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SPIELFELD
10.04.2017

Niklas Süle & Sebastian Rudy über Dankbarkeit

Sie haben einen großen Anteil an der überragenden Saison der TSG. Niklas Süle und Sebastian Rudy sind zu Führungsspielern und Identifikationsfiguren des Klubs geworden. Im Sommer wechseln beide zum FC Bayern. In SPIELFELD verraten sie ihre größten TSG-Momente, warum ihnen Hoffenheim ans Herz gewachsen ist und welchen Abschied sie sich wünschen.

Sebastian, Niklas, seit Weihnachten ist bekannt, dass ihr beide im Sommer zum FC Bayern München wechseln werdet. Anderswo werden Spieler dann von den eigenen Fans angefeindet. Hier habt ihr, bei allem Bedauern, auch Verständnis geerntet. Wart ihr überrascht von der Reaktion?

Sebastian Rudy: Überrascht hat es mich nicht, aber natürlich hat uns das gefreut. So kenne ich unsere Fans. Wir haben ja beide in all den Jahren immer alles für den Verein gegeben; ich denke, das honorieren die Fans. Darum nehmen sie uns den Wechsel auch nicht übel. Jeder sieht ja, dass wir nicht nachgelassen haben, sondern alles dafür tun, erfolgreich zu sein.

Was haben denn die Kollegen gesagt, als klar war, dass ihr zu den Bayern geht?

Niklas Süle: Das war nie groß ein Thema in der Kabine. Es war ja auch nie eine Entscheidung gegen die TSG, sondern nur eine für die Bayern. Auch wir beide haben nie darüber geredet in der Kabine. Wir sind erst vom 1. Juli an bei den Bayern.

Rudy: Ich finde, so muss das auch sein. Jetzt und bis zum 30. Juni zählt nur Hoffenheim. Das sind wir allen schuldig, der Mannschaft, den Trainern, dem ganzen Verein und den Fans.

Niklas, du hattest deinen Vertrag bis zum Jahr 2019 verlängert. Hattest du Sorge, dass nun einer sagt: Warum geht der? Wie kann er nur?

Süle: Es gibt immer welche, die das vielleicht nicht als den richtigen Schritt ansehen. Ganz allgemein ist es mir aber nicht so wichtig, was andere Leute sagen. Wichtig ist mir, dass die Menschen hier im Verein sich mir gegenüber nicht anders als vorher verhalten haben. Deswegen gebe ich auch weiterhin alles für meinen Jugendverein. Wenn sie sich jetzt mir gegenüber mies verhalten hätten, hätte ich vielleicht gesagt: Ach nein, jetzt kommt es auch nicht mehr drauf an. Aber das war nie der Fall, im Gegenteil: Wir haben eine geile Truppe, haben diese Saison schon viel geschafft und wollen auch noch ein bisschen mehr erreichen. Das ist eine riesige Motivation.

Für Niklas ist die TSG der Jugendverein. Sebastian, du bist 2010 aus Stuttgart hierher gekommen, warst schon U21-Nationalspieler. Welche Bedeutung hat die TSG Hoffenheim für dich und deine Karriere?

Rudy: Diese Region, dieser Klub ist für mich zur Heimat geworden. Es ist schon meine siebte Saison, und ich habe fast alle meine Bundesliga-Spiele für die TSG gemacht. Sieben Jahre sind ein Großteil meiner Karriere, und bin sehr dankbar, dass ich das in Hoffenheim machen durfte.

Obwohl es nicht immer nach Plan lief.

Rudy: Jede Zeit hat mich geprägt. Eben, weil nicht immer alles top war. Das macht ja auch die Bindung aus, wenn man nicht nur immer die guten Sachen mitmacht, sondern auch die schlechten.

Du hast hier in sieben Jahren neun verschiedene Trainer erlebt.

Rudy: Ich habe so viele Trainer und auch so viele Spielphilosophien kennen gelernt – ich kann mich jetzt auf vieles einstellen (lacht). Im Ernst: Da waren schon viele Höhen und Tiefen dabei und so eine Situation wie der Fast-Abstieg 2013, den du dann noch sensationell in letzter Sekunde abwendest: Das prägt dich für die ganze weitere Karriere.

Es war auch die Zeit, in der der 17-jährige Niklas Süle plötzlich mit dir auf dem Rasen stand. Kannst du dich noch an deinen ersten Eindruck von Niklas erinnern?

Rudy: Oh ja, da ist mir eins im Kopf geblieben, das sage ich ihm auch noch oft. Es war eine seiner ersten Trainingseinheiten. Da kam er mit 15, hat ganz frech aufgespielt, tunnelte Sven Schipplock und machte die Bude. Ganz ehrlich: Das traut man sich eigentlich mit 15 nicht. Da hat man schon gesehen, dass da ein ganz Besonderer kommt.

Niklas, hast du damals nicht drüber nachgedacht oder war das für dich einfach normal?

Süle: Respekt war natürlich schon da, aber man will ja irgendwie auffallen (lacht). Das war zu Zeiten von Holger Stanislawski, der mir immer gutes Feedback gegeben hatte. Obwohl ich ziemlich jung war, durfte ich zweimal die Woche bei den Profis mittrainieren. Ich war halt noch jung und frech, dann habe ich Schippo getunnelt und das Tor gemacht: Da war ein bisschen was los im Training. Das ist mir noch so gut im Gedächtnis, als wäre es gestern gewesen.

Und bei deinem zweiten Bundesligaspiel ging es in Dortmund schon um alles oder nichts.

Süle: Da hätte es mit dem Abstieg ja fast die größte Pleite der Vereinsgeschichte gegeben. Das war schon eine heiße Phase für mich, gerade als 17-Jähriger. Aber es war natürlich ein Riesenerlebnis. Auch die Party nach der erfolgreichen Relegation. So etwas zu feiern mit den Profis, die man früher im Stadion als Fan angefeuert hat, denen ich als Balljunge die Bälle zugeworfen habe – das war eine unglaublich aufregende Zeit.

