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SPIELFELD
18.09.2017

Quer durch Europa - Wie die TSG-Profis reisen

Timmo Hardung nimmt einige Reisestrapazen auf sich – um eben diese den Profis vor den Europapokal-Spielen zu ersparen. Der 27-Jährige ist Teammanager der Bundesliga- Mannschaft und damit in diesem Jahr besonders gefordert. Auf seinen Trips in die Spielorte der Gegner nimmt er die Stadien, Hotels, Trainingsplätze und vieles mehr unter die Lupe – und unternimmt alles, damit es den Spielern an den ungewohnten Spielorten an nichts fehlt.

In 50 Stunden durch Europa – so lautete in etwa das Reisemotto von Timmo Hardung für das Spiel beim FC Liverpool. Der Teammanager der TSG Hoffenheim organisierte die Reise zum ersten Europapokal-Auswärtsspiel der Vereinsgeschichte – eine verantwortungsvolle Aufgabe, für die er zwei Wochen zuvor schon für zwei Tage nach Liverpool gereist war. Denn die Abläufe in den 50 Stunden zwischen dem Treffpunkt in Zuzenhausen am Tag vor dem Auftritt an der Anfield Road und der Ankunft im Kraichgau am Tag nach dem 2:4 beim FC Liverpool waren extrem eng getaktet – und wie die meisten Hoffenheimer hatte auch Hardung keine Erfahrungswerte im Europapokal. "In der Bundesliga sind die Abläufe eigentlich immer gleich, man fährt in die gleichen Hotels und beispielsweise nach Frankfurt immer mit dem Bus und nach Hannover immer mit dem Flieger. Da plant man fast alles schon vor der Saison. Aber international sind die Herausforderungen schon um einiges größer", sagt der 27-Jährige.

timmo bild unten

Im Gegensatz zu den Spielern, die nach dem Spiel nach Deutschland zurückflogen, um sich auf die Partie in Leverkusen vorzubereiten, reiste Hardung munter weiter über den Kontinent. In Monaco stand die Auslosung für die Europa League auf dem Plan. Hardung begleitete die Geschäftsführung, flog danach zum Spiel nach Leverkusen – und von da aus sofort nach Bulgarien, um die Reise zum Europapokalspiel bei Ludogorets Rasgrad vorzubereiten.

Eine Abenteuerreise mit dem Zweck, eine Abenteuerreise für die Profis zu verhindern. "Ich fliege quasi als Vorhut in jede Stadt, in der wir spielen und nehme die Rahmenbedingungen unter die Lupe. In welches Hotel ziehen wir, gibt es einen Trainingsplatz, auf dem wir nochmal trainieren können. Wie sind die Räume der Physiotherapeuten im Stadion, was gibt es vor Ort, was müssen wir mitbringen, können wir unseren Bus zum Spielort schicken und wie weit ist das nächste Krankenhaus entfernt – die Check-Liste ist ganz schön lang", sagt Hardung, der von Ruth Pintner und Franz Knoll begleitet wurde. Pintner ist Mitglied der Medienabteilung und der Hoffenheimer UEFA-Kontakt, Knoll führte früher ein Reisebüro und unterstützt die TSG seit 15 Jahren in allen Fragen zu Auswärtsreisen.

In Liverpool klappten die eng getakteten Abläufe, die das Trio eingeplant hatte. Spieler und Verantwortliche waren mit dem Hotel zufrieden, die Wege waren kurz und die Anreise verlief reibungslos. Auch Hardung war zufrieden – hatte aber auch immerhin einen kleinen Erfahrungsvorsprung: "Beim Testspiel bei Derby County hatte natürlich kein Spieler einen Wechsel-Adapter für die Steckdosen dabei. Das hatte ich in Liverpool nun vorbereiten lassen, jeder konnte auf seinem Zimmer also sein Smartphone aufladen", sagt der gebürtige Heidelberger.

Detaillierte Planung jeder Reise

Zwar arbeitet Hardung gewöhnlich im Hintergrund – auch wenn er bei den Spielen mit auf der Bank sitzt. Im Europapokal ist er aber zu einem der wichtigsten Mitarbeiter der TSG geworden, schließlich ist die direkte Spielvorbereitung ein hoch sensibles Feld, Störgeräusche oder nervige Abläufe könnten direkte Folgen für die sportliche Leistungsfähigkeit haben. Vor allem die Hotel-Auswahl hat eine immense Bedeutung: "Mein Traumhotel ist sieben Fahrminuten weg vom Stadion, hat einen hohen Standard, ist dennoch so groß, dass nur unser Tross hineinpasst und hat noch einen eigenen Sportplatz. Aber das findet man natürlich nie, man muss immer irgendwo Abstriche machen." Ein Hauptkriterium muss aber immer eingehalten werden: "Es muss ruhig gelegen sein, also nicht mitten im Trubel oder in der Innenstadt. Es dürfen nachts keine feiernden Leute stören, auch keine Straßenbahnen oder der Lärm einer Autobahn."

