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CAMPUS
14.04.2017

Gruppenfoto mit Steven Gerrard

Die Englandreise der U19 neigt sich ihrem Ende, doch ehe die Hoffenheimer am Sonntag ihren Rückflug antreten, standen in Liverpool noch jedem Menge Highlights sportlicher wie kultureller Natur an. In einem Testspiel gegen den Liverpool FC unterlag das Team von Trainer Marcel Rapp mit 0:2 (0:1), doch die Begegnung mit Steven Gerrard machte diese Niederlage schnell vergessen.

Noch immer hat Liverpool den Ruf einer tristen Arbeiterstadt, was die 500.000-Einwohner-Metropole am Mersey-River in den 80er Jahren mit Sicherheit auch war. Doch zuletzt hat sich die Heimat der Beatles ordentlich herausgeputzt. 2004 wurde der historische Teil der Stadt zum Weltkulturerbe erklärt, 2008 war Liverpool Kulturhauptstadt Europas und polierte sein Image entsprechend auf.

Am Donnerstag trainierte die U19 erstmals auf dem Gelände der Liverpool FC Academy im nahegelegenen Kirkby. Der Kunstrasen hinter dem Funktionsgebäude ist nach dem jungen Stephen Packer benannt, einem U9-Spieler der Reds, der im November 2012 im Alter von gerade mal neun Jahren an Krebs starb. „Stephen hatte nicht die Chance, wie andere LFC-Stars sein volles Potenzial zu entfalten, aber er hat auf seine Weise Spuren im Klub hinterlassen“, heißt es auf einem Plakat, das an das tragische Schicksal des kleinen Fußballers erinnert.

Fußball-Geschichte an allen Ecken

Nach den prägenden Eindrücken, die die Hoffenheimer in London gesammelt hatten, war nun also Liverpool an der Reihe, wo alles eine Nummer kleiner, aber dennoch ein gewisser Charme vorhanden ist – auch wenn die Irische See einen eiskalten Wind durch die Straßen bläst. Von imposanter Schönheit sind der Albert Dock, vergleichbar mit der Hamburger Speicherstadt, die riesige Kathedrale sowie die neue Skyline mit ihren markantesten Bauten, das Royal Liver Building, das Cunard Building und das Port of Liverpool Building, die zusammen „The Three Graces“, die drei Grazien, genannt werden. Nicht zu vergessen die Mathew Street, in der sich neben zahlreichen anderen Musikklubs auch der Cavern Club befindet, in dem die Karrieren legendärer Bands, wie etwa der Beatles oder von Gerry & the Pacemakers („You’ll Never Walk Alone“), ihren Anfang nahmen.

Der Freitag begann mit dem obligatorischen Aktivierungsspaziergang im Industriegebiet Knowsley Business Park. Ein junger irischer Fan ließ es sich nicht nehmen, mit den Hoffenheimern für ein Gruppenfoto zu posieren. Anschließend ging es erneut nach Kirkby in die Academy, die 1998 eröffnet wurde. In jenem Jahr, in dem Steven Gerrard für die Reds debütierte.

In jedem Winkel ist die Geschichte dieses Klubs zu spüren. Plakate von Spieler- und Trainergrößen wie Ian Rush, Kenny Dalglish, Jamie Carragher oder Bill Shankly erinnern an die glorreichen Tages des Vereins, der fünf Mal die Champions League gewann.

Prominente Zuschauer beim Testspiel

Zwei dieser Legenden waren dann auch als Zuschauer beim Testspiel dabei: Steven Gerrard, der vor wenigen Monaten seine ruhmreiche Laufbahn beendet hat und seit Januar als U18-Trainer in der Academy arbeitet, und Steve McManaman, der neben seiner Zeit beim LFC auch viele Erfolge mit Real Madrid feierte und heute als Botschafter für seinen Heimatklub unterwegs ist.

Das Team von Coach Marcel Rapp, das nach der frühzeitigen Abreise einiger Spieler dezimiert antrat, begegnete dem Reds-Nachwuchs bei unangenehmem Mersey-Nieselregen auf Augenhöhe und hätte im ersten Abschnitt durch Steffen Foshag in Führung können, geriet aber nach einem Kopfball des 17-jährigen Rhian Brewster in Rückstand (30.).