Wie erinnert sich Niklas Süle denn an Sebastian Rudy?

Süle: Vor allem an seine Frisur, mit dem Bändchen (lacht). Als ich das erste Mal rauskam, hab‘ ich gleich gedacht: Das ist also der Rudy. Und es ist auch heute noch krass zu sehen, wie der Sippi (Spitzname von Sebastian; d. Red.) im Training mit dem Ball umgeht. Das ist schon nahe an der Perfektion. Der Sippi war schon von Beginn an eine Bezugsperson für mich – eben auch als junger, deutscher Spieler, den man kannte.

Und neben Eugen Polanski seid ihr beiden die einzigen, die 2013 schon auf dem Platz dabei waren.

Süle: Wir können sicher schon gut beurteilen, wie es gerade läuft. Wir kennen jeden Mitarbeiter, haben hier Legenden und Wahnsinnige erlebt. Mit dieser Erfahrung können wir dann auch Führung übernehmen – und diese Saison ist es uns das erste Mal so richtig gut gelungen, vorne weg zu gehen.

Zwei Führungsspieler, die die Entwicklung des Klubs sehr gut beurteilen können.

Rudy: Ja, wir hatten eine ziemliche Berg- und Talfahrt. Aber seit einiger Zeit sind wir wieder auf einem guten Weg, den der Klub kontinuierlich weitergehen sollte. Wenn man den Verantwortlichen Vertrauen schenkt, sie unterstützt über mehrere Jahre, dann steht der Klub mittelfristig noch besser da.

Wohin kann der Weg der TSG denn noch führen? Immerhin ist er kein Klub aus einer Millionenmetropople mit einem entsprechenden Umfeld.

Rudy: Dieses Ruhige, Dörfliche macht diesen Klub doch auch aus. Das macht ihn doch auch attraktiv.

Süle: Ich finde da auch überhaupt nix Schlimmes daran. Im Gegenteil: Wir sind ja ein Dorfverein. Das ist etwas ganz Besonderes, unser ganz eigenes Ding.

Ihr habt schon so viel erlebt mit der TSG. Habt ihr einen speziellen Moment?

Rudy: Natürlich Dortmund, die Rettung. Und mein erstes Bundesliga-Tor gegen Kaiserslautern im Februar 2011. Das vergisst man nie.

Süle: Der Sieg in Dortmund. Vor allem, weil ich ja eigentlich geschlafen habe bei dem 2:2, das dann nicht gegeben wurde. Wegen mir wäre es fast kein Abseits gewesen bei dem Schuss von Schmelzer. Ich war der letzte Mann und habe verpennt, schnell rauszurennen. Das hätten mir die Fans hier auch nur schwer verziehen.

Wenn man auf die vergangene Saison zurückblickt, schien der Abstieg auch kaum noch zu verhindern, ehe Julian Nagelsmann kam. Hattet ihr euch schon mit dem Abstieg auseinandergesetzt?

Rudy: Man hat Gedanken an die Zweite Liga, aber man befasst sich nicht wirklich damit. Ich konnte mich ja auch an die Situation 2013 erinnern. Da saß ich vor dem Dortmund-Spiel im SWR-Studio und hab gesagt: 'Es ist noch nicht vorbei. Mal gucken, was noch alles passiert.' Da haben sie mich ausgelacht.

Unter Julian ging es dann aber rasant nach oben. Hattet ihr das in dieser Form so erwartet?

Rudy: Mir ist seine erste Ansprache immer im Kopf geblieben. Da wusste man: Das funktioniert.

Was war denn das Besondere daran?

Rudy: Es war einfach sein Auftreten. Die Worte waren gar nicht so entscheidend, sondern einfach seine Ausstrahlung, was er damit rüber gebracht hat. Da wusste ich sofort: Okay, das packen wir.

Aber dass es so gut werden würde …

Süle: Ich kenne Julian ziemlich lange. Ich wusste also, dass er ein absoluter Fachmann ist, aber das konnte man so nicht vorhersehen. Ich habe mir schon gedacht, dass wir was Gutes erreichen können, wenn er eine komplette Vorbereitung hat und seine Spielidee entwickeln kann. Das Ziel des Vereins war eine sorgenfreie Saison. Aber dass wir nach zwei Dritteln der Saison so weit oben stehen, das ist natürlich Wahnsinn.

Ihr könntet die TSG nach all den Jahren in den Europacup führen. Es wäre etwas Besonderes …

Rudy: Es wäre natürlich der perfekte Abschied. Dass man den Jungs, dem Verein, dies als Abschiedsgeschenk hinterlassen kann, das wäre der krönende Abschluss.

Süle: Wieso sollten wir uns hier nicht mit der Champions-League-Platzierung verabschieden können? Wir haben definitiv das Zeug für einen Platz unter den ersten Sechs. Und wir haben schon den Wunsch, den Willen, das Maximale rauszuholen. Ich finde es nicht schlimm, selbstbewusst zu sein, zu sagen, wir können auch Platz vier schaffen. Wir haben es fußballerisch drauf, haben eine gute Ausgangslage – und die Typen, um es bis zum Ende durchzuziehen. Es wäre geil für uns beide, so gehen zu können.

Aber Ihr kommt schon noch mal im Kraichgau vorbei?

Süle: Definitiv.

Rudy: Ich werde sicher oft vorbei schauen. Meine Frau und ich haben hier viele Freunde gefunden und wir können uns gut vorstellen, nach meiner Karriere hier sesshaft zu werden. Diese Region ist unsere Heimat geworden.

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