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27.09.2017

Lutz Pfannenstiel: "Erfahrung ist kein Faktor"

Lutz Pfannenstiel ist bei der TSG für internationale Beziehungen zuständig. Kein Wunder, führte ihn seine aktive Karriere als Keeper doch auf alle Kontinente. Der 44-Jährige ist einer der gefragtesten Fußball-Experten weltweit - er arbeitet beispielsweise für Eurosport, das ZDF und die englische BBC. Vor dem Europa League-Duell der TSG mit Ludogorets Rasgrad spricht er mit achtzehn99.de über den bulgarischen Fußball im Allgemeinen und den kommenden Gegner im Speziellen.

Lutz, lass uns zunächst über den bulgarischen Fußball sprechen.

Lutz Pfannenstiel: Der bulgarische Fußball erlebt eine schwere Zeit. Nach der goldenen Generation mit Stoitschkow, Balakow und Letschkow kam nicht mehr viel. Die Nationalmannschaft ist weit davon entfernt, sich für ein großes Turnier zu qualifizieren und spielt im internationalen Vergleich keine Rolle. Auch im Klubfußball erlebte Bulgarien zuletzt keine glorreichen Zeiten. Die großen Klubs aus Sofia, Lewski und ZSKA, sind nicht mehr das, was sie einmal waren. In diese Lücke ist in den vergangenen Jahren Ludogorets gestoßen.

Der nächste Gegner der TSG…

Pfannenstiel: Genau – Rasgrad ist die bestimmende Mannschaft im bulgarischen Fußball. Sie haben den Titel in den vergangenen Jahren in der Meisterschaft immer gewonnen und haben national im Prinzip keine Konkurrenz, treten absolut dominant auf. Das ist ein sehr professionell geführter Klub mit großen Ambitionen, der viel in die Jugendarbeit aber auch in die Infrastruktur investiert und ein gutes Konzept hat. Kyril Domustschiew, der Klubboss, ist Pharma-Unternehmer und hat maßgeblichen Anteil am Aufstieg des Klubs.

Was kann man fußballerisch vom bulgarischen Serienmeister erwarten?

Pfannenstiel: Ludogorets ist ein technisch gutes, von einigen Brasilianern und einem bärenstarken Stürmer geprägtes Team, das in der Liga vom Ballbesitz lebt, aber international sehr kontrolliert auftritt, defensiv gut steht und vor allem über die Außen gefährlich wird. Dort haben sie sowohl in der Offensive als auch in der Defensive unglaubliches Tempo. In der Mitte wartet dann Claudiu Keseru, der immer, überall und gegen jeden treffen kann. Er hat auch in dieser Saison schon wieder sechs Tore erzielt. Auf diese Stärken muss sich die TSG einstellen. Schwächen haben sie eher in der Mittelfeldzentrale und in der Defensive, wenn man sie richtig beschäftigt.

Rasgrad ist auf internationaler Ebene erfahren. Ist das ein Nachteil für die TSG?

Pfannenstiel: Die Spieler von Ludogorets werden auf keinen Fall nervös sein, sie kennen große Spiele und haben sich schon mit Real Madrid, PSG oder dem FC Arsenal gemessen. Aber für die TSG ist das kein Nachteil. Ludogorets hat in der Liga kaum Konkurrenz und muss dort selten ans Limit gehen, während es die TSG in der Bundesliga Woche für Woche mit Top-Gegnern zu tun hat. Deshalb ist das Plus an internationaler Erfahrung, das die Bulgaren sicherlich haben, kein Faktor.

Das Spiel wird in der Ludogorets Arena ausgetragen. Etwas Besonderes für den Klub?

Pfannenstiel: Ja, auf jeden Fall. Sie mussten ihre internationalen Heimspiele bisher in Sofia austragen, weil das Stadion den UEFA-Ansprüchen nicht genügte. Hier haben sie nachgebessert und zwei Tribünen gebaut. Deshalb gibt es für sie nun zum ersten Mal europäischen Fußball zu Hause, wirklich vor den eigenen Fans. Da muss sich die TSG darauf gefasst machen, dass sie versuchen werden, ein Feuerwerk abzubrennen, um den eigenen Fans etwas zu bieten.

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