Nach dem Wechsel hatte Pasqual Pander den Ausgleich auf dem Fuß, doch sein Schuss aus zehn Metern ging über das Tor. Die Rapp-Elf hielt fußballerisch gut mit, hatte aber mit der körperlichen Überlegenheit der Hausherren zu kämpfen, die nach 64 Minuten durch den 20-jährigen Spanier Madger Gomez auf 2:0 erhöhten. In der Schlussphase verpassten es Domenico Alberico und Moritz Kwarteng, der mit einem Distanzschuss knapp scheiterte, Ergebniskosmetik zu betreiben.

Führung durch die Academy

„Die Jungs haben es gut gemacht, waren aber in ihren Aktionen nicht immer zielstrebig genug“, so Rapp, der aber auch anerkannte: „Zwei Tage nach dem kräftezehrenden 2:2 beim Chelsea FC und ohne einige abgereiste Spieler war es heute sicher auch nicht einfach.“ Auch von den Liverpool-Verantwortlichen ernteten die Hoffenheimer großes Lob.

Bei der anschließenden Führung durch die Academy traf der TSG-Nachwuchs auch auf Steven Gerrard, der sich für ein Gruppenfoto zur Verfügung stellte. Für den Superstar, der die Reds 2005 als Kapitän zum Champions-League-Triumph führte, ist es eine traurige Jahreszeit. Der 15. April ist als schwarze Stunde in die Geschichte des Klubs eingegangen. Vor 28 Jahren kamen an diesem Tag im Pokal-Halbfinale gegen Nottingham Forest im Hillsborough Stadium von Sheffield 96 Anhänger des Liverpool FC ums Leben, darunter Gerrards damals zehnjähriger Cousin Jon-Paul Gilhooley, der ebenfalls ein talentierter Fußballer war. Aufgrund des großen Andrangs verloren die Ordnungskräfte damals die Kontrolle über die eskalierende Situation und ließen viel zu viele Menschen in den Leppings Lane End, so dass nachrückende Zuschauer diejenigen, die sich bereits im Stadion befanden, erdrückten. Eine Panik, ähnlich wie Jahre später bei der Love Parade in Duisburg, brach aus. Die Partie, die bereits im Gange war, musste abgebrochen werden. Bis heute hat sich der Klub nicht ganz von der Hillsborough-Tragödie erholt.

Derzeit wird die Academy weiter ausgebaut, die Arbeiten sollen in zwei Jahren abgeschlossen sein. Die Profi-Abteilung, derzeit noch im acht Kilometer südlich gelegenen Melwood Training Ground beheimatet, wird dann ebenfalls nach Kirkby ziehen, so dass alle Teams unter einem Dach trainieren.

Besuch bei den Beatles

Am späten Nachmittag stand der nächste kulturelle Höhepunkt dieser Englandreise an. Der Hoffenheim-Tross besuchte „The Beatles Story“, die weltweit größte Ausstellung über die „Fab Four“ John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. Die vier gebürtigen Liverpooler stellten in den 60er und 70er Jahren gemeinsam – und später mit ihren Solo-Karrieren – die Musikwelt auf den Kopf. Liverpool wurde zur Welthauptstadt der Rockmusik, die zahlreichen Nummer-eins-Hits der Band wurden von den Tribünen des Anfield-Road-Stadions geschmettert, wodurch die Fans die einzigartige Atmosphäre in dieser Arena begründeten.

Knapp eineinhalb Stunden dauerte diese Tour im Albert Dock, ehe der ereignisreiche Tag im belebten Zentrum einen würdigen Ausklang fand. Am Karfreitag verwandelten Menschen aus allen Himmelsrichtungen die Innenstadt in eine einzige Party-Meile. Eine Junggesellenfeier reihte sich an die nächste, trotz kühler Temperaturen wurde an allen Ecken gefeiert. In den Clubs und Pubs wird allerdings schon lange keine Beatles-Musik mehr gespielt.

Liverpool FC – TSG 1899 Hoffenheim 2:0 (1:0)
Hoffenheim: Drljaca – Amade, Grimmer, Weber, Foshag – Tomas – Politakis (67. Kwarteng), Kwarteng (46. Hack) – Weidner (46. Pander), Karlein, Alberico.
Tore: 1:0 Brewster (30.), 2:0 Gomez (64.).

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