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AKADEMIE
16.05.2017

Niklas Schaffer: Der Quereinsteiger

Niklas Schaffer kam gegen Ende der Sommervorbereitung aus der Verbandsliga zur U19 der TSG. Mit Fleiß und Disziplin hat sich der 18-Jährige in seiner ersten Bundesligasaison zu einer wichtigen Stütze gemausert. Während nahezu alle seine Mitspieler schon seit mehreren Jahren in einem Nachwuchsleistungszentrum spielen, hat es der Odenwälder auf einem anderen Weg geschafft. In der kommenden Saison geht es nun noch eine Stufe höher – in die U23 der TSG.

Dass Niklas Schaffer sich heute als etablierter U19-Bundesligaspieler bezeichnen kann, hätte der 18-Jährige vor einem Jahr kaum gedacht. Noch zu Beginn dieser Saison spielt der Außenverteidiger in der A-Jugend der SpVgg Neckarelz, bei der er in der Verbandsliga zwar eine wichtige Rolle einnimmt. Der höherklassige Leistungsfußball scheint am Anfang seines letzten Jahres im Juniorenfußball allerdings eigentlich schon zu weit weg zu sein.

Doch dann kommt am 16. Juli 2016 das Testspiel zwischen den U19-Teams der TSG und der SpVgg Neckarelz. „Ich bin da ganz locker reingegangen, ohne mir groß Gedanken zu machen“, erinnert sich Schaffer. Unbeschwert macht der Verteidiger beim 2:2 ein richtig starkes Spiel, weshalb der damalige U19-Trainer Domenico Tedesco direkt nach dem Spiel auf ihn zukommt und sich nach seinem Namen erkundigt. Kurz darauf folgt die Einladung zum Probetraining, in dem Schaffer überzeugt, sodass plötzlich die Chance für den angehenden Abiturienten besteht, noch einmal auf den Zug Richtung Profifußball aufzuspringen.

So ganz klar ist die Entscheidung für den Wechsel dann aber nicht: „Ich hatte schon ein bisschen Zweifel, ob ich dann auch mit dem Abi alles hinkriege, aber wollte natürlich schon gerne zur TSG.“ Also wagt er den Sprung und verlässt nach drei Jahren die SpVgg Neckarelz. „Ich musste es natürlich mit der Schule abstimmen und ein paar Kurse wechseln. Und weniger Freizeit hatte ich dadurch auch. Aber für den Fußball nehme ich das gerne in Kauf.“

Mit Bender in die U15 vom SV Sandhausen

Schon einmal hatte Schaffer es bei einem höherklassigen Verein probiert, auch wenn der Sprung damals nicht ganz so groß ausfiel. Zur U15 wechselte er aus Neckarelz zum SV Sandhausen – gemeinsam mit dem heutigen U19-Kapitän der TSG, Johannes Bender, sowie seinen Mitspielern Philipp Strompf (heute Karlsruher SC) und Max Heizmann (heute FC-Astoria Walldorf). Als seine Neckarelzer Kumpels jedoch nach einem Jahr weiterzogen (und Bender bei der TSG landete), ging Schaffer zurück nach Neckarelz. „Ich habe immer anderthalb Stunden Anfahrt gehabt, das war mir damals mit 14 dann zu viel Aufwand. Zumal ich die Strecke ja in Zukunft alleine hätte fahren müssen“, erklärt Schaffer, der noch in seinem Elternhaus in Zimmern (Seckach) wohnt.

Doch drei Jahre später fühlt sich Schaffer bereit für den nächsten Schritt. In den ersten Wochen bei der TSG bekommt er jedoch zunächst einmal den Unterschied zwischen Bundesliga und Verbandsliga vor Augen geführt. „Das war schon ein ganz anderes Tempo, und im Training gibt jeder immer 100 Prozent.“ Doch der Verteidiger zeigt sich lernwillig und arbeitet fleißig daran, den sportlichen Anschluss zu schaffen.