Seine Checkliste vor Ort umfasst aber auch das Funktionsteam. Fitnesstrainer, Ärzte, Physiotherapeuten – jeder hat spezifische Fragen, etwa nach der Größe der Kraft- und Behandlungsräume, nahegelegenen Krankenhäusern für die Notfallversorgung oder Einreisebestimmungen für die benötigten Medikamente. "Aufgrund der vielen Details ist es wichtig, dass jemand vor Ort ist und wir nicht alles von zu Hause vom Schreibtisch aus buchen. Ich treffe mich auch mit Offiziellen des gastgebenden Klubs und schaue mir Stadion, Rasen, Kabinen und Anfahrtswege an. Dann sind wir am Spieltag auf alles vorbereitet."

Hardung weiß um die Bedeutung seines Jobs und gibt auch eine gewisse Anspannung zu. Nervös machen ihn der gestiegene Druck und die deutlich gestiegene Arbeitszeit aber nicht: "Natürlich ist auch das Funktionsteam der Dreifachbelastung ausgesetzt und keiner von uns führt hier ein La-Paloma-Leben. Aber dafür arbeitet man doch im Fußball. Wenn ich geregelte Arbeitszeiten gewollt hätte, hätte ich auch in einer Spedition anfangen können. Außerdem reise ich ohnehin sehr gern." Da er eine High-School in den USA besuchte, verfügt er über sehr gute Englischkenntnisse und kann sich überall problemlos verständigen. Besonders in Bulgarien war die Planung dennoch nicht ganz einfach: "Hier ist die ganze Infrastruktur natürlich völlig anders. Rasgrad ist eine kleine Stadt, das Angebot an Hotels und Trainingsplätzen ist extrem begrenzt, genau wie die Anreisemöglichkeiten. Das ist reisetechnisch sicher kein Traumlos und schon eine Herausforderung. Die Spiele in Istanbul und Braga sind einfacher zu planen."

"Ein supergeiles Gefühl"

Ob der blaue Bus der TSG die Mannschaft zu allen Spielen begleiten wird, ist noch offen. Zwar vereinfacht es die Planung um ein Vielfaches, wenn Matthias Bauer das Gefährt mit all den benötigten Materialien quer durch Europa zu den Spielorten fährt, allerdings liegen Braga und Istanbul mehr als 2.000 Kilometer entfernt – der Aufwand ist groß, zudem benötigt die TSG ihren Bus ja an den Wochenenden auch schon wieder im Bundesliga-Betrieb. "Für die Spieler ist es natürlich komfortabel, im gewohnten Bus zum Stadion zu fahren. Auch das Funktionsteam hat große Vorteile, da wir natürlich eine riesengroße Ladefläche haben und Dinge wie Massagebänke, Spielkleidung, Stretching-Matten einfach in den Bus gepackt werden können. Im Flieger ist der Stauraum überschaubar, zum Testspiel nach Derby sind wir mit 25 großen Metallkisten geflogen. Die zu packen, schleppen und sortieren ist schon ein großer Aufwand."

Nach der Prüfung der Infrastruktur in der knapp 1.900 Kilometer von Hoffenheim entfernten Stadt Rasgrad, ist die Mitnahme des Busses für das erste Auswärtsspiel in der Europa League nicht ausgeschlossen. Die TSG versucht es zu ermöglichen, um den Komfort in der ungewohnten Umgebung zu vergrößern. Hardung selbst benötigt auf seinen Erkundungen kein Fünf-Sterne-Paket, der Hoffenheimer Teammanager genießt seine Arbeit ohnehin in vollen Zügen: "Ich sehe von den Städten zwar kaum was, sondern eher Trainingsplätze und Hotels. Aber ich habe eine große Leidenschaft für den Fußball. Teil dieses Teams zu sein und meinen Anteil beisteuern zu können, dass die Jungs wieder so eine Saison spielen können wie zuletzt, ist einfach ein supergeiles Gefühl. Es war auch eine Belohnung und Riesenfreude, in Liverpool auf dem Rasen gewesen zu sein. Es macht einfach Spaß, auch im tiefsten Bulgarien." Und dank Timmo Hardung werden auch die Profis den Trip nach Rasgrad genießen und ihre Konzentration voll auf das erste Europa-League-Auswärtsspiel der Klubgeschichte legen können.

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