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SPIELFELD
22.05.2017

Der TSG-Angriff - Heiter und stürmisch

Die Angreifer der TSG haben in dieser Saison vollends überzeugt. Ob in der Startelf oder als Joker, die Offensive war immer für Tore gut und hatte entscheidenden Anteil an der Renaissance des Spektakel-Fußballs in Sinsheim – der in der nächsten Saison auch in Europa zu sehen sein wird.

Der Zaun vor der Südtribüne wurde in dieser Spielzeit oftmals zum Party-Zentrum des Kraichgau. So auch im April nach dem furiosen 5:3-Sieg gegen Mönchengladbach. Doppeltorschütze Adam Szalai erklomm die Bühne des Frohsinns und sorgte im Duett mit den Fans ausgelassen feiernd für einen Spektakel-Nachschlag in der WIRSOL Rhein-Neckar- Arena. Dabei boten schon die vorangegangenen 90 Minuten des von der ARD-Sportschau als "Tor-Spektakel" gefeierten Spiels beste Unterhaltung – wie so oft in dieser Spielzeit, in der die Offensivkunst made in Hoffenheim ihre Wiedergeburt erlebte. Angetrieben von starken Aufbauspielern in der Defensive und überragenden Zuspielern im Mittelfeld konnten sich die TSG-Angreifer in Julian Nagelsmanns "Vollgas-Taktik" (BILD) frei entfalten und zahlten dem Trainer das Vertrauen zurück – mit Toren, Vorlagen und vollem Einsatz.

Der Quattro-Angriff mit den vier Stürmern Sandro Wagner, Andrej Kramaric, Mark Uth und Adam Szalai traf regelmäßig und unabhängig von der Besetzung. Früh in der Saison ebnete Wagner den Weg in die Spitzengruppe, zehn Tore erzielte der Stürmer in der Hinrunde. Lohn war nicht nur deutschlandweiter Respekt für den Malocher, sondern auch ein eigener Song der TSG-Fans. Wagner hatte erste Europa-Träume geweckt: "Ob die Sonne scheint oder ob es schifft, wenn der Sandro Wagner wieder trifft, dann ist jedem Hoffenheimer klar, Europacup im nächsten Jahr", hallt es seitdem von der Südtribüne.

Kramaric & Uth - Die Traumtorfabrik

Wie Szalai – der zwischenzeitlich den besten Torschnitt aller Bundesliga-Spieler (Tore pro Einsatzminuten) aufwies – und Wagner erspielten sich auch Kramaric und Uth die Zuneigung der Zuschauer und die Anerkennung der Experten. Und das nicht nur in Hoffenheim. Denn auch nach der Winterpause blieben die Zeiten bei der TSG heiter und stürmisch. Kramaric avancierte zum Scorerkönig und verzückte die Fans mit Vorlagen, vor allem aber mit wichtigen und teilweise wunderschönen Toren: Wie dem Ausgleichstreffer beim SC Freiburg und natürlich dem historischen Siegtor gegen den FC Bayern München, der die Arena in ein Tollhaus verwandelte. Maskottchen Hoffi trug den glückseligen Torjäger nach dem Spiel durch das Stadion – und das Grinsen im Gesicht des Kroaten hätte nicht breiter sein können. "Das war sicherlich eins meiner Lieblingstore", sagte er im Anschluss.

Mit Traumtoren geizte auch Mark Uth nicht. Ob sein Führungstreffer aus der Distanz beim 4:0-Sieg gegen Mainz oder das für das Tor des Monats nominierte Gesamtkunstwerk gegen Mönchengladbach – der lange Zeit verletzt fehlende Uth traf ebenfalls regelmäßig und hatte mit seinen Angriffskollegen großen Anteil daran, dass Julian Nagelsmann sich zum "Joker-König" (BILD) entwickelte. Uth, Kramarić (je 4 Tore nach Einwechslungen) und Szalai (3) versorgten die TSG auch als Kurzarbeiter stets mit Toren und verhalfen der Mannschaft so zu bemerkenswerten Statistiken: 13 Jokertore und 14 Treffer nach der 80. Minute zeugen von der enormen Ausgeglichenheit im Kader sowie von der Fitness und mentalen Stärke der Hoffenheimer.

Terrazzino trifft

Ein Musterbeispiel dafür ist auch Marco Terrazzino, der im Gegensatz zu den vier Kollegen eigentlich ein offensiver Allrounder und kein klassischer Stürmer ist. Nach seiner Rückkehr aus Bochum musste er sich in der Hinserie an das hohe Tempo gewöhnen. Doch der gebürtige Mannheimer gab nicht auf und belohnte sich im Verlauf der Rückserie für die harte Arbeit. Ein (Joker-)Tor und drei Vorlagen steuerte er zur erstmaligen Europa-Qualifikation bei – und erlebte seinen bislang emotionalsten Moment der Karriere: Als er beim 4:0 gegen Mainz sein erstes Bundesliga-Tor erzielte, noch dazu per Kopf, warfen sich nicht bloß seine Mitspieler feiernd auf Terrazzino – auch Julian Nagelsmann sprintete zum Jubelknäuel vor der Südtribüne: "Erstmalig in meiner Amtszeit", wie er später erklärte und Terrazzino damit adelte.

Die Mischung aus Konkurrenz und Teamgeist im TSG-Angriff bescherte der TSG beachtliche Zahlen: Einzig gegen Wolfsburg blieb Hoffenheim zu Hause ohne Tor, in der Bundesliga erzielten nur der FC Bayern und Borussia Dortmund mehr Treffer. In Anbetracht von Stimmung und Statistik kann man die im März in der "Stuttgarter Zeitung" zu lesende Zeile durchaus auf die gesamte Spielzeit übertragen: "Lauter glückliche Stürmer".

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