vorteil der U23 ist die hohe Durchlässigkeit nach oben und dass immer Vertreter aus dem Profistab anwesend sind. Das ist natürlich immer ein besonderer Ansporn!

Zum Abschluss kommen Sie um einen Tipp nicht herum!

Mann: Es gibt vermutlich wenige, die schlechter tippen als ich! Es wird ein ganz schwieriges Spiel für uns, das wir gewinnen wollen, um unseren Vorsprung an der Spitze mit in die Winterpause zu nehmen. Daher hoffe ich natürlich auf einen Sieg für uns – und wünsche der TSG für alle anderen Spiele nur das Beste.

Hier geht es zur Vorschau.

TSG 1899 Hoffenheim II – 1.FC Saarbrücken
Samstag, 14 Uhr, Dietmar-Hopp-Stadion

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