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SPIELFELD
06.04.2017

Internationale Talentschmiede

Sie sind jung und sie sind talentiert. So begabt, dass sie zu den Besten ihrer Altersklasse gehören. Und das nicht nur in der Region. Immer wieder schaffen Spielerinnen der TSG Hoffenheim den Sprung in die Juniorinnen-Nationalmannschaften.

Anfang März war Büsra Kuru in Antalya. Bis auf mehr als 20 Grad kletterten die Temperaturen in der türkischen Stadt am Mittelmeer. Statt am Strand Sonne zu tanken, stand die 15-jährige Kuru aber auf dem Fußballplatz. „Es war mein zweiter Lehrgang beim türkischen Fußballverband“, erzählt die Offensivspielerin, die bei der TSG für die U17-Juniorinnen in der Bundesliga aufläuft. Bereits Ende Januar reiste Kuru zu einer Maßnahme der türkischen U17-Nationalmannschaft nach Antalya. „Es hat mir Spaß gemacht und deshalb habe ich mich gefreut, dass ich bei den Länderspielen gegen Russland wieder dabei sein durfte.“ Vier Mal trug sie mittlerweile das Trikot der Türkei. Das fußballerische Niveau, sagt sie, sei ganz gut, wenn auch nicht so wie gut bei der TSG. Die Frage, ob die türkische U17 die richtige Herausforderung für sie sei, führte auch dazu, dass Büsra Kuru erst einmal nachdenken musste, als zum ersten Mal eine Einladung des Verbandes ins Haus der Lützelsachsenerin flatterte. „Ich habe mich dazu entschlossen, es einfach mal auszuprobieren“, erzählt sie.

Neue Erfahrungen zu sammeln trieb auch Vanessa Vitiziu an, einfach mal bei der Nationalmannschaft hinein zu schnuppern. Neben Büsra Kuru ist die 16-Jährige die zweite Spielerin des TSG-Teams aus der B-Juniorinnen-Bundesliga, die in dieser Saison bereits Länderspielerfahrung sammelte. Für die rumänische U17-Nationalmannschaft absolvierte sie bereits sieben Partien. „Mein Vater ist Rumäne, ich war schon oft dort und spreche auch die Sprache gut“, erzählt die Mittelfeldspielerin. „Als wir vom Verband angesprochen wurden, musste ich trotzdem erst überlegen.“ In der Nationalmannschaft gehört Vizitiu zu den Leistungsträgerinnen, sie ist die einzige im rumänischen Kader, die in Deutschland ihre Fußballschuhe schnürt. Nochmal neue Leute kennenzulernen, sich mit anderen Mitspielerinnen auszuprobieren und in den verschiedensten Ländern für Rumänien Tore zu schießen, das bringe sie weiter, so „Vizi“, wie sie bei der TSG genannt wird.

Über Umwege zur Nationalmannschaft

Der Deutsche Fußball-Bund lädt mehrmals im Jahr zu Sichtungsturnieren ein, bei dem die Auswahlmannschaften der Landesverbände gegeneinander antreten und sich Spielerinnen für die deutschen U-Nationalteams empfehlen können. In die Nationalmannschaft anderer Länder geht es hingegen meist über Umwege. „Die serbische U17 hat gegen die rumänische gespielt und die Verantwortlichen haben meine Teamkollegin Vizi angesprochen“, erzählt Chiara Savic von ihren ersten Schritten im serbischen Nationaltrikot. Im Januar dieses Jahres wurde die TSG-Torhüterin erstmals vom Verband eingeladen. Ob sie überzeugt hat, hat sie noch nicht erfahren. „Ich würde auf jeden Fall nochmal hinfahren“, ist sich die 17-jährige gebürtige Karlsruherin sicher.

Wie Büsra Kuru, Vanessa Vizitiu und Chiara Savic kam auch Maileen Mößner nach ihrem Wechsel in die Jugend der TSG Hoffenheim zur Nationalmannschaft. Über die Badische Auswahl entstand in der U17 Kontakt zum Österreichischen Fußball-Bund. Mit 23 Länderspielen in der österreichischen U17 und U19 gehört die Zweitligaspielerin bei der TSG zu den „alten Hasen“ im Nationaltrikot. „Für mich als Deutsch-Österreicherin war die Begegnung gegen den DFB in der U17-EM-Quali ein besonderes Erlebnis“, blickt die 18-jährige Mößner zurück. „Dabei habt ihr mit 1:4 gegen uns verloren“, fügt Sarai Linder, die damals bei der deutschen U17-Nationalmannschaft in der Startelf stand, lachend hinzu. Die 17-jährige Sinsheimerin, die ebenfalls für die TSG in der 2. Bundesliga Süd spielt, ist schon seit der U15 beim DFB, debütierte erst vor wenigen Wochen im Team der U19-Frauen. Für Linder waren es die Länderspieleinsätze 28 und 29. Bei ihren ersten Lehrgängen in der U15 sei sie sehr ängstlich gewesen, erzählt sie. Sie wusste schließlich überhaupt nicht, was auf sie zukommt.

Alte Hasen und Neulinge

Während Sarai Linder, die mittlerweile auf einen U17-Europameistertitel und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2016 zurückblicken kann, längst nicht mehr ängstlich ist, stehen Nele Bauer sowie Donata und Luca von Achten noch ganz am Anfang. Die drei Spielerinnen aus der U15-Mannschaft der TSG Hoffenheim spielten sich in den Fokus der DFB-Sichter, Bauer reiste mit dem Nationalteam sogar im Februar nach England, kam jedoch aufgrund einer wetterbedingten Spielabsage noch nicht zu ihrem ersten Einsatz im Deutschland-Trikot. Die Zwillinge Luca und Donata von Achten stehen für die DFB-U15 bereit, genauso wie Klara Gorges (U16-Nationalmannschaft), Paulina Krumbiegel (U17-Nationalmannschaft), Fatma Sakar und Janina Leitzig (beide U19-Nationalmannschaft).

Auch die 17-jährige Torhüterin Charlotte Voll wartet noch auf ihren ersten Einsatz im DFB-Trikot. „Ich stand schon bei einigen Länderspielreisen auf Abruf“, erzählt die Zweitliga-Torhüterin. „Natürlich ist es schade, wenn man so knapp vor der Nationalmannschaft steht, aber dann nicht dabei ist.“ Doch hadern kommt für die Karlsruherin nicht in Frage. Das primäre Ziel sei, sich im Verein durch harte Arbeit weiterzuentwickeln. Talent ist das eine, doch um einmal für die A-Nationalmannschaft aufzulaufen und damit in die Fußstapfen von den TSG-Bundesligaspielerinnen Nicole Billa, Martina Moser, Kristin Demann und Dóra Zeller zu treten, brauchen die Juniorinnen aus der Talentschmiede der TSG Hoffenheim noch eine Menge Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. 

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