Innerhalb der Mannschaft gelingt die Integration mühelos. „Joe (Johannes Bender, Anm. d. Red.) kannte ich ja schon. Von daher war er natürlich mein erster Ansprechpartner“, erzählt Schaffer. „Aber auch mit den anderen Spielern wie Florian Weidner, Lennart Grimmer, Stefan Drljaca, Emilian Lässig, David Otto oder Steffen Foshag habe ich mich schnell gut verstanden.“

Bundesligadebüt als Höhepunkt

Der große Vorteil des Neuen aus der Verbandsliga ist seine Disziplin. „Es ist schon etwas überraschend, dass ein Spieler noch in dem Alter den Sprung aus der Verbandsliga in die Bundesliga schafft“, sagt auch sein heutiger Chefcoach Marcel Rapp. „Bei Niklas lag das vor allem an seiner großen Lernbereitschaft.“ Training für Training saugt der gebürtige Buchener die Tipps seiner Coaches Tedesco und Rapp auf und wird dadurch nach und nach immer besser.

Schon am zweiten Spieltag gelingt ihm der Sprung in die Startelf. Beim 2:0-Erfolg gegen Mainz 05 spielt Schaffer 90 Minuten durch. „Das war mein Höhepunkt im vergangenen Jahr. Denn das erste Bundesligaspiel ist natürlich schon etwas ganz Besonderes“, sagt der 18-Jährige. Nach seinem Debüt gegen Mainz folgen noch 17 weitere Spiele in der höchsten deutschen Junioren-Klasse. Alle Partien absolviert er als Innenverteidiger. Eine Position, die er in Neckarelz und Sandhausen nie gespielt hat, denn dort war er stets als Außenverteidiger aufgelaufen. „Mittlerweile habe ich mich aber damit angefreundet.“

Wenn der 18-Jährige heute auf seine erste Bundesligasaison zurückblickt und seinen aktuellen Leistungsstand mit dem vor seinem Wechsel vergleicht, fällt ihm auf, welche Entwicklung er hingelegt hat. „Ich habe hier wirklich einen großen Sprung gemacht. Vor allem taktisch und im Kraftbereich habe ich mich sehr verbessert.“ Dass er das geschafft hat, schreibt er vor allem seiner Disziplin, aber auch seinen beiden Trainern zu. „Herr Rapp und Herr Tedesco standen immer hinter mir, und ich habe einfach versucht, das umzusetzen, was sie mir mit auf den Weg gegeben haben.“

Das hat geklappt – und auch die Bedenken, dass es mit dem Abitur eng werden könnte, haben sich nicht bewahrheitet. Die Prüfungen in seinen Abi-Fächern Mathe, Deutsch, Englisch und Sport hat er im Saisonfinish abgelegt. „Ich musste zwei, drei Wochen vor allem nachts lernen und habe auch hier viel Disziplin gebraucht. Aber damit ging es schon.“

Nächster Schritt: Regionalliga mit der U23

Mit dem Schulabschluss in der Tasche will sich Schaffer in der kommenden Saison vor allem auf Fußball konzentrieren. „Vielleicht schreibe ich mich aber auch parallel an der Uni ein und besuche ein paar Vorlesungen. BWL würde mich interessieren.“ Ganz klar im Fokus steht jedoch sein erstes Jahr im Erwachsenenfußball, das ihn nun in die U23 der TSG führt.

Als einer von sechs Spielern des 98er-Jahrgangs ist Schaffer in die Regionalliga-Mannschaft übernommen worden. Die nächste Herausforderung für den fleißigen Quereinsteiger in den Leistungsfußball. Doch nachdem er es zu Beginn dieser Spielzeit schon einmal geschafft hat, gibt sich der Verteidiger nun zuversichtlich. „Natürlich ist das noch mal ein großer Sprung, vor dem ich auch Respekt habe. Aber ich denke, dass ich mich schon daran gewöhnen werde. Und wenn ich meine Leistung bringe, habe ich auch die Chance, in der Regionalliga zu spielen.“

Genug Selbstvertrauen hat sich Schaffer im vergangenen Sommer durch seinen Sprung ins kalte Wasser geholt. Nun scheint er bereit für den nächsten zu sein.

 

>>> Hier geht es zum Spielerporträt von Niklas Schaffer

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